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Sondermüllimporte - Deutschlands giftiges Geschäft

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Deutschland ist einer der größten Importeure von Sondermüll. Dessen Entsorgung und Lagerung bieten ein lukratives Geschäft. Doch damit verbunden sind auch krumme Machenschaften.

"planet e.: Sondermüllimporte - Deutschlands giftigstes Geschäft": Blick auf ein ein Silo mit dampfenden Schloten.
In Silos werden die hochgiftigen Filterstäube gesammelt und dann in Untertagedeponien abgelagert. Quelle: ZDF/Karlo Malmedie

Hierzulande weisen die Müllverbrennungsanlagen deutliche Überkapazitäten auf. Rückläufige Haushaltsabfälle machen es der Abfallwirtschaft schwer, es drohen Minusgeschäfte. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, holen sich private und kommunale Entsorger mehr und mehr Müll aus anderen Ländern. Dabei ist gefährlicher Müll - also Sondermüll - besonders lukrativ.

Nach Angaben von Eurostat ist Deutschland seit Jahren unangefochtener Spitzenreiter in Europa, was die Sondermüllverwertung und -beseitigung angeht. Lieferungen kommen aus nahezu jedem EU-Mitgliedstaat. Innerhalb von zehn Jahren ist das Einfuhrvolumen der als genehmigungspflichtig - und damit als gefährlich eingestuften - Materialen laut Umweltbundesamt von einer Million auf über sechs Millionen Tonnen gestiegen.

Hohe Summen für Müll-Importe

Das Basler Abkommen von 1989 erlaubt es, ausländischen Sondermüll in Deutschland zu entsorgen und zu lagern. Dadurch werden weniger wohlhabende Länder entlastet, weil sie keine teuren Entsorgungsanlagen bereitstellen müssen. Strittig aber sind Lieferungen aus Ländern, die eine umweltgerechte Entsorgung selbst vornehmen könnten. Dazu zählen etwa Länder wie die Niederlande und Italien.

30 Sondermüllverbrennungsanlagen gibt es derzeit in Deutschland. Sie können belasteten Boden, asbest- und quecksilberhaltige Abfälle, Säuren, Altöl und behandeltes Altholz sicher entsorgen oder verwerten. Dafür sind die ausländischen Mülllieferanten bereit, hohe Summen zu zahlen. Genaue Zahlenangaben gibt es nicht, da die Preisverhandlungen zwischen Lieferant und Müllimporteur nicht öffentlich zugänglich sind - so die Aussage des Umweltbundesamtes.

Rauchgasanlagen filtern die giftigen Abgase

Das Bundesamt für Güterverkehr ist regelmäßig auf Patrouille und kontrolliert die grenzüberschreitenden Abfalltransporte. Nicht jeder Spediteur darf Sondermüll quer durch Europa fahren. Die Vorschriften sind streng. Angaben zur Menge, Ladung, Transportgenehmigung und vieles mehr muss in den Papieren aufgelistet werden. Stoßen die Kontrolleure auf Fehler, sind Bußgelder fällig. Manchmal kann auch der Weitertransport gestoppt werden.

Ist die Ladung in der Müllverbrennungsanlage angekommen, werden Laboranalysen durchgeführt, um festzustellen, ob die angelieferten Stoffe mit der Deklaration übereinstimmen. Ist die Freigabe durch das Labor erfolgt, gelangen die Abfälle in den Ofen. Die Verbrennung erfolgt bei mehr als 1.100 Grad. Entsprechende Rauchgasanlagen müssen dafür sorgen, dass keine giftigen Abgase in die Umwelt gelangen. Übrig bleiben Asche und Filterstäube. Sie sind hochgiftig und müssen in versiegelte Fässer gefüllt werden.

Untertagelagerung: Giftige Abfälle für Jahrtausende

Als Deponien für die Fässer dienen alte Salzbergwerke. Sie alle werden registriert, damit nachvollzogen werden kann, von welchem Kunden an welchem Tag die Lieferung kommt. Zudem werden die Fässer einer Röntgenanalyse unterzogen, um die Inhaltstoffe zu erkennen. Die Daten werden mit der Deklaration des Ausgangsmaterials abgeglichen. Insgesamt gibt es in Deutschland 14 Salzstöcke, in denen giftige Abfälle für Jahrtausende lagern.

Allein die Endlagerung von gefährlichen Abfällen in den ehemaligen Salzlagerstätten garantiert den Betreibern jährlich ein Millionengeschäft. Behörden und Betreiber stufen die Endlagerung in ehemaligen Salzlagerstätten als sicher ein. Geologen dagegen äußern Kritik, da die abgelagerten chemischen Stoffe niemals zerfallen und somit ihre Giftigkeit behalten - anders als radioaktive Stoffe. Generell aber sehen Experten die kontrollierte Untertagelagerung in gut ausgebauten Gruben als die beste Lösung an. Denn es gibt im Sondermüll-Business auch krumme Machenschaften.

Illegale Beseitigung

Wie viel importierter Müll auf illegalem Weg nach Deutschland kommt, kann das Umweltbundesamt nicht beziffern. Auch das Bundeskriminalamt hat keine Dunkelziffer. Die Motivation der Täter aber ist klar: Es geht um den Gewinn. Dieser entsteht, indem die Kosten für eine fachgerechte Entsorgung gespart werden und entsprechende Genehmigungen nicht eingeholt werden müssen. Die illegale Abfallentsorgung zählt zur Umweltkriminalität. Und nach Angaben von Interpol ist sie das viertgrößte Kriminalitätsvergehen und die Gewinne werden als viel höher eingestuft als etwa durch Rauschgifthandel.

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