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Erste Kreuzfahrt-Kapitänin - Die Crew hört auf Nicole Langoschs Kommando

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Weibliche Führungskräfte auf See sind selten: Jetzt ist Nicole Langosch Deutschlands erste Kreuzfahrt-Kapitänin geworden - mit Verantwortung für 3.000 Menschen an Bord.

Nicole Langosch ist jetzt die erste deutsche Kapitänin auf einem Kreuzfahrtschiff. Und wird sicher nicht die Einzige bleiben. Mit 19 auf einem Containerschiff angeheuert, Nautik und Logistik studiert.

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Anfahrt auf den Hafen von La Palma. Nur mit den Fingerspitzen bewegt Nicole Langosch am Steuerpult den 250 Meter langen Kreuzfahrtriesen sanft an die Kaimauer. Es knistert vor konzentrierter Anspannung. Für die atemberaubende Kulisse der immergrünen Berge im Hafen von Santa Cruz hat auf der Brücke keiner einen Blick. Viele Passagiere an Bord beobachten das Anlegemanöver. "Auto einparken schafft man, aber ich denk, das ist ein bisschen was anderes. Das ist 'ne größere Nummer", meint Jutta Nolders. Sie hat wie alle anderen 2.200 Passagiere an Bord eine Kanaren-Rundreise mit der AIDA Sol gebucht. Dass sie gerade eine Premiere in der Kreuzfahrt erlebt hat, ist ihr gar nicht bewusst.

Ranghöchste deutsche Frau an Bord eines Kreuzfahrtschiffes

Nicole Langosch ist erst 34 Jahre alt, aber hat es als erste deutsche Frau in die Position des Kapitäns auf der Brücke geschafft. Zehn Jahre durchlief sie viele Karrierestufen an Bord. Nach einem Nautik- und einem Logistik-Studium heuerte Langosch als 3. Offizier bei der AIDA-Flotte an. Arbeitete als nautischer Offizier und trug in den letzten fünf Jahren als Vize-Kapitän Verantwortung für die rund 600 Crewmitglieder. Für ihre Mannschaft ist sie nun "Frau Kapitän".

Mit 19 heuerte sie zum ersten Mal auf einem Frachtschiff an, hat Decks geschrubbt, Wache gestanden. Langosch ist dabei geblieben, liebt es heute, Routen zu planen, den Kurs anzugeben, bekennt sie lachend: "Man bekommt immer mehr Verantwortung, wächst mit viel Erfahrung, ständigem Training der Abläufe in diese Position hinein." Und typisch Frau: "So ein Schiff fährt man ja nicht allein, da gehört ein ganzes Brückenteam dazu." Unterstützt wurde sie lange von ihrem Mentor, Kapitän Przemyslaw Kurc. Er begleitet sie auch auf dieser Reise, gibt letzte Tipps vor der offiziellen Kommandoübergabe. "Nicht die Kapitänsmütze macht's", meint er. "Man wird einfach von der Besatzung akzeptiert oder nicht."

Mit der offiziellen Kommandoübergabe vor den Kanaren liegt das tägliche Briefing an Bord nun in weiblicher Hand. Alle Schiffs- und Wetterdaten werden genau abgefragt. Tägliche Kommunikation in der Führungscrew ist das Wichtigste. Die Erwartungen der Offiziere an ihre Vorgesetzte sind klar: "Das wird genauso sein wie bei anderen Kapitänen, das Vertrauen in die Sicherheit des Schiffes muss einfach da sein", sagt Thomas Sauck, 1. Offizier.

Gleicher Lohn wie für Männer

Aktuell sind von 1.032 deutschen Kapitänen in der Fracht- und Flussschifffahrt 14 weiblich. Frauen werden je nach ihrem Rang an Bord genauso entlohnt wie Männer. Es gibt viele Jobs vom Maschinenraum bis zur Brücke, die mittlerweile für Frauen an Bord interessant sind.

Nicole Langosch hat sich bewusst für die Kreuzfahrt entschieden. "Es sind die vielen sozialen Kontakte, der Querschnitt durch die Bevölkerung bei den Gästen an Bord und die Internationalität, die mich reizen", erklärt die Hessin. Ihr Heimathafen heißt heute Hamburg. Dort hat sie ihren Wohnsitz, verbringt nach drei Monaten an Bord drei Monate an Land.

"Heutzutage ist es einfach, Fotos und Nachrichten von den Häfen der Welt per Handy zu schicken, Kontakt mit Familie und Freunden zu halten." Als Kind war sie mit den Eltern immer segeln, aber niemand aus der Familie hat was mit Tourismus oder Seefahrt zu tun. Sie wusste schon früh, wo sie beruflich mal ankern will: fremde Sprachen, fremde Länder, fremde Kulturen - das hat sie gereizt. "Auf einem Kreuzfahrtschiff hab ich alles zusammen, das ist einfach ideal."

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