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Außenhandel als Abhängigkeit - Deutsche Exporte lahmen

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Im Juni sind die deutschen Außenhandelszahlen wenig ermutigend: Die Exporte gingen gegenüber dem Vorjahr stark zurück, die Einfuhren ebenfalls. Was passiert da?

Im Juni ist die Menge der deutschen Ausfuhren deutlich gesunken: Acht Prozent weniger als im Vorjahr wurden exportiert. Handelskonflikte und Brexit gefährden auch die deutsche Konjunktur.

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Ein Minus von acht Prozent weist der Juni 2019 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres auf: So starke Einbußen beim deutschen Export sah man zuletzt im Umfeld der Finanzkrise vor gut zehn Jahren. Und ein Minus von 4,4 Prozent bei den Einfuhren macht auch nicht gerade optimistisch.

Die nüchternen Zahlen des Statistischen Bundesamtes schreckten Politik und Wirtschaft auf. Man hatte einen negativen Trend erwartet - dessen Ausmaß aber wohl nicht so. Experten denken bereits darüber nach, was wohl ein Gegenmittel sein könnte, sollte sich die Schwäche in den nächsten Monaten fortsetzen.

Ursachenforschung: Handelsstreitigkeiten lähmen Welthandel

Vor die Lösung aber sei zunächst die Ursachenforschung gesetzt: Dass die Produkte der deutschen Industrie international gefragt sind, ist kaum umstritten. Von daher liegt es nahe, die allgemein bekannten Verwerfungen auf internationaler Bühne haftbar zu machen, und das lässt sich auch gut belegen. Allein die Handelsstreitigkeiten zwischen den wirtschaftlichen Großmächten USA und China lähmen den Welthandel schon in einem deutlich messbaren Ausmaß. In beiden Ländern schrumpft die Nachfrage nach Gütern aus Europa oder auch dem restlichen Asien.

Und schon nehmen sich andere Mitspieler ein Beispiel am Kampf der Großen, so etwa Südkorea und Japan, die in kleinerem Maßstab nachspielen, was die Amerikaner an Protektionismus vormachen. Dass es am Ende bei solchen Auseinandersetzungen keine Gewinner geben kann, mag sich unter Wirtschaftswissenschaftlern herumgesprochen haben – Allgemeingut ist dieses Wissen jedoch offenbar nicht, obwohl zahlreiche Versuche in der Geschichte, die eigene Volkswirtschaft abzuschotten, noch stets in mehr Armut und weniger vorteilhaften Handel gemündet haben.

Ökonom: Staatliche Investitionen verstärken

Deutschland ist dabei nur wenig mehr als ein Spielball der herrschenden Mächte – man hofft auf rechtzeitige Einsicht und zudem auf die Erschließung neuer Märkte. Das jedoch wird nicht reichen, sagt Professor Henning Vöpel. Der Ökonom des Hamburger Instituts HWWI plädiert für eine Stärkung des Binnenkonsums und regt dazu auch an, staatliche Investitionen zu verstärken – selbst wenn das die im Bundeshaushalt angestrebte "Schwarze Null" gefährden könnte.

Am Bedarf öffentlicher Bau- und Sanierungsmaßnahmen dürfte es kaum Zweifel geben, allerdings wären schuldenfinanzierte Maßnahmen Garant dafür, dass der Steuerbürger morgen dafür aufkommen muss. Selbst wenn die Zinsen also derzeit bei null liegen, eine riskante Entscheidung. Steigerung der Binnen-Nachfrage im Sinne des privaten Konsums setzt erfahrungsgemäß zum einen voraus, dass die Bürger mit einer gewissen Zuversicht in die Zukunft sehen; zum anderen aber auch, dass ihnen vom Einkommen nach Steuern und Abgabe genug zum Leben und Konsumieren bleibt. Beides derzeit eher nicht im Überfluss vorhanden.

Keine Folgen für Arbeitsmarkt erkennbar

Immerhin – die schwachen Zahlen erreichen die deutsche Wirtschaft auf einem hohen Niveau. Und: Folgen für den Arbeitsmarkt sind nicht erkennbar, im Gegenteil: Weiterhin herrscht ein Mangel an Fachkräften. Ehe also die Flaute beim Normalbürger ankommt, so Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, könnte sich die internationale Großwetterlage auch schon wieder gedreht haben. Das setzt natürlich voraus, dass die Großen zur Einsicht gelangen, dass eine friedliche Globalisierung besser ist als ein Sich-Einigeln im vermeintlichen eigenen Land der Seligen.

Reinhard Schlieker ist Redakteur im ZDF-Wirtschafts- und Finanzteam.

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