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Deutsche Bischofskonferenz - Mehr Transparenz bei Finanzen

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In Ingolstadt haben katholische Bischöfe beraten, was die Kirche aktuell beschäftigt: Finanzskandale, Europa, die Teilnahme evangelischer Ehepartner an der katholischen Eucharistie.

Die deutschen katholischen Bischöfe geloben einmal mehr Besserung. Obwohl sie nach dem Skandal um den überteuerten Bau des Bischofshauses in Limburg 2013 bereits angekündigt hatten, ihre Finanzverwaltungen neu zu ordnen, mehr Transparenz und unabhängige Kontrollinstanzen einzuführen, haben in den vergangenen Jahren immer wieder neue Skandale die Kirche erschüttert. Zuletzt war Anfang Februar bekannt geworden, dass ein inzwischen entlassener Mitarbeiter des Bistums Eichstätt fast 50 Millionen Euro in ungesicherte Darlehen im US-Immobilienmarkt investiert hatte. Im Erzbistum Freiburg wurden Tausende von geringfügig Beschäftigten über Jahre nicht ordnungsgemäß sozialversichert.

"Das können wir nicht mehr aufschieben"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, kündigte zum Abschluss der Vollversammlung in Ingolstadt heute an, dass die Bischöfe in den nächsten Monaten eine Strategie ausarbeiten wollen, um mehr Transparenz und Kontrolle im Finanzbereich der katholischen Kirche in Deutschland zu ermöglichen. "Das können wir nicht mehr aufschieben", erklärte Marx, auch wenn das Vorhaben aufgrund der Organisationsstruktur der katholischen Kirche nicht einfach sei.  

Letztlich ist jedes der 27 Bistümer eine eigenständige Größe und die Bischofskonferenz hat keinerlei Befugnisse über die einzelnen Bistümer. Im Zuge der Finanzdebatte soll auch eine Reform des Finanzausgleichs zwischen armen und reichen Bistümern geprüft werden. Auslöser ist unter anderem die Ankündigung des aufgrund geringer Katholikenzahlen finanzschwachen Erzbistums Hamburg, mit Verweis auf wachsende Schuldenberge bis zu acht der 21 Schulen schließen zu wollen.

Erste Öffnung in Richtung "gemeinsames Abendmahl"

Ein Durchbruch ist den Bischöfen bei der Frage gelungen, ob evangelische Christen die Eucharistie in katholischen Messen empfangen dürfen. Das wird künftig bei gemischt-konfessionellen Ehepaaren für den nicht-katholischen Partner in Einzelfällen möglich sein. Dazu haben die Bischöfe eine "pastorale Handreichung" verabschiedet, die in wenigen Wochen veröffentlicht werden soll. Die Bischöfe hatten in den vergangenen Monaten hart um das Papier gerungen. Die Abschlussdebatte in Ingolstadt soll sehr emotional gewesen sein. Dennoch habe am Ende "eine große Mehrheit" für das Dokument gestimmt. Es ist keine generelle Zulassung zum "gemeinsamen Abendmahl", aber eine erste Öffnung.

Kardinal Marx wies ausdrücklich darauf hin, dass mit der Handreichung keine Veränderung der Lehre vorgenommen werde. Es handle sich um eine pastorale Hilfe, wie bereits bestehende rechtliche Regelungen im konkreten Fall angewendet werden können. Hier orientieren sich die Bischöfe an den Vorgaben des Päpstlichen Schreibens Amoris laetitia zum möglichen Empfang der Kommunion durch wiederverheiratete Geschiedene. In beiden Fällen ist künftig im Rahmen einer seelsorglichen Begleitung ein Kommunionempfang möglich.

"Die Kirche schuldet Europa das Beispiel gelingenden Dialogs"

Die deutschen katholischen Bischöfe wollen den Dialog mit den Ländern Mittel- und Osteuropas intensivieren. Das ist das Ergebnis eines eigenen Studientags, zu dem die Bischöfe Experten aus Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik nach Ingolstadt geladen hatten. "Die Kirche schuldet Europa das Beispiel gelingenden Dialogs", heißt es in der Abschlusserklärung der Bischofsversammlung. Zudem gebe es von Seiten der Politik die Erwartung, dass die katholische Kirche als übernationaler Player helfe, die Gräben zu überwinden, betonte Kardinal Marx, der auch Präsident der EU-Bischofskonferenzen ist. Er selbst werde im Sommer nach Polen reisen, um dort Gespräche zu führen. "Gerade wenn es bei manchen Fragen unterschiedliche Auffassungen gibt, ist ein intensives Gespräch geboten", so die Bischöfe.

Auf Dialog setzen die katholischen Oberhirten auch mit Blick auf die Jugend. Im Oktober findet in Rom eine Bischofssynode zum Thema Jugend statt. Der deutsche Jugendbischof Stefan Oster forderte die Jugendlichen auf, ihre Anliegen per Mail an die drei Bischöfe zu schicken, die Deutschland dort vertreten werden. Große Hoffnungen setzen die Bischöfe auch in die "Vorsynode", die Mitte März in Rom stattfindet. Dabei werden rund 300 Jugendlichen aus der ganzen Welt ihre Vorschläge und Forderungen für die Tagung im Herbst zusammentragen.

Der große Eklat ist bei der Vollversammlung in Ingolstadt ausgeblieben, obwohl kontroverse Themen auf der Tagesordnung standen. Dem Konferenzvorsitzenden Marx ist es gelungen, auch das heikle Papier zur Kommunion für konfessionsverschiedene Ehen in trockene Tücher zu bringen. Das zeigt, dass die deutschen Bischöfe trotz inhaltlicher Differenzen handlungsfähig sind. 

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