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Strafverfolgung statt Aufklärung - Verlorener Kampf: Deutschland im Drogenrausch

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Der Kampf gegen die Drogen ist gescheitert. Statt Aufklärung und Prävention heißt es Strafverfolgung. Die staatliche Kontrolle greift nicht, der Schwarzmarkt wächst stetig.

Erst waren es nur 200 Gramm, dann schluckte Kelly immer mehr Kokain. Kelly ist Bodypacker, das heißt, er schmuggelt Drogen im Körper. Erst von Südamerika nach Westafrika, dann weiter nach Europa. Bis zu 30.000 Euro verdient er an einem Trip - für den damals noch jungen Studenten ein Vermögen - auch wenn die Reise lebensgefährlich ist: Öffnen sich die Kokain-Kapseln im Bauch, kann Kelly an einer Überdosis sterben. An Aufhören denke er trotzdem nicht, denn die Nachfrage steige stetig.

Mehr Drogen sichergestellt als je zuvor

Deutsche Sicherheitsbehörden bestätigen: In diesem Jahr ist mehr Kokain sichergestellt worden als je zuvor. Auch das Bundeslagebild Rauschgift zeigt für das Jahr 2018 einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent - vor allem bei Kokain, aber auch bei Substanzen wie Amphetaminen und Cannabis.

Wie viele Menschen illegale Substanzen konsumieren, weiß niemand genau. Nach Zahlen der Bundesdrogenbeauftragten sollen 27 Prozent schon einmal Drogen konsumiert haben, das ist mehr als jeder Vierte. Und die Konsumenten seien ganz "normale" Bürger:

"Durchschnittsbürger also eigentlich recht normale Leute die auf einen geregelten einer geregelten Arbeit nachgehen", sagt Dominik Ströer von der Polizei Niedersachsen im ZDFzoom-Interview. In der Spezialsprechstunde für Partydrogen von Psychiater Felix Betzler in der Berliner Charité erzählt ein Unternehmer aus der Autobranche, er habe keine Freunde, die nicht konsumierten. "Die meisten konsumieren halt hin und wieder mal und haben ihr Leben im Griff." Betzler bestätigt, kontrollierter Konsum sei möglich: "Viele tun das beispielsweise beim Alkohol. Viele trinken ihr tägliches Glas Wein."

Alkohol ist die schädlichste Droge

Tatsächlich folge die Unterteilung in legale und illegale Drogen weniger einer medizinischen Logik als vielmehr einer gesellschaftlichen: In einer Studie wurden Substanzen miteinander verglichen, bezogen auf ihre Schädlichkeit - für die Konsumenten selbst und deren Umfeld. Dabei geht es auch um Faktoren wie Sterblichkeit, Job-und Familienverlust, Beschaffungskriminalität sowie die Kosten für die Gesellschaft.

Die Ergebnisse überraschen: Die Substanz mit der geringsten Schädlichkeit ist Cannabis, gefolgt von Tabak, dann kommt Kokain, schließlich Heroin und die Substanz mit der höchsten Schädlichkeit für den Menschen: Alkohol.

Und trotzdem hält der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn fest am Verbot aller illegalen Substanzen. Schriftlich heißt es aus dem Ministerium: "Für die generalpräventive Wirkung der Strafandrohung (…) spricht der hohe Anteil von Personen, die niemals illegale Drogen konsumieren."

Verbot abschaffen?

Doch gegen das Verbot formiert sich Widerstand. Eine Gruppe deutscher Strafrechtler kritisiert: Nicht die Wirkung der Drogen sei das Problem, sondern die derzeitige Drogenpolitik. Als Schildower Kreis forderten sie schon 2013 den Bundestag auf, das Verbot aufzugeben und legale Bezugswege zu schaffen.

Eine mögliche Lösung im Kampf gegen die Drogen sehen viele Experten in der Entkriminalisierung und staatlichen Regulierung. Doch bisher traute sich da nur ein europäisches Land ran: Portugal. Hier wurden Drogen entkriminalisiert. Entgegen aller Befürchtungen hat der Konsum nicht zugenommen.

Doch trotz Entkriminalisierung wurde der Schwarzmarkt auch in Portugal nicht trockengelegt. Denn dafür bräuchte es eine ganz neue Drogenpolitik: die komplette Legalisierung. Der Staat würde in diesem Fall die Betäubungsmittel regulieren, also unter speziellen Auflagen an Erwachsene abgeben. Das würde Konsumenten schützen, Dealern den Profit nehmen und für mehr Kontrolle und Aufklärung sorgen.

Solange es kein Konzept gibt, wird Bodypacker Kelly weitermachen und sein Kokain auf den europäischen Markt bringen. Auch die Angst vor Strafverfolgung wird ihn daran nicht hindern, denn der Profit sei viel zu hoch, um ans Aufhören zu denken.

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