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Deutsche Bank - Zwischen Neustart und Rückschlag

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Mit einem gigantischen Verlust im zweiten Vierteljahr meldet sich die Deutsche Bank – der geplante radikale Umbau bringt tiefrote Zahlen.

Deutsche Bank, aufgenommen am 24.07.2019 in Frankfurt
Deutsche Bank in Frankfurt
Quelle: Reuters

3,15 Milliarden Euro Verlust im zweiten Quartal – das ist mehr als die meisten Beobachter erwartet hatten. Bankchef Christian Sewing konnte als Erklärung nur darauf verweisen, dass die Deutsche Bank einen wirklich radikalen Umbau plane und einen großen Teil der absehbaren Kosten dafür nun schon eingerechnet habe.

Am teuersten wird es im Investmentbanking, der Sparte, die sich mit Wertpapierhandel beschäftigt und einst dafür sorgen sollte, dass die Deutsche Bank in der amerikanisch dominierten ersten Liga des internationalen Bankgeschäfts mitspielen konnte. Nach diversen Krisen und Verwerfungen stellte sich jedoch heraus, dass die zugekauften Stars der Branche in London und New York zwar enorm teure Wetten und Spekulationen eingingen, dabei aber mehr auf ihre Bonuszahlungen schielten als auf die Mehrung des Bankvermögens.

Umbaukosten in Höhe von sieben Milliarden Euro

Die Deutsche Bank plant nun folgerichtig die Konzentration auf solides Brot- und Butter-Geschäft: Unternehmensfinanzierung, Betreuung vermögender und sonstiger Privatkunden und Kreditvergabe. In diesen Sparten gab es im zweiten Quartal sogar kleine Gewinne, leider aufgefressen von den Altlasten.

Insgesamt rechnet die Bank mit Umbaukosten von mehr als sieben Milliarden Euro. Wenn das mal reicht. Die Schrumpfung der Mitarbeiterzahl um 18.000 bringt gut berechenbare Abfindungskosten, aber die Wertpapiere mit zweifelhaftem Wert bleiben teils noch lange im Bestand. Erst nach dem Ende der Laufzeit wird man das Ergebnis des jeweils zugrundeliegenden Geschäfts bewerten können. Bis dahin sind die Jongleure des großen Geldes längst weg, die seit rund dreißig Jahren das Portfolio aufblähten und große Risiken eingingen.

Fehlende Ideen

Wie riskant das war, erfuhren die gebeutelten Aktionäre des Unternehmens durch mehrere Kapitalerhöhungen, deren Erträge die Bank umgehend wieder auszahlen musste, und zwar an die amerikanischen Justizbehörden. Milliardenstrafen für ungesetzliche Geschäfte belasten die Bilanz der Deutschen Bank schon seit Jahren, gleichzeitig ging es mit dem Aktienkurs heute auf nur noch gut sechs Euro bergab. Und von Dividenden spricht heutzutage kein Mensch mehr. Die Großaktionäre, darunter auch Investmentgesellschaften und Staatsfonds, sehen sich riesigen Verlusten gegenüber. Sie dringen daher auf etwas, was man kaum herbeibefehlen kann: Zündende Ideen.

In der auf absehbare Zeit herrschenden Niedrigzinsphase fällt manches früher lukrative Bankgeschäft flach. Die Konkurrenz allerdings, von der Schweizer UBS bis hin zu Goldman Sachs in den USA, verdient ihr Geld. Es gab schon bessere Zeiten, aber es geht. Bis man das von der Deutschen Bank sagen kann, dürfte es noch dauern. Wenn es sie dann überhaupt noch gibt.

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