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Alte Bündnisse, neue Bedrohungen - Deutschlands Rolle in der Nato und der Welt

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Die Welt ist unsicherer geworden: Abrüstungsverträge werden gekündigt, Allianzen bröckeln, es droht ein neues Wettrüsten. Wird Deutschland diesen Herausforderungen gerecht?

"Alte Bündnisse - neue Bedrohungen: Deutschlands Rolle in der NATO und der Welt": Ein Soldat geht im Licht der Abendsonne auf eine Reihe von Fahrzeugen und Panzern zu.
Auf dem Truppenübungsplatz Sagan in Polen während der NATO-Übung Noble Jump.
Quelle: ZDF/Nick Golüke

Kurz nach vier Uhr morgens, die Panzerlehrbrigade 9 bringt sich in Stellung für das "Noble Jump Manöver" im polnischen Sagan. Hauptfeldwebel Helge Timm führt das Kommando auf dem Panzer Leopard 2. Die Aufgabe heute: die Rückeroberung eines Dorfes. "Okay Richtschütze: Den Turm nach links schwenken! Genau dort in dem Bereich ist der Sowjetski-Hill!"

Neue Bedrohungsszenarien

Helge Timms  Panzerzug gehört zur VJTF, der Elite-Einheit der Nato. Die 2014 beschlossene schnelle Eingreiftruppe ist zentral für die neuen Bedrohungsszenarien der Nato: Über sieben Jahrzehnte hat die "North Atlantic Treaty Organization" mit ihrem Abschreckungspotential Frieden, Freiheit und Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks garantiert.

Doch spätestens seit der Annexion der Krim steht das Bündnis vor neuen Herausforderungen: "Russland beansprucht Territorium und erstmals nimmt sich ein Land seit dem Zweiten Weltkrieg dieses Territorium mit Waffengewalt", erklärt Peter Tauber (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung im ZDF-Interview. "Das ist ein Drohpotenzial allererster Güte", ergänzt Professor Carlo Masala von der Bundeswehr-Universität München.

Material zusammengeschnorrt

Die Nato nimmt diese neue Bedrohung sehr ernst: Über 2.300 Soldaten aus Deutschland, Norwegen und den Niederlanden trainieren beim "Noble Jump Manöver" gemeinsam für Europas Sicherheit - unter deutscher Führung. Allerdings: Selbst die Elite-Einheit VJTF musste sich ihr Material in ganz Deutschland zusammenschnorren. Aktuell ist nicht eine Brigade zu 100 Prozent einsatzfähig. Die Vollausstattung wurde der Nato verbindlich zugesagt, wird aber teuer: Fünf Milliarden Euro sind nach Berechnungen des Heeres allein für eine einzige Brigade fällig.

Das Problem: In den letzten Jahren ist kaum etwas in Material und Ausrüstung investiert worden: "Wir haben Systeme in der Bundeswehr, die sind älter als ich", konstatiert der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Peter Tauber (CDU). "Um das alles wieder so hinzubekommen, dass wir den Nato-Forderungen und den EU-Forderungen entsprechen, brauchen wir bis 2031 - also die nächsten zwölf Jahre", ergänzt Eberhard Zorn, der Generalinspekteur der Bundeswehr.

Beklemmend realistisch

Nach gut fünf Stunden ist für Helge Timm und seinen Kameraden das Manöver beendet: Die Befreiung eines Ortes ist gelungen. Die Szenerie des Nato-Manövers: beklemmend realistisch, symbolisch für Angst vor dem Einmarsch feindlicher Truppen – genau hier, in Polen, in Europa.

"Zu der Zeit als ich zur Bundeswehr gekommen bin, gab es schon Auslandseinsätze der Bundeswehr. Aber die Bedrohung ist jetzt eine andere: Hier wurde eine voll aufgestellte Kampf-Brigade ausgebildet, um gegebenenfalls ein hoch intensives Gefecht zu führen," so der 32-jährige Panzerkommandeur Timm. "Natürlich ist es auf Schießübungen immer eine andere Sache. Denn Pappscheiben schießen nicht zurück. Aber ich weiß, dass ich so gut ausgebildet bin, dass wenn ich einem richtigen Panzer gegenüberstehen würde, dass ich genauso gut reagieren würde."

Noch ist es eine Übung. Doch die Welt ist unübersichtlicher geworden. Die alte Ordnung verblasst. Deutschland wird mehr investieren und mehr leisten müssen. Denn die Aufgaben werden größer. Und sie werden gefährlicher.

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