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Blick nach Frankfurt - Ungewissheiten: Börse bleibt gelassen

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Die Hängepartie um die GroKo ist beendet. In Italien beginnt die Regierungssuche erst. Wie beeinflusst das die Börse? Der Blick nach Frankfurt zeigt: weniger, als man denkt.

Die Dax-Kurve im Handelssaal der Börse in Frankfurt, aufgenommen am 06.02.2018
Die Wahl in Italien? Beeindruckt die Börse weniger als Tweets des US-Präsidenten, wissen Börsenexperten. Quelle: dpa

Während die Hängepartie in Deutschland bei der Regierungsbildung ein Ende hat, hat sie in Italien erst begonnen. Und gegen die Unwägbarkeiten bei der Regierungsbildung in Berlin ist die Situation in Italien deutlich schwieriger. Auch deswegen haben Anleger am Aktienmarkt sich zunächst zurückgehalten. Nach einer ziemlich düsteren vergangenen Woche musste der DAX also erst einmal weiter Federn lassen. Allerdings: Die Börse handelt die Zukunft, und die Italien-Wahl hat zwar in den vergangenen Wochen ihre Schatten voraus geworfen, ist in den Kursen deswegen aber teilweise schon "eingepreist". Das heißt im Börsenjargon so viel wie: Die Verluste hat es in Erwartung der Wahl bereits gegeben - nun ist der Blick wieder nach vorne gerichtet.

"Politische Ereignisse spielen seit Anfang letzten Jahres mit der Wahl in Frankreich keine allzu große Rolle mehr", sagt Arthur Brunner, Börsenhändler im Wertpapierhandelshaus ICF Kursmakler. "Denn in Europa erwartet man eine gewisse Stabilität. Und Italien hat ja mehr oder minder so gewählt, wie man das erwartet hatte. So sind die Märkte verhältnismäßig ruhig in Bezug auf das Thema Italien."

Kaum Bewegung bei den Staatsanleihen

Abzulesen ist das vor allem auch an den Märkten für Staatsanleihen. Dort bewegt sich heute nicht allzu viel. Würden Anleger sich vor dem Wahlergebnis in Italien fürchten, so würden sie italienische Staatsanleihen in hohem Bogen aus ihren Depots werfen; entsprechend würden die Renditen steigen - was es dem hoch verschuldeten Staat zusätzlich erschweren würde, vernünftig zu wirtschaften. Italien hat nach Griechenland gemessen am BIP die zweithöchste Schuldenquote: Sie liegt bei rund 130 Prozent. Egal wie eine mögliche Regierung in Italien aussehen wird, die Schuldenlast könnte "disziplinierend" wirken, meint der Chefvolkswirt der Schweizer Bank Julius Bär: "Wir haben gesehen, dass Populismus nicht nur dazu führt, dass man seltsame Entscheidungen trifft; sondern dass diese auch gedeckt werden mit höheren Ausgaben. Das ist in Italien nicht möglich. Insofern sind die Schulden ein disziplinierendes Moment für jede neue Regierung."

So halten sich die Auswirkungen des guten Abschneidens der euroskeptischen 5-Sterne-Bewegung und dem ebenfalls euroskeptischen Bündnis des Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi an der Börse in Grenzen. Für die Zukunft allerdings könnte von dort der Wind für die Finanzmärkte wieder rauer werden, falls euroskeptische Töne in Rom überhand nehmen.

Trump schadet deutschen Auto-Aktien

Mehr Sorgen machen Anlegern in diesen Tagen die Nachrichten, die von dem Mann im Weißen Haus kommen. Denn nachdem Donald Trump in der vergangenen Woche Strafzölle auf Stahl und Aluminium angekündigt hat, hat der US-Präsident via Twitter am Wochenende nachgelegt: Sollten die Europäer Vergeltungsmaßnahmen ins Auge fassen, werde er Zölle auf deutsche Autos einführen.

Aus Furcht vor einem möglichen Handelskrieg war der DAX in der vergangenen Woche deutlich in den Keller gerauscht. Heute erholt sich das Börsenbarometer nach den Verlusten zum Handelsauftakt zwar ein wenig. Das gilt aber nicht für Autoaktien. Sie stehen am Ende der Liste der 30 wichtigsten Börsenunternehmen in Deutschland - auch wenn es bislang nur ein "Säbelrasseln" ist und noch keine konkreten Beschlüsse gefasst sind.

Börsenhändler Carsten Sommerfeld vom Handelshaus Tradegate wertet die Drohung übrigens eher als Nebelkerze von Trump, um von anderen Dingen abzulenken: "Die Stimmung im Weißen Haus, gerade auch mit Blick auf die Russland-Affäre, die ist nicht sonderlich gut. Deswegen versucht Trump davon ein bisschen abzulenken, indem er immer mal wieder mit neuen Themen um die Ecke kommt, die für Aufschreie sorgen."

Und noch eine Sorge aus den USA

Wie auch immer, real sind an den Finanzmärkten derzeit - zumindest schwelend im Hintergrund - Sorgen um schnell steigende Zinsen in den USA. Denn die würden an den Anleihemärkten ebenfalls zu steigenden Zinsen führen und risikoarme Staatsanleihen im Gegensatz zu Aktien wieder attraktiver machen. Zudem steigen dann auch die Finanzierungskosten für Unternehmen - was auf die Gewinne drücken würde. Diese Sorgen dürften den Handel an den Börsen in nächster Zukunft wahrscheinlich immer mal wieder einholen. Zusammen mit politischen Unsicherheiten diesseits wie jenseits des Atlantiks sind Schwankungen an den Kapitalmärkten deswegen auch in den kommenden Wochen zu erwarten.

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