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Deutsche Bank und Volkswagen - Zwei Konzerne im Umrbuch

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Die Deutsche Bank und Volkswagen ordnen ihre Führung neu und versuchen so, sich für die Zukunft zu wappnen. Es gibt viele Parallelen, doch auch große Unterschiede.

Logos der Deutschen Bank und Volkswagen
Suchen Orientierung: Deutsche Bank und Volkswagen Quelle: ZDF/dpa

Bis spät in die Nacht am Sonntag brauchte der Aufsichtsrat der Deutschen Bank, um die Nachfolge von John Cryan an der Spitze des Geldhauses klar zu kriegen. An diesem Freitag könnte es in Wolfsburg ähnlich laufen, wenn der Aufsichtsrat die Volkswagen-Führung umbaut; und - wie es aussieht - auch Konzernchef Matthias Müller entthronen wird. Beide haben auf den ersten Blick einen guten Job gemacht, und beide hatten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Es gibt aber auch grundlegende Unterschiede.

Gemeinsamkeiten I: Betrügereien und Manipulationen

Was beide Konzerne gemein haben: Sie steckten - und gerade im Fall der Deutschen Bank gilt das immer noch - in einer ernsthaften Krise. Matthias Müller löste seinen Vorgänger Matthias Winterkorn ab, nachdem heraus kam, dass Volkswagen systematisch Dieselmotoren manipuliert hat. Die Folge waren Rückrufe und milliardenschwere Strafzahlungen, vor allem in den USA, wo die Behörden mit betrügerischen Konzernen wenig zimperlich umgehen.

Deutsche Bank hat neuen Vorstand
Quelle: ap

Auch die Deutsche Bank ist im vergangenen Jahrzehnt stark ins Zwielicht geraten: Auf der Jagd nach Rendite haben provisionsgetriebene Mitarbeiter Schrottpapiere gebündelt und an einigermaßen naive Investoren verkauft. Außerdem haben sie Zinskurven manipuliert. Die Nachwirkungen sind bis heute zu sehen: Manipulierte Zinsen wie der Euribor sind gerade Gegenstand einer Gerichtsverhandlung in London. Dort muss sich nun ein ehemaliger Deutsche-Bank-Mitarbeiter verantworten - er hatte seinerzeit rekordverdächtige Boni für seine Arbeit bekommen. Wie auch immer - jedenfalls kamen auf die Bank ebenfalls Milliarden an Strafzahlungen zu. Und viele Rechtsstreitigkeiten sind noch im vollen Gange.

Gemeinsamkeiten II: Strafen treffen die Unternehmen doppelt

Gemeinsam haben beide Konzerne auch, dass die Folgen der Vergangenheit die Konzerne in einer Phase treffen, in der das Geld eigentlich dringend nötig wäre, um sich auf das wandelnde Umfeld einzustellen. Im Bankwesen schreitet wie andernorts unaufhaltsam die Digitalisierung voran; IT-Systeme müssen umgestellt und modernisiert, Antworten auf neue Herausforderungen wie Fintech-Unternehmen (Fintech ist die Abkürzung für financial technology, zu Deutsch: Finanztechnologie) gefunden werden. Und die Nullzinsen schmälern zudem die Erträge der Banken.

Bei Volkswagen ist es der Aufbruch in das Zeitalter des zunehmend autonomen Fahrens, vor allem aber der Aufbruch in eine Ära neuer Antriebstechnologien, die der Konzern angehen muss. Stichwort: Elektromobilität. Die Milliardenstrafen in Folge des Dieselskandals lassen Volkswagen hinter seine eigentlichen Möglichkeiten zurückfallen. Denn jeder Euro, der durch Strafen an Behörden und Gerichte geht, kann nicht in Forschung und Entwicklung fließen. Und noch immer schwebt das Damoklesschwert auch über Volkswagen, wie man jüngst beobachten konnte. Da kam heraus, dass Volkswagen und andere Autobauer Abgastests an Affen beauftragt haben.

Gemeinsamkeiten III: Diskussionen um Boni und Gehälter

volkswagen - mueller
Matthias Müller Quelle: dpa

Und schließlich gibt es noch eine Gemeinsamkeit zwischen beiden Konzernen, wenn auch anders dimensioniert. Matthias Müller ist ein eher temperamentvolles Gemüt. Er hatte sich jüngst über die Diskussion über mögliche Deckelungen von Managergehältern aufgeregt. Solche Maßnahmen erinnerten an Zeiten der DDR, ließ Müller wissen. Im vergangenen Jahr verdiente er über zehn Millionen Euro.

Auch bei der Deutschen Bank ist eine Diskussion um Vergütungen neu entfacht. Um "gute" Investmentbanker zu halten, wird die Bank 2,3 Milliarden Euro Boni ausschütten. Dabei hat die Bank aber im vergangenen Jahr einen Verlust von einer Dreiviertelmilliarde Euro geschrieben. Und die Dividenden an die Aktionäre sollen sich auf 230 Millionen Euro belaufen, also ein Zehntel der Boni-Summe. Das ist mehr als ausreichend Stoff für hitzige Diskussionen auf den Hauptversammlungen der beiden Konzerne.

Größter Unterschied: Geschäftsbilanz

Der Unterschied zwischen beiden Unternehmen schließlich liegt derzeit vor allem in ihrer Geschäftsbilanz. Während die Bank für das vergangene Jahr einen Verlust von einer Dreiviertelmilliarde Euro ausgewiesen hat, sprudeln bei Volkswagen die Gewinne. Trotz einiger Nachwehen des Dieselskandals hat Volkswagen den höchsten operativen Gewinn seiner Geschichte eingefahren - knapp 14 Milliarden Euro. Davon ist bei der Deutschen Bank bislang nichts zu sehen, sie hat in den vergangenen drei Jahren jeweils horrende Verluste produziert.

So gesehen ist die Ausgangslage ungleich: Christian Sewing, seit wenigen Tagen Chef der Deutschen Bank, muss das Unternehmen vor allem wieder in die Gewinnzone bringen. Der Nachfolger von Matthias Müller - wahrscheinlich der bisherige Konzern-Markenchef Herbert Diess -, kann vor dem Hintergrund von Rekordgewinnen die anstehenden Umbrüche gestalten. Das dürfte Diess umso leichter fallen, weil er erst seit drei Jahren bei Volkswagen arbeitet. Er ist vom Konkurrenten BMW zu Volkswagen gestoßen und hat sozusagen noch einen Blick von außen. Christian Sewing hat quasi sein komplettes Berufsleben bei der Deutschen Bank verbracht. In diesem Fall kann das ein Vorteil für ihn sein. Er gilt als wohl gelitten unter den Vertretern der Arbeitnehmer und kennt den Konzern in all seinen Verästelungen. Beide Herren könnten sich gut miteinander austauschen und voneinander lernen. Das würde beiden Konzernen wohl nicht schaden.

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