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Günter Kunert ist tot

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Deutscher Schriftsteller - Günter Kunert ist tot

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Er galt als Meister der kurzen Form: Günter Kunert schuf ein umfassendes Werk - Lyrik, aber auch Prosa. Im Alter von 90 Jahren ist er nun gestorben.

Schriftsteller Günter Kunert ist tot. Archivbild
Günter Kunert
Quelle: Soeren Stache/dpa

Der Dichter und Schriftsteller Günter Kunert ist tot. Der in Berlin geborene Autor und Lyriker starb im Alter von 90 Jahren in seiner Wahlheimat Kaisborstel bei Itzehoe. Das bestätigten die Witwe und ein enger Freund, der schleswig-holsteinische Bildhauer Manfred Sihle-Wissel.

Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtete, war Kunert vor zehn Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden, da es sein Wunsch gewesen sei, zu Hause zu sterben. Dort sei er bis zu seinem Tod palliativ versorgt worden.

Der gebürtige Berliner schuf ein umfassendes Werk mit Lyrik als Schwerpunkt. Aber auch Prosa - darunter zwei Romane, eine Autobiografie, Reisebeschreibungen und Essays - hat der Autor geschrieben, ebenso Filmdrehbücher und Hörspiele. Sein langjähriger Verleger Michael Krüger bezeichnete Kunert einmal als "einen der bedeutendsten Lyriker der Nachkriegszeit" und Dichter in der Tradition Heinrich Heines.

Kunert malte und zeichnete außerdem. Nach dem Krieg hatte er ein Grafik-Studium begonnen, das er aber schon nach zwei Jahren abbrach. Noch im selben Jahr, 1947, veröffentlichte er sein erstes Gedicht unter dem Titel "Ein Zug rollt vorüber" in einer Berliner Tageszeitung. Gern wäre er Archäologe geworden, doch als Sohn einer jüdischen Mutter durfte er in der NS-Zeit keine höhere Schule besuchen. Als "wehrunwürdig" ausgemustert, überstand Kunert den Krieg und trat 1949 in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) der neu gegründeten DDR ein.

1979 reist Kunert aus - von Ostberlin nach Schleswig-Holstein

Im Jahr darauf wurden die Schriftsteller Johannes R. Becher und Bertolt Brecht auf ihn aufmerksam und begannen, ihn zu fördern. 1962 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis. 1963 erschien sein erster Gedichtband ("Erinnerung an einen Planeten") im westdeutschen Carl Hanser Verlag. Dann begannen die Konflikte mit dem SED-Regime. Denn Kunert schrieb keine Hymnen, sondern satirische Gedankenlyrik. 1976 gehörte er zu den Erstunterzeichnern der Petition gegen die Ausbürgerung seines Freundes Wolf Biermann.

Drei Jahre später reiste er selbst mit seiner Frau aus. "Fremd daheim" heißt einer seiner Gedichtbände, die seitdem im Hanser Verlag erschienen. Darin setzte er sich lyrisch mit dem Mauerfall 1989 und seinen Folgen auseinander.

Wiederentdecktes Manuskript erst kürzlich erschienen

Rund 70 Jahre lang hat der ungemein produktive Autor publiziert. 1950 erschien Kunerts erster Gedichtband "Wegschilder und Mauerinschriften" und 2019 der kritische DDR-Roman "Die zweite Frau"
- das Manuskript war bereits 45 Jahre zuvor entstanden, Kunert hatte es aus Sorge, ins Gefängnis zu müssen unter Verschluss gehalten, dann vergessen und erst im hohen Alter zufällig im Keller wiederentdeckt.

Mit seiner ersten Frau Marianne war Kunert 50 Jahre verheiratet. Nach ihrem Tod, Kunert war schon über 80, heiratete er ein zweites Mal und widmete Erika seinen DDR-Roman "Die zweite Frau". Bereits zu Lebzeiten hat Kunert ein Grab auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee gekauft. Dort wurde bereits seine erste Frau beerdigt. Kunert wollte dort auch beigesetzt werden.

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