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Dunja Hayali macht DNA-Test - Will ich wirklich wissen, ob mir Alzheimer droht?

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Gentests versprechen einen Blick in die Zukunft. Aber wie zuverlässig sind sie, um bestimmte Krankheiten zu entdecken? Und wie geht man mit dem Ergebnis um? Ein Selbstversuch.

Dunja Hayali macht einen DNA-Test
Was steckt in den Genen? Dunja Hayali macht einen DNA-Test.

Ich sitze im Zug von Berlin nach Tübingen und lasse die letzten drei Wochen Revue passieren. So viel Zeit ist vergangen, seitdem man mir für den Test Blut abgenommen hat. In wenigen Stunden werde ich an einem Labor für Humangenetik das Ergebnis meiner Erbgutguntersuchung erfahren. Ein Blick in die Gene. Ein Blick in die Zukunft? Im Moment denke ich an meine Mutter, die an Parkinson litt und schwer krank verstarb. Und an meinen Vater, der Alzheimer hat. Will ich wirklich wissen, wie hoch bei mir die Wahrscheinlichkeit für diese Krankheiten ist? Wie würde das mein Leben verändern?

Anfang April war ich zum Erstgespräch bei der Humangenetikerin Dr. Saskia Biskup, die in Tübingen das Labor leitet. Das Gebäude sieht ein wenig nach Science-Fiction aus: weiße Fassade, Glas und Stahl. Das Angebot klingt erstmal fantastisch: Mithilfe modernster Technologie lässt sich die DNA auf Veränderungen prüfen.

Viele Zusammenhänge noch unbekannt

Allerdings wirken sich nur jeweils einige der 20.000 Gene auf die Wahrscheinlichkeit bestimmter Krankheitsbilder aus, viele Zusammenhänge, viele Gene sind noch unbekannt. Ich entscheide mich für den großen Test, bei dem verschiedenste Gen-Kombinationen untersucht werden. Eine Reihe von Krankheiten ist dabei im Blick: von Alzheimer über Brustkrebs bis zu neurologischen Erkrankungen. In Deutschland sind diese Tests noch lange nicht Standard, das Beratungsgespräch ist Pflicht. Nach dem ersten Besuch in Tübingen denke ich viel darüber nach, was so ein Test bedeutet. Ich rede mit Freunden. Und mit meiner Schwester. Allerdings nachdem ich meine Entscheidung schon getroffen habe.

Unfair, denn je nachdem wie mein Ergebnis ausfällt, bringt es sie unter Zugzwang. Sie, die mich dann auch zu Recht fragt, warum ich etwas über Krankheiten wissen will, die eh (noch nicht) zu behandeln sind. Brustkrebs, ja ok, da kann man präventiv etwas tun, aber Parkinson und Alzheimer? Zunächst mal, das gebe ich zu, bin ich neugierig. Das steckt mir als Tochter eines Arztes vielleicht auch im Blut. In Deutschland werden die Tests meist angewandt, wenn eine andere Untersuchung schon einen Verdacht ergeben hat. Je nach Krankheit kann eine Therapie gewählt und der Krankheitsverlauf abgeschätzt werden.

Test "ganz schön egoistisch"

Vor allem im Gespräch mit meiner Schwester kommen aber auch ganz andere Gedanken auf: Was bedeutet so ein Testergebnis für andere Familienmitglieder? Für die eigenen Eltern, die sich vielleicht verantwortlich oder gar schuldig fühlen? Wie ist das, wenn man Kinder hat: Wie geht man mit dem Wissen um, die Anlage für bestimmte Krankheiten womöglich weitervererbt zu haben? Kurz bevor ich das Ergebnis erfahre, sagt mir meine Schwester gewohnt ehrlich, es sei auch "ganz schön egoistisch", so einen Test zu machen, "ohne zu bedenken, was es mit dem Rest der Familie macht". Ich muss zugeben, sie trifft einen Punkt: Welche Tragweite so ein Test hat und dass viele davon betroffen sind, wird mir erst nach und nach klar. Aber jetzt hält meine Schwester - wie immer - zu mir: "Augen zu und durch! Nützt ja nix!"

Bevor ich mein eigenes Ergebnis erfahre, will ich eine Frau treffen, die ihr Resultat schon kennt und daraus Konsequenzen gezogen hat. Ich besuche Anne Müller in Sinsheim in der Nähe von Heidelberg. Die 43-Jährige hat vor vier Jahren ihre Veranlagung für Brustkrebs prüfen lassen, weil ihre Mutter daran erkrankt war und kurz darauf verstorben ist. Sie hatte ein verändertes BRCA-2-Gen. Dieses Gen tragen alle Menschen in sich. Weist es Mutationen auf, dann liegt die Wahrscheinlichkeit bei über 50 Prozent, an Brustkrebs zu erkranken. Bei Anne Müller war das Gen ebenfalls verändert: Sie hatte eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent, Brustkrebs zu bekommen.

Angelina Jolie als Vorbild

Für die Mutter von zwei Kindern war es keine leichte Zeit, erzählt sie mir. Mit jeder Vorsorgeuntersuchung stieg die Angst vor einem Tumor. Sie stand vor der Entscheidung, fast ihr gesamtes Brustgewebe entfernen zu lassen. Das würde die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung auf fünf Prozent senken. Beeindruckt war sie von Angelina Jolie, erzählt mir Anne Müller. Die Schauspielerin ließ sich vor sechs Jahren die Brüste entfernen, weil sie genetisch vorbelastet ist. "Das hat auch mich ermutigt, diesen Schritt zu gehen", erzählt Anne Müller. Sie ließ die OP machen und das gefährdete Gewebe durch Implantate ersetzen. Für sie war es die richtige Entscheidung. Mit dem Ergebnis der Operation fühlt sie sich auch körperlich wohl.

Und dann sitze ich selbst bei Dr. Saskia Biskup in Tübingen und werde doch ganz schön nervös. Ein Satz dieser Frau kann gleich gewaltige Konsequenzen für mein Leben haben. Viele Gedanken schießen mir durch den Kopf. Will ich von einer Krankheit wissen, die man nicht behandeln kann? Wäre es dann nicht viel besser, sein Leben zu genießen, in glücklicher Unwissenheit? Was würde ich tun, wenn auch bei mir Brustkrebs wahrscheinlich wäre? Ich ahne es, aber wissen kann ich es nicht …

Das Ergebnis

Ich hatte mich für den Test entschieden, weil mein gefühltes Krankheitsrisiko hoch ist und mich beunruhigt. Ich kann auch einfach nein sagen. Dann werden die Ergebnisse vernichtet. Das garantiert in Deutschland das Gendiagnostikgesetz. Aber nachdem ich wochenlang über das für und wider von Gentests nachgedacht habe, will ich das Ergebnis nun auch wissen. In der DNA stecken circa 20.000 Gene, habe ich gelernt, rund 4.000 davon sind dafür bekannt, dass sie bei Beschädigung Krankheiten auslösen könnten - wie beispielsweise Parkinson. Bei den anderen weiß man noch nicht, inwieweit auch sie Einfluss auf den Ausbruch von  Krankheiten haben. Also los.

Meine Schwester  hatte sich gewünscht, am Telefon dabei zu sein, wenn die Humangenetikerin Saskia Biskup mir nun gleich meine DNA-Analyse erklärt. Das Telefon ist auf Lautsprecher gestellt …

"Wir haben gar nichts gefunden"

Und dann hören wir, wie Saskia Biskup sagt: "Sie haben aus genetischer Sicht das bestmögliche Ergebnis, wir haben gar nichts gefunden". Ich bin mir natürlich darüber im Klaren, dass nicht allein die Gene für mögliche Krankheiten bei mir ausschlaggebend sind und dass mein gutes Ergebnis allein keine Garantie für lebenslange Gesundheit ist. Aber für den Moment bin ich doch sehr erleichtert.

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