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Borchert und Grasel - Die Anwälte des Vertrauens der Beate Zschäpe

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Sie sind die einzigen Beteiligten im NSU-Prozess, mit denen Beate Zschäpe spricht: Die Anwälte Borchert und Grasel versuchen, die Hauptangeklagte vor der Höchststrafe zu bewahren.

Beate Zschäpe und ihre Anwälte (Archivbild vom 13.03.2018)
Beate Zschäpe und ihre Anwälte Hermann Borchert (im Bild links) und Matthias Grasel (Archivbild vom 13.03.2018).
Quelle: dpa

Die Anwälte des Vertrauens der Beate Zschäpe könnten Vater und Sohn sein: Hier Hermann Borchert, der mit Berufserfahrung seit 1983 wirbt. Dort Mathias Grasel, der damals noch nicht einmal geboren war. Am Dienstag, dem 419. Verhandlungstag, begann Borchert den Versuch, die 43-Jährige vor der drohenden Höchststrafe zu bewahren. Die komplizierte Struktur des nun fast fünf Jahre laufenden NSU-Prozesses wird auch an Borchert und Grasel deutlich.

Mit ursprünglichem Verteidigerteam überworfen

Denn Zschäpe stieg zunächst mit den Verteidigern Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm ins Verfahren ein. Doch mit den dreien überwarf sie sich, sie spricht seit langem nicht mehr mit ihnen. Zu dieser Zeit vor etwa drei Jahren nahm Borchert, ein freundlich auftretender älterer Herr, Kontakt zu Zschäpe im Gefängnis auf. Der Kontakt lief über Monate informell, bis Zschäpe Borchert auch offiziell an ihrer Seite wollte: "Am 18. August 2015 hatte mich Frau Zschäpe gebeten, die Verteidigung aktiv zu übernehmen."

Der 1984 geborene Grasel stieß dazu. Auch er gewann offenbar das Vertrauen der laut Bundesanwaltschaft als Mittäterin für die zehn Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) und weiteren Taten verantwortlichen Zschäpe.

Anwälte-Duo will Strategie des Schweigens beenden

Das Duo ersann auch die Strategie, das bisherige Schweigen Zschäpes zu beenden. In einer schriftlichen Erklärung äußerte sie sich zu Tatvorwürfen des Gerichts, schriftlich beantwortete sie auch Fragen. Sie bestritt die wesentlichen Vorwürfe. Ob der Strategiewechsel klug war, wird sich erst mit dem Urteil zeigen. Der psychiatrische Gutachter bewertete die Antworten als unplausibel und holzschnittartig ohne die nötigen Details - er sieht für Zschäpe auch auf Grundlage dieser Einlassungen die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung im Anschluss an eine lebenslange Haft gegeben.

Die Idee zum Strategiewechsel der vorher konsequent schweigenden Zschäpe stammte ursprünglich von Borchert, wie dieser am Dienstag schilderte. "Ich persönlich habe der Mandantin zu der Aussage geraten." Ob der erfahrene Verteidiger Zschäpe damit gut beraten hat?

Borchert überlässt Jung-Anwalt Grasel das Wort

Er hatte schon einmal einem schweigenden Angeklagten zur Aussage geraten und damit erst der Verurteilung zusätzliche Grundlage geliefert. Borchert vertrat einen Onkel, der in Krailling bei München seine beiden Nichten brutal ermordet hatte. Im Prozess hatte der Mann geschwiegen, auf Borcherts Rat hin dann ausgesagt. Für den Richter lieferte diese Aussage die Grundlage für eine lebenslange Haft mit Sicherungsverwahrung. Im NSU-Prozess überließ Borchert vor dem Plädoyer meist Grasel das Wort.

Diesem trauten zu Beginn viele nicht zu, in solch einem komplexen Verfahren zu bestehen. Grasel ist erst seit Juli 2015 Pflichtverteidiger Zschäpes und damit erst seit dem 215. Verhandlungstag dabei. Er hat also nach wie vor nicht einmal die Hälfte der Prozesstage verfolgt. Aber trotz des späten Einstiegs und der beruflichen Unerfahrenheit erweckte Grasel bisher nicht den Eindruck, dem Verfahren nicht gewachsen zu sein. Grasel wurde 2011 als Rechtsanwalt zugelassen, seit 2015 ist er zugelassener Fachanwalt für Strafrecht.

Der erfahrene Verteidiger Borchert und der junge Kollege an seiner Seite haben das Ziel, für Zschäpe ein möglichst mildes Urteil zu erreichen. Zumindest bei Grasel dürfte ein Erfolg oder Scheitern der Strategie die weitere berufliche Zukunft beeinflussen.

Die Verbrechen der NSU

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