Sie sind hier:

Präsident der Bundesärztekammer - Viele Baustellen für den Neuen

Datum:

Der Ärztetag wählt einen neuen Präsidenten. Langweilig wird es für den Nachfolger von Montgomery dank Digitalisierung und Co nicht werden. Die großen Themen - ein Überblick.

Ärzte auf dem Flur eines Krankenhauses. Symbolbild
Ärzte auf dem Flur eines Krankenhauses. Symbolbild
Quelle: Gregor Fischer/dpa

Seit Dienstag beraten beim 122. Deutschen Ärztetag in Münster rund 250 ärztliche Abgeordnete aus ganz Deutschland über die aktuelle Gesundheitspolitik und berufspolitische Themen. Das Ärzteparlament wählt auch einen neuen Präsidenten der Bundesärztekammer.

Fest steht: Langeweile wird auch für den Nachfolger von Frank Ulrich Montgomery, der nach acht Jahren Amtszeit nicht wieder antritt, nicht aufkommen. Die Digitalisierung und die Gesundheitsversorgung der alternden Gesellschaft sind nur zwei der Megathemen. Die größten Themen im Überblick:

E-Patientenakte soll bis 2021 kommen

Gesundheits-Apps auf Kassenkosten oder weniger Papierkram in den Praxen: Neue digitale Angebote sollen nach Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bald auf breiter Front für Patienten zu nutzen sein. Der CDU-Politiker brachte dafür den Entwurf eines "Digitalisierungsgesetzes" auf den Weg. Eine Zielmarke ist die schon festgeschriebene Einführung freiwilliger E-Patientenakten bis spätestens 2021. Ärzte in Praxen und Kliniken sollen es vergütet bekommen, wenn sie etwa Angaben zu Behandlungen oder Blutwerte einstellen.

Bestimmte Gesundheits-Apps fürs Handy sollen Patienten künftig von den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) bezahlt bekommen - wenn ihr Arzt ihnen das verschreibt. Dabei geht es zum Beispiel um Anwendungen, die beim regelmäßigen Einnehmen von Medikamenten helfen, digitale Tagebücher für Diabetiker oder Apps für Menschen mit Bluthochdruck. In Kraft treten sollen die Neuregelungen möglichst zum Jahreswechsel.

Jede Lebensphase braucht eine eigene Medizin

Deutschland wird immer älter. Während 2013 etwa 4,4 Millionen Menschen 80 Jahre und älter waren, werden es 2050 - so schätzen es Experten - fast 10 Millionen sein. Damit gehen besondere Anforderungen an die Gesundheitsversorgung einher. Je älter, desto individueller müsse diese sein, bringt es Professor Karl-Günter Gaßmann auf den Punkt.

Der zweifach mit dem Erlanger Medizinpreis ausgezeichnete Chefarzt des Geriatrie-Zentrums Erlangen im Waldkrankenhaus St. Marien weiter: "Jede Lebensphase braucht ihre eigene Medizin, so brauchen ältere Menschen eine andere Behandlung wie Kinder." Eine Herausforderung, der sich Frank Ulrich Montgomerys Nachfolger stellen müssen wird.

Mehr Sprechzeit für Kassenpatienten

Weil gesetzlich Versicherte oft zu lange auf Arzttermine warten, hat die Bundesregierung das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) auf den Weg gebracht. Dieses verpflichtet niedergelassene Ärzte unter anderem, mindestens 25 Stunden pro Woche an Sprechzeiten zu leisten. Bislang sind es nur 20.

Für diese zusätzlichen Leistungen sollen die Ärzte auch zusätzliches Geld erhalten. Ein weiterer Kernpunkt des Gesetzes ist zudem der Ausbau der Terminservicestellen (TTS). Diese sollen spätestens zum 1. Januar 2020 zentrale Anlaufstellen für Patienten werden und Termine bei Haus- und Kinderärzten, Fachärzten und Psychologischen Psychotherapeuten vermitteln.

Weniger Selbstverwaltung für Ärzte

Die Ärzte kritisieren vor diesem Hintergrund die aus ihrer Sicht zunehmenden Eingriffe des Staates in die Arbeit der Selbstverwaltung und die damit einhergehende Aushöhlung der Kompetenzen der Selbstverwaltungsorgane. Der Gesetzgeber würde auf diese Weise zu sehr in die Praxisabläufe der niedergelassenen Ärzte eingreifen.

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), gibt zu bedenken, dass Regeln wie verpflichtende offene Sprechstunden für bestimmte Arztgruppen oder Honorarzuschläge für die Versorgung neuer Patienten die Gefahr berge, Abläufe in den Praxen zu behindern. Außerdem könnte es die Versorgung für bestimmte Patientengruppen wie chronisch Kranke verschlechtern.

Neuregelung der Organspende

Noch vor der parlamentarischen Sommerpause soll der Bundestag eine Neuregelung zur Organspende beschließen. Diese soll dafür sorgen, den Mangel an lebensrettenden Organspendern und die große Not der 9.400 Menschen, die derzeit auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen, zu lindern.

Diskutiert werden zwei konkurrierende Entwürfe. Der Entwurf von einigen Bundestagsabgeordneten sieht vor, dass die Organspende nach dem Tod eine bewusste und freiwillige Entscheidung bleibt, die nicht durch den Staat erzwungen werden darf. Bürger sollen ihre Haltung zur Organspende bei der Abholung ihres Ausweises dokumentieren.

Der Entwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht dagegen vor, dass jeder Bürger nach einem Hirntod ein potenzieller Organspender ist, außer er hat zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen. Bürger, die keine Organe spenden wollen, müssten dies in einem Register dokumentieren. Wie sich Frank Ulrich Montgomerys Nachfolger positioniert, bleibt abzuwarten.

Die medizinisch-ethische Fragen um die Sterbehilfe

Auf den Nachfolger von Frank Ulrich Montgomery warten darüber hinaus weitere medizin-ethische Debatten: von der Diskussion über vorgeburtliche genetische Blutuntersuchungen, etwa zum Ausschluss von Trisomien, bis hin zur Sterbehilfe.

Insbesondere gegen Letztere sprach sich der 66-jährige Radiologe aus Hamburg vehement aus, während das Bundesverfassungsgericht das Sterbehilfeverbot in Deutschland voraussichtlich aufweichen wird. Frank Ulrich Montgomerys Sichtweise ist klar: Mediziner sind nicht Sterbe-, sondern Lebenshelfer. Ob sein Nachfolger ähnlich klar Stellung bezieht?

Impfungen auf keinen Fall Apothekern überlassen?

Das Bundesgesundheitsministerium plant eine Neuregelung zu Modellvorhaben, bei denen Apotheker Grippeimpfungen verabreichen sollen. Frank Ulrich Montgomery hat sich auf dem Ärztetag vehement gegen diese Pläne ausgesprochen. Zum Impfen gehörten vorherige Befragungen und Untersuchungen von Patienten sowie Eingriffsmöglichkeiten bei Zwischenfällen. Die Verantwortung dafür könne auf gar keinen Fall an andere Berufsgruppen wie Apotheker übertragen werden.

Der scheidende Präsident der Bundesärztekammer warf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn grundsätzlich vor, mit mehreren geplanten Reformen die Sicherheit der Patienten zu gefährden: "Ärztliche Kernaufgaben sollen schrittweise an Berufe ausgelagert werden, die dafür nur unzureichend ausgebildet sind."

Hebammen aus dem Hörsaal

Noch dauert die Hebammenausbildung in Deutschland drei Jahre und findet an Hebammenschulen statt. Damit dürfte bald Schluss sein. Nach den Wünschen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sollen Hebammen künftig in einem dualen Studium für ihren Beruf ausgebildet werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf zur Reform der Hebammenausbildung wurde vom Bundeskabinett beschlossen.

Während Jens Spahn dafür warb, mit der Reform, die Anfang Januar 2020 in Kraft treten soll, die Hebammenausbildung moderner und attraktiver zu machen, stoßen die Pläne unter anderem bei Gynäkologen auf Kritik. Als Folge sei zu befürchten, dass Hebammen in den Kreißsälen fehlten, warnten der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) kürzlich in einer gemeinsamen Erklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.