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Die große Deutschland-Studie - Im Süden Deutschlands lebt es sich am besten

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In München lebt es sich laut einer ZDF-Studie in Deutschland am besten. Prognos-Chef Christian Böllhoff über die Ergebnisse der umfangreichen Untersuchung.

Archiv: Gäste sitzen in einem Biergarten unter Bäumen
Gäste sitzen in einem Biergarten in München gemütlich beieinander (Archivbild)
Quelle: dpa

heute.de: Was ist das Besondere an der Studie?

Christian Böllhoff: So etwas Aussagekräftiges hat es einfach bisher noch nicht gegeben. Noch nie wurden die äußeren Lebensumstände in allen 401 Regionen in Deutschland so umfänglich gemessen. Insgesamt waren es 53 Kriterien in den Bereichen Arbeit und Wohnen, aber auch Sicherheit und Gesundheit sowie Freizeit und Natur. Mehr als zehn Forscher aus unserem Team waren daran beteiligt.

heute.de: Was sind die zentralen Ergebnisse?

Böllhoff: Unsere Ergebnisse zeigen, wir haben eher Unterschiede zwischen Land und Stadt und Nord und Süd als dass wir sie zwischen Ost und West haben. Man sieht schon, dass in Baden-Württemberg, Bayern und auch in großen Teilen von Hessen offensichtlich viel richtig gemacht wurde. Dort wurde investiert in moderne Industrien, in Wissenschaft, aber auch in Dinge, die für die Bürger in ihrem täglichen Leben wichtig sind wie beispielsweise Krankenhäuser, Sicherheit.

heute.de: Hatten Sie mit den Ergebnissen so gerechnet?

Böllhoff: Uns hat am meisten überrascht, wie gut ostdeutsche Städte abschneiden: Potsdam, Dresden, Jena, Weimar. Viele ostdeutsche Städte sind im vorderen Feld. Diese Städte haben sicherlich in den vergangenen Jahren davon profitiert, dass dorthin viele Investitionen geflossen sind. Man hat dort inzwischen ein gutes Kultur- und Freizeitangebot, und vielerorts ist Wohnen günstiger als im Westen.

Die Prognos-Studie

heute.de: Wie sieht es auf dem Land aus?

Böllhoff: Auf dem Land finden wir auf der einen Seite ganz gute äußere Umstände für ein gutes Leben. Wir haben hervorragende Bedingungen am Bodensee, im Allgäu, an der Weinstraße. Aber wir haben eben auch Regionen, da ist es schwieriger. Immer dort, wo Städte sehr weit weg sind oder wo der Tourismus keine große Rolle spielt. Dort fehlen die Arbeitsplätze und das führt wiederum dazu, dass Menschen abwandern.

heute.de: Gibt es Probleme nur in den abgelegenen, ländlichen Regionen?

Böllhoff: Die schwierigsten Bedingungen gibt es dort, wo ein industrieller Strukturwandel in den vergangenen Jahrzehnten stattgefunden hat. Also im nördlichen Ruhrgebiet, in Bremerhaven, in Salzgitter. Da weht der Wind schon ganz schön rau.

heute.de: Was ist Ihrer Ansicht nach dort falsch gelaufen?

Böllhoff: Das hat die Studie nicht untersucht. Aber wenn Sie nach unserer Sicht als Regional- und Wirtschaftsforscher fragen, ist das größte Versäumnis, dass man zulange nicht dorthin gesehen hat, wo Probleme eigentlich offensichtlich sind. Der Strukturwandel ist nichts Neues und insofern hätte einem schon viel früher auffallen müssen, dass im nördlichen Ruhrgebiet oder auch in Landkreisen, die weit weg von Städten sind, mehr getan werden muss.

heute.de: Was wäre Ihr Vorschlag als Konsequenz aus den Ergebnissen?

Böllhoff: Wovon ich nichts halte, ist mit der Gießkanne vorzugehen. Ich würde eher dafür plädieren, zum Beispiel den heutigen Soli umzubauen in einen Deutschlandfonds und diesen dann ganz gezielt dort einzusetzen, wo sich wirklich Problemlagen ergeben. Das muss jetzt nachgeholt werden.

heute.de: Und wer ist nun der Sieger?

Böllhoff: Insgesamt gab es 300 Punkte. Das Rennen war knapper als wir erwartet hatten. München gewinnt mit 207 Punkten, aber nur mit knappem Vorsprung vor Starnberg und Heidelberg. Auch am Ende geht es knapp zu. Gelsenkirchen und Herne, die letzten beiden, liegen nah beieinander. Insgesamt kann man sagen, ist es ein bisschen wie in der Bundesliga: Es gibt ein sehr großes und eng beieinanderliegendes Mittelfeld.

Die Fragen stellte Meike Srowig.

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