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Wirtschaft und Umwelt gefährdet - Deutscher Wald im Dürre-Stress

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Hitze, Trockenheit und Schädlingsbefall setzen derzeit den Bäumen massiv zu. Das Ökosystem Wald kollabiert. Forstwissenschaftler erwarten wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe.

Den Förstern in der Pfalz bietet sich beim Blick auf ihre Wälder ein erschreckendes Bild: 100 Jahre alte Eichen sterben ab, sogar hitzeresistente Schwarzkiefern gehen ein. Durch die Trockenheit sind die Bäume anfällig für Schädlinge.

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Es mag ein Zufall sein, dass die derzeitige Waldzustandserhebung in Rheinland-Pfalz mit der erneuten Hitzewelle zusammenfällt. Die Ergebnisse der alljährlichen systematischen Begutachtung von 4.000 Bäumen münden im Waldzustandsbericht. Schon der erste Blick auf die Bäume zeigt, dass sie alle im Dürre-Stress sind. Und so werden auch 2019 allein in Rheinland-Pfalz Hunderttausende Bäume starke Schäden davontragen.

Millionen Bäume von Trockenheit betroffen

Die Wissenschaftler der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz befürchten, dass nach den Hitzeschäden 2018 neue Ausfälle drohen: "Das Ausmaß der Trockenschäden infolge des Witterungsverlaufs 2018 übertraf allein bei der Baumart Fichte alle Befürchtungen und lag bei geschätzten eine Million Bäume in Rheinland-Pfalz. Für 2019 müssen, wenn die Trockenheit fortschreitet, noch höhere Schäden befürchtet werden", meint Forstexperte Hans Werner Schröck.

Nicht besser ist die Situation in den anderen Bundesländern, bestätigt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW). "Der Klimawandel ist in den Wäldern angekommen", sagt Larissa Schulz-Trieglaff, Pressesprecherin vom AGDW. Im Bundesverband organisiert sind zwei Millionen private, kommunale und körperschaftliche Waldeigentümer - zusammen bewirtschaften sie 67 Prozent der deutschen Waldfläche. Inzwischen spricht der AGDW von einer Jahrhundertkatastrophe in den Wäldern.

Tägliche Hiobsbotschaften

Die heimischen Fichten sind dem Borkenkäfer schutzlos ausgesetzt. Durch Hitze und Trockenheit verlieren sie Feuchtigkeit und können dadurch kein Harz mehr bilden. Das bedeutet, die lebensnotwendige Schutzwaffe gegen Schädlinge geht verloren. In der Wärme können sich extrem viele Larven entwickeln, was langfristig zu einer nicht einzudämmenden Borkenkäfer-Invasion führt. Die Käfer zerfressen das Holz unter der Rinde. In manchen Waldregionen entwickeln sich explosionsartig die Raupen der Schmetterlingsarten Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner. Sie fressen Eichen und andere Laubbäume kahl. Sogar die als robust geltende Douglasie leidet zunehmend unter einer Pilzinfektion, wodurch die Nadeln vergilben und vorzeitig abfallen.

Borkenkäfer
Borkenkäfer haben sich in den Wäldern stark vermehrt.
Quelle: dpa

Schadholz hat Folgen          

Nachdem die Bäume aus dem Vorjahr geschwächt ins Jahr 2019 gegangen sind, wirkt sich die Hitzewelle dieses Sommers noch stärker auf den Holzpreis aus. "2018 und 2019 sind rund 70 Millionen Festmeter Schadholz angefallen. Dabei handelt es sich bislang um Schäden in einer Höhe von etwa 2,1 Milliarden Euro", sagt Larissa Schulz-Trieglaff vom AGDW. Massive Ertragseinbußen, erhöhte Holzerntekosten und der Einbruch der heimischen Holzpreise - für Privatwaldeigentümer sind die heißen Sommer 2018 und 2019 ein Desaster. Einzelne Familienforstbetriebe sind bereits in eine existenzielle Krise geraten.

Zudem droht auch ein ökologisches Desaster. Denn die Waldzustandserhebung zeigt einen extrem hohen Ausfall bei jungen Bäumchen. Dabei sind gerade sie wichtig für den Wald der Zukunft. Forstwissenschaftler weisen darauf hin, dass ein Baum bis zur Erreichung seiner maximalen Leistungsfähigkeit als CO2-Speicher Jahrzehnte benötigt. Ferner werden die Trockenschäden das komplexe Waldökosystem entkoppeln und die natürlichen Kreisläufe zerstören.

Entschädigung für Wiederaufforstung

Für die Wiederaufforstung müssen deutschlandweit etwa 300 Millionen Bäume nachgepflanzt werden, um die durch Trockenheit und Schädlingsbefall entstandenen Narben im Wald zu schließen. "Es werden jetzt schnelle Hilfen in größerem Ausmaß benötigt, um den Wald zu retten. Kürzlich hat das Bundeslandwirtschaftsministerium eine Forderung der AGDW für die Unterstützung bei der Wiederbewaldung aufgegriffen", sagt Larissa Schulz-Trieglaff von der AGDW - und sie meint ferner, dass die Krise im Wald durch die Bundesregierung erkannt sei.

Ein Walbrandbeauftragter blickt in einen Nadelwald, Uelzen, 24.06.19

Maßnahmen gegen das Waldsterben - Was den Wäldern wirklich hilft

Mehr Urwälder, mehr Förster, mehr Laubbäume: Der BUND hat zehn Maßnahmen gegen ein "Waldsterben 2.0" vorgestellt. Die meisten sind sinnvoll, sagt Deutschlands oberster Förster.

von Kevin Schubert

Das Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen an der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz arbeitet am Wald der Zukunft. Auf ausgesuchten Flächen im Wald wird experimentiert und geforscht. Gesucht werden Baumarten, denen höhere Temperaturen und weniger Wasser nicht schaden.

"Grundsätzlich gilt die Mischung aus verschiedenen Baumarten als vielversprechende Strategie. Die Buche als die dominierende Baumart unserer natürlichen Waldgesellschaft ist bisher auch im Klimawandel fest eingeplant. Wir müssen umdenken und uns auch gegenüber Baumarten aus anderen Klimabereichen, zum Beispiel Baumhasel, Zeder, als weitere Mischbaumarten öffnen", so die Einschätzung von Hans Werner Schröck von der Forschungsanstalt für Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz.

Christine Elsner ist Redakteurin der ZDF-Umweltredaktion.

Nicht nur den Wäldern setzt die Hitze zu, auch das Getreide leidet unter der stärker werdenden Trockenheit. Es müssen neue, robustere Sorten her.

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