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Druck wurde zu groß - DFB-Präsident Grindel nimmt den Hut

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DFB-Präsident Reinhard Grindel ist zurückgetreten. Der Druck auf den 57-Jährigen war in den vergangenen Tagen immens gestiegen. Die Nachfolge von Grindel ist noch unklar.

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat Konsequenzen aus der wachsenden Kritik gezogen und ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Für sein "wenig vorbildliches Handeln" entschuldigte er sich.

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Eine Nacht lang quälte sich Reinhard Grindel noch, dann zog der schwer angeschlagene Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) selbst die Notbremse. Der 57-Jährige verkündete am Dienstag seinen Rücktritt, er zog die Konsequenzen aus den neuerlichen Negativschlagzeilen und ständigen Putsch-Gerüchten, die ihn am Ende zwangen zu gehen. Grindel erklärte: "Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe", schrieb Grindel und sprach von einem "Fehler, der mir da unterlaufen ist". Er habe keine Gegenleistung für die Annahme des Geschenks erbracht, betonte Grindel.

Schon am Montagabend bei der feierlichen Eröffnung der Hall of Fame in Dortmund hatte der frühere Bundestagsabgeordnete resigniert, fast apathisch gewirkt. Ohne auch nur den Ansatz einer Stellungnahme war Grindel im Anschluss durch die Hintertür verschwunden. Die Frage nach dem Rücktritt war nur noch eine der Zeit.

Luxusuhr von fragwürdiger Quelle

Zu den Berichten über der Öffentlichkeit und angeblich auch Teilen des DFB-Präsidiums verschwiegene Zusatzeinnahmen in Höhe 78.000 Euro kamen zu Wochenbeginn Schlagzeilen über eine geschenkte Luxusuhr aus fragwürdiger Quelle. Das Entscheidende: Jemand aus Grindels unmittelbarem Umfeld streute seit Wochen Informationen, um den DFB-Präsidenten in die Ecke zu treiben. Rückhalt spürte der einstige DFB-Schatzmeister kaum noch.

DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball, der die Geschicke des Verbands bis zum DFB-Bundestag am 27. September zusammen mit Vize-Kollege Rainer Koch kommissarisch leiten wird, flüchtete sich am Montagabend in bittere Ironie.

Auf die bohrenden Fragen zu Grindel hin berichtete der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) lieber ungefragt von seinem Treffen mit Schlagerstar Heino ("Bei Heino ist keine kritische Situation, der hört auf.") - erst erneute Nachfragen entlockten dem Juristen vier knappe Sätze, die aber nicht im Ansatz wie flammendes Plädoyer für Grindel klangen. "Was ich zu sagen habe, habe ich immer intern gesagt", meinte Rauball, der bereits vor dem Länderspiel vor knapp zwei Wochen in Wolfsburg deutliche Kritik an Grindel geübt haben soll: "Ich gebe dazu öffentlich auch keine Erklärung ab. Intern ist genau, was wir machen sollten. Mir wird viel zu viel nach außen getragen."

Ein Fehltritt zu viel

Die Vorwürfe hatten Grindel, dem Familienvater, am Wochenende enorm zugesetzt. Die 78.000 Euro, gegen die es rechtlich wenig, aber moralisch viel einzuwenden gibt, reihten sich ein in die Folge von Fehltritten, mit denen der frühere CDU-Politiker in seiner fast dreijährigen Amtszeit aufgefallen war - oft, aber eben nicht immer selbst verschuldet. Wie so häufig hätte auch dieser vermeintliche "Skandal" vermieden werden können, wenn Grindel anders damit umgegangen wäre.

Die Medienkampagne gegen sich konnte der ehemalige Journalist schließlich nicht mehr aufhalten. Er wird zu dem Schluss gekommen sein, dass der Schaden für sein eigenes Image und das seines Amtes nicht mehr zu reparieren ist. Und, dass es keinen großen Sinn mehr hat, sich der massiven Kritik weiter auszusetzen.

DFB nun vor großen Problemen

Grindels Demission stellt den DFB allerdings vor große Probleme. Ein starker Nachfolger ist weit und breit nicht in Sicht. Rauball, der sich nicht erneut zum DFL-Präsidenten wählen lassen wird, liegt mit 72 Jahren über der Altersgrenze. Koch fehlt der Rückhalt im Profibereich. Der langjährige Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm äußerte am Montag, er habe "überhaupt keine Ambitionen", DFB-Präsident zu werden.

Grindel sitzt unabhängig von seiner Amtszeit beim DFB in den Führungsgremien der UEFA und FIFA. Vor allem in der Europäischen Fußball-Union (UEFA), betonte der CDU-Politiker, sei er inzwischen als Vizepräsident äußert gut vernetzt. Im vergangenen Herbst feierte Grindel den Zuschlag für dem EM 2024. Ob er auch die gut dotierten und prestigeträchtigen Posten, die rund eine halbe Million Euro im Jahr einbringen, räumen würde, blieb zunächst offen.

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