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Studie "Ängste der Deutschen" - Mehr Deutsche haben Angst vor Trump als vor schwerer Krankheit

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Nicht die Bedrohungen durch Terroristen oder schwere Krankheiten machen den meisten Deutschen Angst - sondern es ist die Politik von US-Präsident Trump. Das zeigt eine neue Studie.

Die Ausländerpolitik von Donald Trump steht in der Kritik.
Die Ausländerpolitik von Donald Trump steht in der Kritik.
Quelle: Andrew Harnik/AP/dpa

Die Deutschen fürchten sich aktuell vor allem vor den internationalen Auswirkungen der Politik von US-Präsident Donald Trump. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Befragung über die Ängste der Deutschen, die in Berlin vorgestellt wurde. Innenpolitisch steht die Zuwanderung im Mittelpunkt. So haben Ängste wie eine "Überforderung von Deutschen und Behörden durch Flüchtlinge" und "Spannungen durch den Zuzug von Ausländern" gegenüber dem Vorjahr wieder an Bedeutung gewonnen und folgen auf der Rangliste auf den Plätzen zwei und drei.

Trumps Politik erschüttert Vertrauen in die USA

Für die repräsentative Langzeitstudie "Die Ängste der Deutschen" im Auftrag der R+V-Versicherung werden seit 1992 jährlich rund 2.400 Frauen und Männer im Alter ab 14 Jahren befragt. In diesem Jahr wurden die Interviews zwischen Anfang Juni und Mitte Juli geführt. Der neuen Studie zufolge fürchten sich derzeit mit 69 Prozent der Befragten mehr als zwei Drittel der Deutschen vor der Politik des US-Präsidenten.

Grund dafür seien Trumps "Attacken" etwa gegen den Freihandel, die EU und die deutsche Exportwirtschaft sowie seine Infragestellung der bisherigen NATO-Politik, sagte der Heidelberger Politikforscher Manfred Schmidt als wissenschaftlicher Berater der Studie. Die Annahme, dass die USA ein verlässlicher und stabiler Partner bleiben, sei bei den Deutschen schwer erschüttert.

"Herausforderung Einwanderung"

Als "außerordentlich kritisch" bewertete Schmidt die "Herausforderung Einwanderung". So gaben 63 Prozent als Grund für Ängste eine mögliche Überforderung des Landes durch Flüchtlinge an. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als 2017, aber noch drei Prozentpunkte unter dem Wert von 2016. Auch die Angst vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern stieg um zwei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr auf ebenfalls 63 Prozent, 2016 waren es jedoch noch 67 Prozent. Die Angst vor Terrorismus sank hingegen von Platz eins im Vorjahr auf Platz fünf. Terroranschläge fürchten derzeit 59 Prozent der Deutschen, das sind zwölf Prozentpunkte weniger als 2017.

Studie "Die Ängste der Deutschen"
Die größten Ängste der Deutschen (Plätze 1 - 10)
Gefährliche Welt durch Trump-Politik 69 Prozent
Überforderung von deutschen Behörden durch Flüchtlinge 63 Prozent
Spannungen durch Zuzug von Ausländern 63 Prozent
Überforderung der Politiker 61 Prozent
Terrorismus 59 Prozent
Kosten für Steuerzahler durch EU-Schuldenkrise 58 Prozent
Politischer Extremismus 57 Prozent
Naturkatastrophen 56 Prozent
Schadstoffe in Nahrungsmitteln 55 Prozent
Pflegefall im Alter 52 Prozent

Auf weiteren Spitzenplätzen stehen die Angst vor einer allgemeinen "Überforderung der Politiker" (Platz vier, 61 Prozent), vor den Kosten der EU-Schuldenkrise für die Steuerzahler (Platz sechs, 58 Prozent) und vor politischem Extremismus (Platz sieben, 57 Prozent). Am Ende der Top Ten finden sich Sorgen vor Naturkatastrophen (Platz acht, 56 Prozent), vor Schadstoffen in Nahrungsmitteln (Platz neun, 55 Prozent) sowie die Angst, im Alter zum Pflegefall zu werden (Platz zehn, 52 Prozent).

Sorgen um persönliche Lebenssituation gering

Auf Platz 13 (47 Prozent) steht die Angst vor einer schweren Erkrankung. Eine relativ geringe Rolle spielt derzeit die Angst vor einem Anstieg der Arbeitslosigkeit (Platz 17, 29 Prozent) und vor eigener Arbeitslosigkeit (Platz 20, 25 Prozent). Nur 18 Prozent befürchten das Zerbrechen der eigenen Partnerschaft. Während die Menschen mit Blick auf ihre eigene Sicherheit "auffallend gelassen" seien, so Schmidt, bewerteten sie das Abschneiden der Politiker als "katastrophal".

Untermauert werde dies durch die Schulnoten für Politiker, die ebenfalls abgefragt wurden. Knapp die Hälfte (48 Prozent) habe die Leistungen als mangelhaft oder ungenügend eingestuft. Nur etwas mehr als fünf Prozent der Befragten bewerteten die politisch Verantwortlichen dagegen als sehr gut oder gut.

Ängste in Sachsen-Anhalt am höchsten

Insgesamt, so ein weiteres Fazit der Studie, sind die Deutschen im Vergleich zu den Vorjahren aber nur "geringfügig ängstlicher" geworden. Bezogen auf Altersgruppen, hat die der über 60-Jährigen die größten Befürchtungen. Die Studie hat die Ängste der Deutschen auch nach Bundesländern aufgeschlüsselt. Danach sind die Ängste derzeit in Sachsen-Anhalt am verbreitetsten - dort sind die Befürchtungen der Menschen vor der Überforderung der Politiker sowie vor der Überforderung durch Flüchtlinge am größten. Es folgt Mecklenburg-Vorpommern. Am wenigsten Angst haben danach die Menschen in Berlin und Brandenburg sowie in Schleswig-Holstein. Vergleichsweise wenig Sorgen machen sich auch die Baden-Württemberger, die Hamburger, Bremer und Niedersachsen.

Einen Unterschied zwischen den Ängsten der Ost- und Westdeutschen gibt es laut den Ergebnissen der Studie kaum noch. Während der "Angstindex", der sich aus 16 verschiedenen Zukunftsängsten ableitet, Anfang der 1990er Jahre noch deutliche Unterschiede dokumentierte und die Ängste bei den Westdeutschen deutlich niedriger ausfielen, liegen die Werte nun etwa auf gleicher Höhe.

Fast klischeehaft machen sich laut Untersuchung Frauen grundsätzlich mehr Sorgen als Männer. Deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es bei Bedrohungen durch Terroristen (Frauen: 64 Prozent, Männer: 54 Prozent), der Furcht vor Schadstoffen in Nahrungsmitteln (Frauen: 60 Prozent, Männer: 49 Prozent). Und schließlich sind auch Themen wie Krankheit (Frauen: 53 Prozent, Männer: 41 Prozent) und Pflegebedürftigkeit (Frauen: 57 Prozent, Männer: 47 Prozent) bei deutlich mehr Frauen mit Angst besetzt.

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