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Messenger-App "WeChat" - Die App der Zukunft kommt aus China

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In China Marktführer, im Rest der Welt kein Thema: Millionen Chinesen nutzen "WeChat". Mit der App werden Nachrichten versendet, Reisen gebucht oder Rechnungen bezahlt. Die Daten der Nutzer wecken bei Wirtschaft und Staat Begehrlichkeiten.

Auf verschlüsselte Messenger-Dienste wie Whatsapp haben Ermittler bisher kaum Zugriff. Der Bundestag hat jetzt ein Gesetz verabschiedet, mit dem Smartphones und Computer viel umfassender überwacht werden können.

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Smartphones ohne WhatsApp muss man hierzulande mit der Lupe suchen. 37 Millionen Deutsche haben den Messenger installiert. Die meisten nutzen ihn täglich. Auch weltweit kann sich die Bilanz des zu Facebook gehörenden Dienstes sehen lassen. Über 1,2 Milliarden Menschen verschicken Nachrichten, Fotos und Videos per WhatsApp.

In China unter ferner liefen

Doch nicht überall hat sich die App aus Kalifornien durchgesetzt. Auf der Weltkarte der WhatsApp-Verbreitung gibt es große weiße Flecken. China gehört dazu. Durchgesetzt hat sich hier ein Dienst, der bereits über 900 Millionen Nutzer zählt: WeChat.

Bei uns ist WeChat noch weitgehend unbekannt, obwohl die App schon länger auch in einer deutschen Version erhältlich ist. In China dagegen beherrscht WeChat unangefochten den Markt. Dabei ist die zum Internetkonzern Tencent gehörende App alles andere als ein Klon westlicher Produkte. WeChat hat sich zu einer eigenständigen Allzweck-App entwickelt. Wer den Dienst installiert, kann auf andere Apps verzichten.

Eine App für alles

Westliche Messenger beschränken sich darauf, Texte, Fotos und Videos zu verschicken. Allenfalls Sprach- und Videotelefonate werden zusätzlich noch angeboten. Anders WeChat. Die Liste der Nutzungsmöglichkeiten ist lang. Einkaufen, spielen, Reisen buchen, ein Taxi bestellen oder Arzttermine abmachen: Funktionen, für die westliche Nutzer Spezial-Apps brauchen, sind in WeChat schon eingebaut. Experten sprechen vom Apps-in-der-App-Modell.

Auch bezahlen kann man in China bequem mit WeChat - zum Beispiel im Supermarkt. An der Kasse wird der QR-Code des Marktes mit dem Smartphone gescannt. Dann wird der Betrag eingetippt, und schon ist die Rechnung beglichen. 600 Millionen Kunden bezahlen bereits mit WeChat. Hauptkonkurrent Aliplay bringt es auf ähnlich hohe Nutzerzahlen.

Die deutsche Version besitzt noch keine Bezahlfunktion. Dennoch soll mobiles Bezahlen mit WeChat ab November auch in deutschen Geschäften funktionieren - allerdings nur für Touristen aus China. Laut Marktforschungsinstitut GfK verbrachten 2015 etwa 109 Millionen Chinesen ihren Urlaub im Ausland. Davon machten 17 Prozent in Deutschland Station und gaben hier pro Kopf rund 3.000 Euro aus.

Auf dem Weg in den Bewertungsstaat

"Da Chinesen gewohnheitsmäßig eher via Mobile Payment als per Karte bezahlen, machen europäische Händler ihre Geschäfte noch attraktiver für diese Zielgruppe, wenn sie deren bevorzugte Zahlungsmethode anbieten", heißt es beim Münchener Unternehmen Wirecard, dem deutschen Partner von WeChat-Betreiber Tencent. Konkurrent Alipay wird bereits jetzt von über 2.000 deutschen Einzelhändlern akzeptiert.

Wer einen Großteil seines Alltags über eine einzelne App abwickelt, vertraut ihrem Betreiber Unmengen persönlicher Daten an. WeChat erfährt zum Beispiel, was ein Nutzer wo kauft, wo er sich aufhält, mit wem er Kontakt hat, welchen Arzt er aufsucht und was er in seiner Freizeit treibt. Tencent nutzt diese Daten schon jetzt, um die Kreditwürdigkeit seiner Kunden zu berechnen.

Künftig soll auch der Staat Zugriff auf diese Daten haben. China arbeitet an einem sogenannten Sozialkreditsystem, das jeden Bürger erfassen und bewerten soll. Dazu sollen alle Daten zusammengeführt werden, die über die Bürger gespeichert sind. Auch Konzerne wie Tencent sollen ihre Kundendaten zuliefern. Ziel ist ein System der sozialen Kontrolle, das negatives Verhalten bestrafen und positives Verhalten belohnen soll. Der Staat legt fest, welches Verhalten wie zu bewerten ist. Bis 2020 soll das System etabliert sein.

Chats werden zensiert

Bereits jetzt ist WeChat verpflichtet, alle Nachrichten, die über den Messenger laufen, anhand von Schlüsselbegriffen zu filtern, die die chinesischen Behörden vorgeben. Enthält eine Nachricht einen verbotenen Begriff, wird sie blockiert und dem Adressaten nicht zugestellt. Kritik an Partei und Regierung, politische Parolen wie "Free Tibet" oder Hinweise auf das Tiananmen-Massaker vom 4. Juni 1989 sollen dadurch unterbunden werden.

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