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Spekulationen - Deutsche Bank sucht offenbar neuen Chef

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Schwierige Zeiten für die Deutsche Bank: Seit Jahresbeginn ist die Aktie um rund 30 Prozent abgestürzt. Jetzt wird über einen möglichen Führungswechsel berichtet.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan während eines Interviews am 02.02.2018 in Frankfurt.
Deutsche-Bank-Chef John Cryan.
Quelle: reuters

Der Druck auf Deutsche-Bank-Chef John Cryan nimmt zu. Schon länger stellen Investoren mehr oder weniger offensiv die Frage, ob der im Sommer 2015 als Sanierer angetretene Brite noch der richtige Mann an der Spitze des größten deutschen Geldhauses ist. Drei Verlustjahre in Folge und ein Kursrutsch der Aktie strapazieren die Geduld der Anleger. Nun berichtet die britische Zeitung "The Times", der Dax-Konzern sei bereits auf der Suche nach einem Nachfolger für Cryan.

Cryan will bleiben - Vertrag bis 2020

Das Frankfurter Geldhaus habe den Europachef der Wall-Street-Bank Goldman Sachs, Richard Gnodde, angesprochen, schrieb die Zeitung. Dieser habe das Angebot aber wohl abgelehnt. Eine Sprecherin der Deutschen Bank kommentierte den Bericht auf Nachfrage nicht. Cryans Vertrag endet regulär im Jahr 2020. Zuletzt hatte er angedeutet, weitermachen zu wollen. Seine Arbeit sei nicht immer einfach gewesen, sagte Cryan mit einem Schmunzeln auf der Bilanzpressekonferenz Anfang Februar und fügte hinzu: "Ich fange an, meinen Job zu mögen."

Die Beziehung zwischen Cryan und Aufsichtsratschef Paul Achleitner sei zerrüttet, schreibt die "Times" weiter. Cryan wolle die Bank radikaler umbauen, namentlich das Kapitalmarktgeschäft - einst Gewinnbringer der Bank und heute Sorgenkind. Darüber habe es einen heftigen Streit in der Führungsetage gegeben. Schon vergangenes Jahr war von Spannungen zwischen Cryan und Achleitner berichtet worden. Damals ging es um den Umgang mit dem Großaktionär HNA aus China. Außer dem Goldman-Manager Gnodde seien auch der Chef der italienischen Großbank Unicredit, Jean Pierre Mustier, und der Chef der britischen Großbank Standard Chartered, Bill Winters, als mögliche Nachfolger für Cryan erwogen worden, schreibt die "Times". Intern gelte der fürs Kapitalmarktgeschäft zuständige Co-Vizechef Marcus Schenck als starker Kandidat.

Bank im Umbau

Cryan hatte Mitte 2015 das Ruder bei der Deutschen Bank übernommen. Seitdem baut er das von teuren Rechtsstreitigkeiten schwer in Mitleidenschaft gezogene Institut um. So integriert er die Tochter Postbank komplett in den Konzern, um eine stärkere Stellung im deutschen Privatkundengeschäft zu erlangen. Auch brachte er die Fondstochter DWS an die Börse, um ihr mehr Freiheiten zu geben. Doch die gute Nachricht über den soliden Börsenstart der DWS am vergangenen Freitag ging rasch unter: Wenige Tage zuvor hatte Finanzvorstand James von Moltke Investoren mit dem Hinweis auf ein schwieriges erstes Quartal im Kapitalmarktgeschäft geschockt.

In der Krise um die Deutsche Bank lassen Insider verlauten, dass die Luft für Vorstandschef Cryan dünn werde. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann mit einer Einschätzung.

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Seit dem Wochenende gibt es zudem Wirbel um IT-Vorstand Kim Hammonds: Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hatte Hammonds bei einem Treffen der 150 wichtigsten Führungskräfte gesagt, die Bank sei das "dysfunktionalste Unternehmen", für das sie je gearbeitet habe. In einem Interview mit dem "Handelsblatt" tags darauf bestätigte sie dies zwar nicht, widersprach aber auch nicht. Für öffentliche Kritik sorten ferner die üppigen Boni. Trotz des Verlusts 2017 schüttet die Bank 2,3 Milliarden Euro an ihre Mitarbeiter aus, vor allem im schwächelnden Investmentbanking.

Leichte Erholung der Aktie nach Absturz

Mit den Spekulationen um den Führungswechsel erholte sich der Aktienkurs am Dienstag etwas. Um 1,5 Prozent konnte er am Morgen zulegen. Die ungute Gemengelage hatte den Kurs zuvor gedrückt: Zwischenzeitlich war er unter 11 Euro gerutscht und damit auf den tiefsten Stand seit Herbst 2016 - damals war grundsätzlich über die Zukunftsfähigkeit der Deutschen Bank spekuliert worden. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie bis jetzt mehr als 28 Prozent an Wert und hat damit den mit Abstand schwächsten Wert im Leitindex Dax. Konzernchef Cryan weiß, wie schwierig die Lage ist: "Ich bin selbst einer dieser Kritiker und extrem ungeduldig", sagte Cryan kürzlich bei einer Veranstaltung in Austin (Texas). "Aber einen Öltanker zu wenden, benötigt eben seine Zeit."

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