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Deutscher Menschenrechtler in Türkei - Fall Steudtner: Mehrere Jahre Haft gefordert

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Die türkische Staatsanwaltschaft fordert für den inhaftierten deutschen Menschenrechtler Peter Steudtner mehrere Jahre Haft. Seine Festnahme vor drei Monaten hatte auch zur Verschlechterung des deutsch-türkischen Verhältnisses beigetragen.

Neben dem Berliner Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner und dem Journalisten Deniz Yücel sitzen weitere sieben Deutsche in türkischer Haft. Angehörige und Freunde bangen in Deutschland um sie.

Beitragslänge:
4 min
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Peter Steudtner
Peter Steudtner Quelle: dpa

Steudtner, seinem schwedischen Kollegen Ali Gharavi und neun weiteren Menschenrechtlern drohen nach Willen der Staatsanwaltschaft zwischen siebeneinhalb und fünfzehn Jahre Haft. Ihnen würden Unterstützung und Mitgliedschaft in einer "bewaffneten Terrororganisation" vorgeworfen, meldete der Sender CNN Türk am Sonntag. Die Anwälte betätigten der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage, dass die Anklageschrift zugestellt wurde, konnten jedoch zunächst keine Angaben zum Strafmaß machen.

Cavusoglu für Normalisierung

Steudtner, Gharavi und neun türkische Menschenrechtler waren am 5. Juli bei einem Seminar in Istanbul festgenommen worden. Sie sitzen im Gefängnis Silivri westlich von Istanbul ein, in dem auch der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel inhaftiert ist.

Der türkische Ministerpräsident Mevlüt Cavusoglu hatte erst kürzlich in einem Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" gesagt, dass er sich für eine Beschleunigung des Verfahrens von Steudtner sowie eine Normalisierung der zerrütteten Beziehungen einsetzen werde.

Berlin will Lösungen

Die Bundesregierung reagierte zurückhaltend auf Cavusoglus Angebot. "Deutschland war, ist und bleibt gesprächsbereit und dialogorientiert", sagte Staatsminister Michael Roth der "Welt am Sonntag". "Aber wir können eben auch nicht schweigen, wenn deutsche Staatsangehörige wie beispielsweise Deniz Yücel unschuldig inhaftiert sind. Wir müssen hier endlich zu Lösungen kommen."

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei haben sich seit der Niederschlagung des Putschversuchs in der Türkei im vergangenen Jahr kontinuierlich verschlechtert. Aus deutscher Sicht ist das zentrale Problem die Inhaftierung von elf Deutschen aus politischen Gründen, darunter der Journalist Deniz Yücel, der Menschenrechtler Steudtner und die Übersetzerin Mesale Corlu Tolu. Der Prozess gegen Tolu beginnt nächste Woche.

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