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Kritik an Fusionsgesprächen wächst

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Deutsche Bank und Commerzbank - Kritik an Fusionsgesprächen wächst

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Einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank sehen viele Beobachter skeptisch. Auch Finanzexperte Klaus Nieding äußert im ZDF-Mittagsmagazin Bedenken.

Die scharfe Kritik an einer möglichen Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank reißt nicht ab. Der Finanzexperte Klaus Nieding hält die Fusionsgespräche der Deutschen Bank und der Commerzbank für wenig sinnvoll. "Ich habe den Eindruck, dass man diese Gespräche nur deshalb führt, weil die Politik diese Gespräche will", sagte Nieding im ZDF-Mittagsmagazin. Die Deutsche Bank sei für sich schon ein großer Player in Europa. Auch durch einen Zusammenschluss mit der Commerzbank decke sie keine zusätzlichen Geschäftsfelder ab.

Nieding: Bis zu 50.000 Arbeitsplätze bedroht

Mit so einer Fusion schaffe man eine Bank, die äußerste Systemrelevanz in Deutschland habe. Im Falle einer Finanzkrise müsse sie dann mit Steuergeldern gerettet werden, so Nieding. "Und so eine Bank ist international immer noch nicht unter den Top zehn". Dazu komme noch eine große Zahl an Stellenstreichungen: "Ich gehe davon aus, dass wir von 30.000 bis 50.000 Arbeitsplätzen reden, die im Rahmen einer Kosteneinsparmaßnahme zum Opfer fallen." Zudem kritisierte er Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) dafür, dass er den Zusammenschluss befürworte.

Für Nieding gäbe es auch andere Methoden, die Deutsche Bank international relevanter zu machen: "Wie wäre es denn mit einer Fusion internationaler Art innerhalb Europas?" Letztlich sei eine solche Fragestellung aber Aufgabe des Managements der Banken. "Die Politik hat sich da rauszuhalten", forderte Nieding im ZDF.

Bundesregierung beobachtet Gespräche

Auch Frank Bsirske, der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, warnte am Montag abermals vor dem Verlust Zehntausender Arbeitsplätze bei den beiden Instituten. Aus dem direkten Umfeld von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich bislang nicht selbst zu den Plänen geäußert hat, kamen eher besorgte Töne. Wenn es zum Verlust Tausender Arbeitsplätze käme, "dann ist das natürlich ein schwieriger Befund", sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) der "Bild"-Zeitung. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte in Berlin: "Die Bundesregierung wird das aufmerksam beobachten."

Deutsche Bank und Commerzbank hatten am Sonntag den Beginn formeller Fusionsverhandlungen bestätigt. Über diesen Schritt war seit Wochen spekuliert worden - vor allem seit immer klarer wurde, dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär Jörg Kukies, der frühere Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, einen Zusammenschluss der beiden Institute zu einem nationalen Champion befürworten. Die Chefs von Deutscher Bank und Commerzbank, Christian Sewing und Martin Zielke, betonten aber, dass die Gespräche ergebnisoffen seien und keineswegs am Ende eine Fusion stehen muss.

Fusionsinstitut wäre Europas drittgrößtes Bankhaus

Scholz wollte die Entscheidung der beiden Banken, offizielle Gespräche aufzunehmen, am Montag nicht kommentieren. Ein Sprecher seines Ministeriums sagte, er habe in der Vergangenheit "keinen Druck wahrgenommen seitens des Bundesministeriums der Finanzen." Es sei völlig offen, ob eine Fusion überhaupt stattfinde. Sollte das Vorhaben glücken, entstünde die mit Abstand größte deutsche Bank mit rund 38 Millionen Privat- und Firmenkunden, anfänglich rund 140.000 Mitarbeitern, 2.400 Filialen in Deutschland, einem Marktanteil von rund 20 Prozent und einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro. In Europa wäre das neue Institut nach der britischen HSBC und der französischen BNP Paribas das drittgrößte Bankhaus.

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