Point-and-Click - and Win

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Deutscher Computerspielpreis - Point-and-Click - and Win

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Überraschung beim diesjährigen Deutschen Computerspielpreis: Es dominiert ausgerechnet ein Genre, das vor rund 30 Jahren aus der Mode kam.

Screenshot: Trüberbrook
Bestes deutsches Spiel, beste Inszenierung: Deutscher Computerspielpreis für das Point-and-Click-Adventure Trüberbrook
Quelle: btf


Leisure Suit Larry, Monkey Island, Space Quest, Maniac Mansion, Sam & Max, Gabriel Knight, King's Quest oder Der Tag des Tentakels. Bei mindestens einem dieser Titel müsste es eigentlich bei jedem Klick machen. Point-and-Click, um genau zu sein. Dieses Computerspiele-Genre war der Renner in den 1980ern und frühen 90ern. Doch Computer wurden leistungsfähiger, Spiele schneller und dreidimensional. Diese Art Spiele wirkte im Vergleich behäbig und veraltet und verschwand von der Bildfläche.

Point-and-Click-Adventures die großen Gewinner

Nun heißen die zwei großen Gewinner beim Deutschen Computerspielpreis Trüberbrook (bestes deutsches Spiel, beste Inszenierung) und Unforeseen Incidents (bestes Jugendspiel) - und beide sind Point-and-Click-Adventures. Es scheint, als habe sich diese Art von Games wieder fest etabliert, wenn auch in einer Nische. Im Gegensatz zu den meisten der eingangs aufgezählten Klassiker sind die aktuellen zwei Titel jedoch nicht unbedingt Komödien.

In Unforeseen Incidents muss der Spieler den Ausbruch einer mysteriösen Krankheit ergründen. Trüberbrook ist eine skurrile Geschichte über einen US-Physiker, der in den 1960er Jahren in ein verschlafenes Provinznest irgendwo in Deutschland gerät und schnell in eine Verschwörung verwickelt wird. Figuren und Dialoge sind in beiden Spielen sehr skurril, wozu dieses Genre aber grundsätzlich neigt.

"Sich alles sehr genau anzuschauen, zu erforschen, Rätsel zu entdecken, Charaktere zu erspüren": So beschreibt Linda Breitlauch, Dozentin für Intermedia Design in Trier, die Mechanik dieser Spiele. "Das ist ein ganz wichtiger Punkt: Die meisten Charaktere in Point-and-Click-Adventures sind entweder schräg oder haben andere merkwürdige Eigenschaften, weil sie immer wieder abgefragt werden."

Spieler kehrt immer wieder an bestimmte Orte zurück

Man macht als Spieler letzten Endes genau das, was der Game-Designer von einem will. Aber es fühlt sich nicht so an.
Linda Breitlauch, Dozentin für Intermedia Design in Trier

Wiederholung ist ein wichtiges Element in dem Genre. Es geht darum, mit dem Mauszeiger und meist nur einem Knopf alle wichtigen Gegenstände in einem Raum zu entdecken und den handelnden Personen durch geschickte Gesprächsführung alle notwendigen Informationen zu entlocken. Der Spieler muss also immer wieder an bestimmte Schauplätze zurückkehren, bis er genau die Informationen und Gegenstände hat, die er für das nächste Kapitel der Geschichte braucht.

"Ich bleibe immer in zwei, drei Räumen", erklärt Linda Breitlauch, "bis ich alles, was ich dort entdecken kann, entdecken konnte und kann dann weitermachen." Ein Spielprinzip, das das genaue Gegenteil zum Trend bei aktuellen Blockbustern darstellt. Die großen Actionspiele bieten immer mehr Freiheit und überlassen den Verlauf der Geschichte möglichst dem Spieler. Point-and-Click bedeutet dagegen, über genau das Stöckchen zu springen, das der Entwickler hinhält: "Man macht als Spieler letzten Endes genau das, was der Game-Designer von einem will. Aber es fühlt sich nicht so an."

Deutsche Studios widmen sich Point-and-Click-Spielen

Dass es überhaupt wieder Point-and-Click-Spiele gibt, verdanken wir auch deutschen Studios. Rund 15 Jahre lang gab es sie im Grunde gar nicht mehr. Ab 2005 erschienen Spiele wie Ankh oder "Edna bricht aus" und sorgten für eine erste kleine Renaissance. Firmen wie Deck13 in Frankfurt oder Daedalic in Hamburg sind mit diesen Spielen zu soliden mittelständischen Unternehmen gewachsen. In den USA hatten sich die zwei Traditionsschmieden LucasArts und Sierra längst von Point-and-Click losgesagt. Deren führende Köpfe, Ron Gilbert oder Tim Schafer etwa, gründeten neue Firmen und fanden mit Spielen wie Thimbleweed Park aus dem Jahr 2017 schließlich neue Wege für das alte Genre.

Und auch wenn die Gewinner beim Computerspielpreis auf ganz andere Inhalte und Stimmungen setzen, bleiben einige Point-and-Click-Spiele ihrem Ursprung treu. Ein deutscher Publisher hat erst kürzlich den Schwerenöter Leisure Suit Larry wiederbelebt, der nun in der Gegenwart seine schlüpfrigen Abenteuer erlebt. Es scheint tatsächlich, als hätten sich Point-and-Click-Adventures ihren festen Platz in der virtuellen Welt zurückerkämpft.

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