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Festakt zu 70 Jahre DGB - Wie Gewerkschaften die Arbeit verändert haben

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Mehr Freizeit, weniger Unfälle: Seit der Deutsche Gewerkschaftsbund gegründet wurde, hat sich die Arbeitswelt radikal verändert. Welchen Anteil hatten die Gewerkschaften daran?

DGB-Demonstration in Stuttgart. Archivbild
Seit 70 Jahren kämpfen die Gewerkschaften des DGB um mehr Rechte für Arbeitnehmer (Archivbild).
Quelle: Franziska Kraufmann/dpa

"Samstags gehört Vati mir" – heute ist die Fünf-Tage-Woche selbstverständlich, doch in den 50er-Jahren mussten die Gewerkschaften dafür kämpfen. 1956 warb der Deutsche Gewerkschaftsbund mit diesem Slogan für mehr Freizeit und setzte sich letztlich durch.

Kampagne: "Samstags gehört Vati mir"
DGB-Kampagne für mehr Freizeit
Quelle: ZDF

Doch die Gewerkschaften stehen vor riesigen Herausforderungen und haben in den vergangenen 30 Jahren viele Mitglieder verloren. Vergleicht man nur die Mitgliederanzahl des DGB aus den Fünfzigern mit den Zahlen von heute, erkennt man auf den ersten Blick kaum einen Unterschied.

Wie auch in den Jahren nach der Gründung des DGB waren 2018 knapp sechs Millionen Menschen Mitglied in den Gewerkschaften, die sich unter dem Dach des DGB organisieren. Doch in derselben Zeit ist die deutsche Bevölkerung auch gewachsen. Deshalb ist die Zahl der DGB-Mitglieder pro 1.000 Einwohner insgesamt gesunken.

Nur nach der Wiedervereinigung stieg die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder nochmal sprunghaft an. Fast zwölf Millionen Menschen organisierten sich kurz nach der Wiedervereinigung in den Gewerkschaften unter dem Dach des DGB – mehr waren es in seiner ganzen Geschichte nicht. Doch seitdem verliert der Verband fast kontinuierlich Mitglieder. Seit dem Höhepunkt im Jahr 1991 hat sich die Zahl der Gewerkschafter halbiert.

Doch woran liegt das? Die Gewerkschaften seien aufgrund des Strukturwandels der Wirtschaft nicht mehr so organisationsfähig wie früher, erklärt Wolfgang Schröder, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Kassel.

"Gemeint ist damit vor allem die Verschiebung der Beschäftigung. Von der besser bezahlten, mitbestimmten Industrie hin zu den häufig schlechter bezahlten, weniger regulierten, kaum mitbestimmten Dienstleistungen."

Gerade bei digitalen Dienstleistern seien Gewerkschaften traditionell nicht verankert, so Schröder. Andererseits würden Branchen wie die Altenpflege exponentiell wachsen, in denen sie ebenfalls kaum vertreten sind.

"Gewerkschaften sind erfolgreich in großen Betrieben, in mitbestimmungsorientierten Firmen, dort wo Betriebsräte sind", so Schröder. "Zum anderen werden Unternehmen auch immer kleiner. Und in kleineren Unternehmen gibt es weniger Gewerkschaften."

Dabei haben Gewerkschaften einen großen Anteil an den besseren Arbeitsbedingungen, meint Wolfgang Schröder – gerade wenn es um Wahlfreiheit oder Arbeitszeit geht – man denke nur an die "Samstags gehört Vati mir"-Kampagne .

So ist die Arbeitszeit in den vergangenen 70 Jahren deutlich gesunken. Im Schnitt mussten Arbeitnehmer in den Fünfzigern noch weit über 40 Stunden pro Woche arbeiten.

Höhepunkt der Nachkriegszeit war das Jahr 1955, als die die Arbeitswoche durchschnittlich 48,6 Stunden dauerte. Seitdem haben die Arbeitnehmer immer mehr Freizeit hinzugewonnen. Mittlerweile beträgt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit noch knapp 38 Stunden.

Durch Kämpfe für mehr Freizeit oder eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf hätten die Gewerkschaften den Strukturwandel der deutschen Wirtschaft mitgestaltet, so Wolfgang Schröder. Und zwar so, "dass die Beschäftigten mitgenommen wurden und dort wo bestimmte Härten entstanden sind, soziale Ausgleichsmechanismen greifen konnten".

Allerdings haben die Gewerkschaften auch einige wichtige Entwicklungen verpasst, so Schröder. "Obwohl immer mehr Frauen erwerbstätig sind, haben es die Gewerkschaften nicht geschafft, wirklich ein attraktiver Anziehungspunkt für erwerbstätige Frauen zu sein und diese für sich zu gewinnen."

Diesen Problemen müssen sich die Gewerkschaften stellen, um auch in Zukunft eine wichtige Rolle zu spielen. So werde es eine wichtige Aufgabe sein, für mehr Sicherheit in der Arbeitswelt zu sorgen und die sich verstärkende Ungleichheit zu bewältigen. "Unternehmen verbessern nicht von sich aus die Arbeitsbedingungen", so Schröder. "Ohne Gewerkschaften wird die Arbeitswelt unsicherer und ungerechter."

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