Sie sind hier:

Mays Deal abgeschmettert - Die Briten und der Brexit: Eine unendliche Geschichte

Datum:

Die Niederlage war noch heftiger als erwartet. 432 Stimmen gegen Mays Brexit-Deal, fast zwei Drittel. So etwas gab es in der langen Geschichte der britischen Demokratie noch nie.

Großbritannien steht vor noch ungewisseren Zeiten als ohnehin schon. Das Land taumelt einem Brexit ohne Plan und ohne Ziel entgegen. Die Ereignisse am Tag der Brexit-Abstimmung im Überblick.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Ihr Deal sei nun "dead in the water" - mausetot, so hieß das Urteil gleich nach dem überdeutlichen Nein im Unterhaus. Die Hoffnung von Premierministerin Theresa May, sie könne mit kleinen, Brüssel abgerungenen Änderungen den Vertrag doch noch bei einer zweiten oder dritten Abstimmung durchbekommen, ist gleich mitgestorben. Was nun?

May bot der Opposition kurz nach der Abstimmung an, Zeit für ein Misstrauensvotum einzuräumen - und Oppositionsführer Jeremy Corbyn ergriff die Gelegenheit beim Schopf. Schon an diesem Mittwochabend - um 20 Uhr deutscher Zeit - muss sich die Regierung einer Vertrauensfrage stellen. Es wird damit gerechnet, dass sie mithilfe der Nordirischen Unionisten, die eine Labour-Regierung unbedingt verhindern wollen, knapp gewinnt.

Labour strebt Neuwahlen an

Verliert May, drohen Neuwahlen, und dann würden die Karten neu gemischt. Aber wie? Setzt Labour sich wieder für einen super weichen Brexit ein, so wie bei den letzten Wahlen 2017, oder hört Labour-Chef Jeremy Corbyn auf seine Parteimitglieder, die mit überwältigender Mehrheit ein zweites Referendum fordern? Wahrscheinlicher ist, dass das Misstrauensvotum scheitert und sich alle Augen auf Corbyn richten. Im Gegensatz zu seiner Basis ist dieser zutiefst EU-skeptisch, hat angeblich gegen den Brexit gestimmt, aber sich weder vorher noch hinterher für die EU-Mitgliedschaft eingesetzt.

Doch der Parteitag von Labour hat im vergangenen Jahr entschieden: Die Partei strebt Neuwahlen an. Sollte es die nicht geben, werde sie sich für ein zweites Referendum einsetzen. Der Moment, an dem Corbyn sich bekennen muss, rückt näher, auch wenn Alan Wager vom Thinktank "The UK in a Changing Europe" sagt: "Er wird hoffen, dass die Regierung sich zuerst bewegt." Der Labour-Chef fürchtet, die zahlreichen Brexit-Wähler im Norden Englands zu verprellen, wenn die Partei sich für ein zweites Referendum ausspricht.

Die Einschätzungen unserer ZDF-Korrespondentinnen in London und Brüssel.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Brüssel braucht bis Juli eine Entscheidung

Sollte er es dennoch tun, könnte im Parlament eine Mehrheit für eine zweite Volksabstimmung wachsen. Sicher ist sie nicht, und abgeschafft wäre der Brexit damit noch lange nicht. Erstens müsste Brüssel zustimmen, das Austrittsdatum, momentan der 29. März 2019, nach hinten zu verschieben. Eine Referendum-Kampagne dauert gute vier Monate, könnte also frühestens im Juni stattfinden.

Brüssel braucht bis spätestens Anfang Juli eine Entscheidung, denn dann konstitutiert sich das im Mai neu zu wählende EU-Parlament. Und: natürlich weiß niemand, wie dieses zweite Referendum ausgehen würde. Momentan liegen die Umfragen bei 54 zu 46 Prozent gegen den Brexit - so ähnlich sah es vor dem letzten Referendum auch aus. Die Briten könnten sich durchaus noch einmal für den Austritt entscheiden.

Der ungeordnete Brexit droht

Eins ist nach dem Votum sehr unwahrscheinlich geworden, nämlich, dass Großbritannien die EU am 29. März verlässt. Noch droht der ungeordnete Brexit, doch wenn sich das Parlament auf irgendetwas einigen kann, dann darauf, dass es den nicht will und mit allen Mitteln versuchen wird, das Land davon zu verschonen. Bei einer so schwachen Regierung sollte das möglich sein.

Ein Hinweis darauf, dass der ungeordnete Brexit von den meisten als unwahrscheinliches Ende dieser Saga betrachtet wird, ist, dass das Pfund heute Abend nicht wie erwartet abstürzte, als Mays Deal scheiterte, sondern leicht stieg. 

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.