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Verhandlungen geplatzt - Deutsche Bank und Commerzbank sagen Fusion ab

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Fusion geplatzt: Deutsche Bank und Commerzbank wollen sich nicht zusammenschließen. Die Vorstände sähen "keinen ausreichenden Mehrwert", teilten beide Banken mit.

Nach sechs Wochen langen Verhandlungen erteilen die Deutsche Bank und die Commerzbank einer Fusion eine Absage. Nach gründlicher Prüfung seien die Vorstände der beiden Banken zu dem Schluss gekommen, dass ein Zusammenschluss keinen ausreichenden Mehrwert bieten würde, teilten die beiden Banken am Donnerstag in gleichlautenden Mitteilungen mit. Beide verwiesen auf die Umsetzungsrisiken, Restrukturierungskosten und Kapitalanforderungen, die mit einer solch großen Integration einhergingen. Daher hätten beide Banken entschieden, die Gespräche nicht fortzusetzen.

Gespräche seit März

"Es war sinnvoll, diese Option einer innerdeutschen Konsolidierung zu prüfen", erklärte Commerzbank-Chef Martin Zielke. "Nach gründlicher Analyse sind wir zum Schluss gekommen, dass ein Zusammenschluss mit der Deutschen Bank keinen ausreichenden Mehrwert bieten würde." "Für uns war aber von Anfang an klar: Mit einem Zusammenschluss müssten wir höhere und nachhaltigere Renditen für unsere Aktionäre erreichen und die Leistungen für unsere Kunden verbessern können", teilten beide Banken wortgleich mit.

Die zwei größten deutschen Privatbanken führten seit Mitte März formelle Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss, durch den die mit weitem Abstand größte deutsche Bank entstanden wäre. Allerdings wären bei einem Zusammenschluss auch mehrere zehntausend Jobs wegfallen.

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Betriebsrat erleichtert

Der Betriebsrat der Commerzbank begrüßt den Abbruch der Fusionsgespräche. "Wir sind sehr erleichtert. Dieser Deal wäre für die Mitarbeiter ein Desaster gewesen", sagte
Commerzbank-Betriebsrätin Gabriele Seum. "Wir fürchten aber, dass nun weitere schwierige Gespräche bezüglich Veränderungen anstehen und wir uns nicht entspannt zurücklehnen können werden."

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) zeigte Verständnis für die geplatzte Fusion. "Solche Kooperationen machen nur Sinn, wenn sie sich betriebswirtschaftlich rechnen und auf ein belastbares Geschäftsmodell zusteuern", erklärte er in Berlin. Gleichwohl brauche die global agierende deutsche Industrie "konkurrenzfähige Kreditinstitute, die sie in aller Welt begleiten können", fuhr er fort.

Heil: Handel vor rapiden Veränderungen

Bundesarbeitsminister Heil äußerte sich bedeckt zu der Neuigkeit. Es handele sich "um die privatwirtschaftliche Entscheidung zweier Unternehmen", sagte er in Berlin. Das heiße nicht, dass in der Bankenbranche "alles in Ordnung" sei. Der Bereich Handel, Banken, Versicherungen stehe vor "rapiden Veränderungen", dafür sei der enge Austausch zwischen Gewerkschaften und Unternehmen nötig.

Kritiker einer Fusion hatten vor allem einen gewaltigen Stellenabbau und mögliche Filialschließungen als Argumente gegen die Banken-Hochzeit ins Feld geführt. Zudem haben die Institute zehn Jahre nach der Finanzkrise noch große Baustellen, etwa in der IT oder bei juristischen Altlasten. Daher gab es erhebliche Zweifel, ob eine Fusion wirklich Sinn ergeben würde.

Unterdessen mahnen Aufseher die Institute zu einer Fortsetzung ihres Umbaukurses. "Wir gehen davon aus, dass beide Banken ihre bereits eingeschlagenen Restrukturierungsanstrengungen, die erste positive Ergebnisse zeigen, konsequent weiterverfolgen", ließ der für Banken- und Finanzaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling mitteilen.

Großes Bankenringen

Das erste Quartal ist für die Deutsche Bank allerdings nicht so schlecht gelaufen wie von Analysten befürchtet. Der Gewinn nach Steuern belaufe sich voraussichtlich auf rund 200 Millionen Euro, kündigte der Dax-Konzern zeitgleich mit dem Abbruch der Fusionsgespräche an. Ein Jahr zuvor hatte die Bank 120 Millionen Euro verdient.

Durch das laufende Sparprogramm gingen die bereinigten Kosten der
Bank allerdings von 6,35 Milliarden auf voraussichtlich 5,9 Milliarden Euro zurück.Die Deutsche Bank müht sich seit Jahren, an frühere Milliardengewinne anzuknüpfen und schaffte 2018 nach drei Verlustjahren in Folge gerade so die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Skandale und Prozesse verschlangen über Jahre Milliarden, der Aktienkurs ist im Keller. Nach ersten Berichten über ein mögliches Scheitern der Fusionsgespräche legte die Aktie um 0,8 Prozent zu.

Anders sah es bei der Commerzbank aus: Die Papiere der teilverstaatlichten Bank, die im Falle eines Zusammenschlusses von der Deutschen Bank übernommen worden wären, gaben rund eineinhalb Prozent nach und bauten damit die Verluste der Vortage aus. Die Commerzbank war im vergangenen Herbst in die zweite Börsenliga abgestiegen und ist ebenfalls seit Jahren im Umbruch. Bei der jüngsten Bilanzvorlage musste der Vorstand einräumen, dass das zehn Jahre nach der Finanzkrise noch immer teilverstaatlichte Institut bei der Senkung seiner Kosten noch nicht am Ziel ist. Zudem zeichnet sich ab, dass die Commerzbank entgegen der Planung auch 2020 noch wesentlich mehr Geld für einen Euro Gewinn aufwenden muss als mancher Konkurrent - etwa die bei Privatkunden in Deutschland äußerst erfolgreiche Direktbank ING.

Politik hofft auf "nationalen Champion"

Führende Politiker allerdings wünschen sich schon lange ein international wettbewerbsfähiges Institut, das mit den großen Banken aus den USA und China dauerhaft mithalten kann. Seit vergangenem Sommer betonen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies, Deutschland brauche starke Banken. Bei der Commerzbank hat der Bund Mitspracherecht: Nach einer Rettungsaktion mit Steuermilliarden in der Finanzkrise ist der Staat mit gut 15 Prozent größter Anteilseigner des Instituts.

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