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Deutsche Exporteure - Lira-Verfall: Angst vor Turbulenzen in Türkei

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Die Wirtschaft leidet, die Währung taumelt, und dann verschärfen die USA noch die Strafzölle: Deutsche Exporteure sehen die Entwicklung in der Türkei mit Unbehagen.

Die türkische Lira verliert massiv an Wert. Neue US-Zölle treiben den Wertverlust noch an.

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Die deutsche Wirtschaft fürchtet mit Blick auf den Einbruch der türkischen Währung einen wirtschaftlichen Absturz des Landes. "Die Türkei ist stark mit uns verbunden", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Rund 6.500 deutsche Firmen seien in dem Land aktiv, hätten dort rund zehn Milliarden Euro investiert und beschäftigten in der Türkei mehr als 120.000 Menschen.

Zwar hätten sich noch keine deutschen Unternehmen aus der Türkei zurückgezogen, so Treier. Die deutschen Exporte aber seien zuletzt gesunken, und auch das Interesse hiesiger Firmen an Engagements in der Türkei habe drastisch abgenommen. Viele deutsche Firmen bekämen die Unsicherheiten zu spüren, erklärte Treier mit Blick auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes: "Da gerät gerade einiges ins Rutschen."

"Viele Unternehmen überdenken ihr Engagement", sagte auch Holger Bingmann, Präsident des Außenhandelsverbands BGA. Immer mehr deutsche Investitionen in der Türkei würden nicht nur wegen der dortigen Rahmenbedingungen zurückgehalten. Der Absturz der türkischen Lira habe die Verunsicherung weiter vergrößert. Die Währungseinbußen führten zudem zu nachlassender Kaufkraft in der Türkei. "Das ist bitter, denn die Türkei ist ein bedeutender Markt für unsere Unternehmen und böte viel Potenzial", urteilte der BGA-Chef.

Lira büßt fast ein Fünftel an Wert ein

Der Kursverfall der türkischen Währung hatte sich am Freitag beschleunigt. Zusätzlich angefacht wurde die Talfahrt durch eine Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, neue Strafzölle gegen das Land zu verhängen. Die Lira verlor zeitweise 19 Prozent an Wert. Der Kurs fiel auf ein Rekordtief - erstmals wurden mehr als sieben Lira für einen Euro gezahlt. Als Ursache für die Zuspitzung an den türkischen Finanzmärkten gilt auch die Unsicherheit der Anleger vor der Veröffentlichung eines neuen Wirtschaftsmodells, das Finanzminister Berat Albayrak am Freitag vorstellen will.

Analysten der Landesbank-Baden-Württemberg sprachen von einer Vertrauenskrise, die einen "Abwärtsstrudel" bei der türkischen Lira ausgelöst habe. Anfangs waren noch mangelnde Rechtssicherheit, eine starke Inflation und die Sorgen um die Unabhängigkeit der Zentralbank das Hauptproblem für die türkische Währung. Mittlerweile wird nach Einschätzung der LBBW an den Märkten aber auch die Möglichkeit einer Staatspleite der Türkei durchgespielt. Zuletzt sind Prämien der Kreditausfallversicherungen auf türkische Staatspapiere auf Höchststände geklettert.

"Die Lira scheint nun im freien Fall zu sein", sagt Manuel Andersch, Devisenstratege der BayernLB. "Sofern sich die türkische Zentralbank jetzt nicht von den politischen Fesseln Erdogans löst und den Leitzins drastisch anhebt, ist eine Zahlungsbilanzkrise unausweichlich." Die Auffassung von Commerbank-Analyst Lutz Karpowitz: "Bisher zeigt sich Präsident Recep Tayyip Erdogan von der Reaktion der Finanzmärkte unbeeindruckt. Das ist ein gefährliches Spiel: Je später er nachgibt, desto größer der Schaden, denn ohne Politikwechsel dürfte die Lage weiter eskalieren."

Lira-Verfall: Wie die Türkei jetzt reagieren könnte

Erdogan: Tauscht in Lira!

Erdogan selbst rief die Türken abermals dazu auf, ihre ausländischen Devisen einzutauschen, um dem Verfall der Lira zu begegnen. Es gehe um einen "nationalen Kampf", sagte er bei einer Kundgebung in der Schwarzmeerregion Bayburt. "Wenn Ihr Dollar, Euro oder Gold unter dem Kopfkissen habt, geht zur Bank und tauscht es in türkische Lira. Dies ist ein nationaler Kampf."

Kurz zuvor hatte Erdogan gesagt, die Türkei befinde sich angesichts des Verfalls der Währung in einem "Wirtschaftskrieg", doch gab er sich zugleich kämpferisch. "Wir werden diesen Wirtschaftskrieg nicht verlieren", sagte der türkische Staatschef nach dem Freitagsgebet in Bayburt. Erdogan hatte schon wiederholt ausländische Verschwörungen für die Währungskrise verantwortlich gemacht.

Trump will Strafzölle verdoppeln

US-Präsident Trump hatte eine Verdopplung von Zöllen auf Stahl und Aluminium aus der Türkei angekündigt. Der Zoll auf Aluminiumimporte werde auf 20 Prozent erhöht, der auf Stahlimporte auf 50 Prozent, teilte er in einem Tweet mit. Die bilateralen Beziehungen seien "zu diesem Zeitpunkt nicht gut", so Trump.

Hintergrund: Die USA hatten im August Sanktionen gegen zwei türkische Minister verhängt, weil in der Türkei ein amerikanischer Pastor inhaftiert ist, dem wegen Spionage- und Terrorvorwürfen der Prozess gemacht wird. Die Türkei kündigte Vergeltung "ohne Verzögerung" an. Sie warnte, dass die Sanktionen den Beziehungen zwischen den beiden NATO-Verbündeten weiter schaden könnten.

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