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Gauland bei "Berlin direkt" - Die AfD und ihre Furcht vor Merkels Scheitern

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"Merkel muss weg", fordern AfD-Vertreter seit Monaten. Es ist ihre zentrale Agenda. Doch eine Äußerung von AfD-Chef Alexander Gauland macht deutlich: Die AfD braucht Angela Merkel.

Alexander Gauland: Angela Merkel ist für die AfD eine "Lebensversicherung".

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Die Wut ist jung. Sie ist nicht etwa verflogen. Sie ist zu einem Grundrauschen geworden. "Merkel muss sowas von weg", schreiben sie bei Twitter. Ihre Politik nennen sie "desaströs". Die deutsche Kanzlerin, die "Deppin der Nation". Es sind die noch eher harmloseren Tweets der vergangenen Tage über Angela Merkel. Nach wie vor bringt AfD-Sympathisanten nichts mehr in Rage als die Kanzlerin. Daran hat sich seit der Bundestagswahl nichts geändert. Die Ablehnung sitzt tief. Der Hass ist real.

AfD-Fraktionschef Alexander Gauland weiß das. Mit nichts kann er besser Stimmung machen als mit diesem Hass. "Frau Merkel sagt es ganz offen: Ich will offene Grenzen", sagt Gauland in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" - auch wenn die Erzählung von der vermeintlichen "Grenzöffnung" sachlich falsch ist. Dann folgt ein Satz, der als Überschrift für die Strategie der AfD dienen könnte: "Deswegen ist Frau Merkel, solange sie da ist, für uns geradezu eine Lebensversicherung." Solange sie da ist. Gauland sagt es ganz offen. Er braucht Merkel. Als Feindbild.

Mit Merkel kann die AfD eigene Anhänger mobilisieren

"Angela Merkel wird auch von der AfD als Hauptverantwortliche für die vermeintliche Öffnung der Grenzen 2015 angesehen", sagt der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte. "Tritt Merkel ab, fehlt der AfD die Hauptperson zur Mobilisierung der eigenen Anhänger." Die AfD fürchtet das Szenario, dass die Kanzlerin im sogenannten Asylstreit mit der CSU taumeln könnte. Dass ihre Regierung und damit auch sie selber scheitern könnte. Die Strategen innerhalb der Partei müssten eigentlich einen anderen Slogan ausgeben als "Merkel muss weg". "Merkel muss bleiben. Unbedingt. Bitte."

Das wissen sie auch in der CSU. Jener Partei, die im Herbst eine Landtagswahl in Bayern zu bestreiten hat. Und die seit Monaten nichts an der Zweistelligkeit der AfD in den Umfragen tun kann. Von einer erkennbaren Eskalationsstrategie sprechen deswegen Beobachter. Erst verbal - etwa, wenn CSU-Vertreter von einer "Anti-Abschiebe-Industrie" oder einem sogenannten "Asyltourismus" reden. Jetzt folgen Taten. Die Demontage der Kanzlerin - sie wird bewusst in Kauf genommen. Die erkennbare Strategie: Lieber die Regierungsbeteiligung in Berlin aufgeben, als Bayern zu verlieren. Nichts ist ihnen wichtiger, als die AfD in Bayern zu bekämpfen.

"Merkel muss weg"-Strategie der CSU? Hohes Risiko

Sind der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt dafür auch bereit, Innenminister Horst Seehofer zu instrumentalisieren? Ihn so sehr vor sich herzutreiben, dass er Zurückweisungen an den Grenzen anordnet? Auch gegen den Willen der Kanzlerin? Sie müsste ihn dann wahrscheinlich entlassen. Die CSU würde sich dann wohl aus der Großen Koalition zurückziehen. Merkel hätte keine Mehrheit mehr. Es könnte ihr politisches Ende bedeuten. Merkel wäre weg. Und der AfD in Bayern würde die Mobilisierungsfigur Angela Merkel abhandenkommen.

Karl-Rudolf Korte hält diese Strategie durchaus für stimmig. "Dialektisch gedacht wäre die Erwartungshaltung der CSU weitsichtig: Wenn Merkel scheitert, fehlt der AfD die Lebensversicherung", sagt er heute.de. Theoretisch erhoffe sich die CSU davon Stimmengewinne. Es wäre allerdings ein hohes Risiko für die CSU. Und ein Erfolg scheint keineswegs sicher: "Seit wann belohnen Wähler in Deutschland Streithälse und Kanzlerstürzer? Die CSU könnte dadurch keineswegs gewinnen", sagt Korte.

Faas: "CSU will Deutungshoheit rechts der Mitte gewinnen"

Auch der Politikwissenschaftler Thorsten Faas von der Freien Universität Berlin ist skeptisch. Eine "Merkel muss weg"-Strategie der CSU, um AfD-Wähler zu demobilisieren, hält er für unwahrscheinlich. "Dafür scheinen mir zu viele Unbekannte in dieser Gleichung zu sein", sagt er. "Mir scheint es eher darum zu gehen, die Deutungshoheit rechts der Mitte zurückzugewinnen." Und Karl-Rudolf Korte verweist darauf, dass es ohnehin viel spannender ist, auf die CDU zu gucken.

"Erst wenn sich dort mehrheitlich durchsetzen sollte, dass sich nur mit neuer Parteiführung und neuem Kanzler das Regieren verlängern ließe, wird es eng für Merkel", sagt er. Danach sehe es aber im Moment nicht aus. Im Gegenteil. "Die auch respektlosen CSU-Krawalle schließen die Wagenburg um Merkel", sagt er. Insofern ist im Moment nur eines sicher: Der Streit zwischen CDU und CSU schadet beiden Schwesterparteien. Und aktuelle Umfragen zeigen, wer davon am meisten profitiert: die AfD.

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