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Deutschland-Studie - Ruhrgebiet abgehängt

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Während andere Regionen boomen, hat vor allem das nördliche Ruhrgebiet große Probleme. Das zeigt eine exklusive Studie, die das Forschungsinstitut Prognos für das ZDF erstellt hat.

Blick von der Halde Rungenberg über Gelsenkirchen und Bottrop
Blick von der Halde Rungenberg über Gelsenkirchen und Bottrop Quelle: imago

Kinderarmut, Arbeitslosigkeit, Schulden, Schulabbrecherquote, Lebenserwartung - bei all diesen Punkten schneidet das nördliche Ruhrgebiet schlecht ab. Das zeigt die umfassendste Studie, die über Deutschland im Auftrag des ZDF gemacht worden ist. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos hat alle 401 Landkreise und Städte miteinander verglichen. Dabei ging es um die Frage: Wo lebt es sich am besten?

Zu spät investiert

"Der Strukturwandel hat erhebliche Spuren im Ruhrgebiet hinterlassen", sagt Christian Böllhoff, Prognos-Chef und einer der Veranwortlichen der Studie. "Die Sozialhilfe-Quoten sind hoch und das, was investiert wurde in den letzten Jahren zum Beispiel in Wissenschaft und Technologie, das zeigt noch keine Wirkung." Besonders betroffen sind die Städte. Dort waren die alten Industrien, die viele Menschen beschäftigt haben. "Mit dem Ende der Industrialisierung und dem Abwandern der Stahlindustrie nahm das Ruhrgebiet einen immensen Abschwung", so Ilse Helbrecht von der Berliner Humboldt-Universität. In Bottrop schließt zum Jahresende nach 162 Jahren Steinkohlebergbau die letzte deutsche Steinkohlezeche im Ruhrgebiet. Damit ist der Steinkohleabbau in Deutschland nach rund 200 Jahren Geschichte.

Der Berliner Bevölkerungsforscher Reiner Klingholz sagt, man habe zu lange gewartet, um in neue Wirtschaftskraft zu investieren: "In der Zeit, als man im Ruhrgebiet glaubte, es gehe ewig so weiter, sind die neuen modernen Arbeitsplätze in Deutschland anderswo entstanden. Da hinkt das Ruhrgebiet immer noch hinter dem Süden oder anderen Regionen hinterher."

Die Prognos-Studie

Kein gemeinsames Konzept

Vor allem im Süden Deutschlands sind die Lebensbedingungen laut der Studie weitaus besser. Gelsenkirchen, Herne und Duisburg belegen die letzten Plätze des Rankings. Das größte Problem ist die Zersplitterung in viele einzelne Bezirke, sagt Stadtforscherin Helbrecht: "Warum ist das Ruhrgebiet nicht ein Regierungsbezirk, so dass es eine Regionalpolitik für das gesamte Ruhrgebiet gibt? Jede Gemeinde im Ruhrgebiet macht eine eigene Planung für den öffentlichen Personennahverkehr. Das kann nicht funktionieren und das kann nicht effektiv sein."

Doch wie könnte ein Weg aus der Krise aussehen? Klar ist, das Ruhrgebiet befindet sich in einem Wandel. Nun gilt es, die jungen Menschen für die Region zu begeistern und ihnen auch nach der Ausbildung attraktive Arbeitsplätze anzubieten. "Es muss gelingen, die Studenten nicht nur zum Studieren zu bringen, sondern auch danach mit Arbeit zu versorgen", so Klingholz. "Wir brauchen im Grunde ein hochmodernes 'Ruhrgebiet-Valley'."

Trotz aller Kritik: Das Ruhrgebiet hat einige Vorteile. So profitiert Gelsenkirchen zum Beispiel von relativ günstigen Mieten. Punkten kann die Region auch mit den "RuhrKunstMuseen": 20 Museen in 15 Städten bilden die wohl weltweit dichteste Museumslandschaft moderner Kunst. Und für viele Nicht-Ruhrgebietler immer wieder eine Überraschung: Es gibt überall Erholungsflächen. Essen wurde 2017 sogar als "Grüne Hauptstadt Europas" ausgezeichnet.

Rund fünf Millionen Menschen leben im Ruhrgebiet und nennen es ihre Heimat. Sie können sich ein Leben anderswo nicht vorstellen. "Das Ruhrgebiet ist eine große Region mit wahnsinnig vielen Möglichkeiten. Diese Mischung und die Größe machen die Region einzigartig in Deutschland", so Helbrecht. Ein Anfang ist gemacht. Aber der Ausweg aus der Krise wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Es ist eben ein "Langstreckenlauf und kein Sprint", sagt Böllhoff.

Alle Informationen zur Studie und zu den einzelnen Regionen gibt es hier: deutschland-studie.zdf.de

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