Ein schwieriges Jahr für Autobauer

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Automobil-Salon in Genf - Ein schwieriges Jahr für Autobauer

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Ist die deutsche Autoindustrie fit für die Zukunft? Die Branche erwartet für das laufende Jahr ein schwieriges Geschäft. Sie muss verschiedene Herausforderungen meistern.

Genfer Autosalon 2019
Genfer Autosalon 2019
Quelle: dpa

Eine schwächelnde Konjunktur, ein drohender ungeordneter Brexit, die Gefahr von US-Strafzöllen auf europäische Autos: Das sind keine guten Rahmenbedingungen für die deutsche Autoindustrie, meint Peter Fuß, Partner bei der Unternehmensberatung EY. Das bremse die Kauflaune sowohl bei privaten wie gewerblichen Kunden. Nur die Wechselprämien für Besitzer alter Diesel bringe ein wenig Schwung in den Markt. Immerhin aber wurden im Februar nach den jüngsten Zahlen des Kraftfahrtbundesamts in Deutschland mit knapp 269.000 neuen Autos 2.7 Prozent mehr neu zugelassen als ein Jahr zuvor. Das war das erste Plus seit August 2018. Bis auf Porsche und Opel hätten die deutschen Marken Zuwächse verzeichnet. Die waren bei Smart, der BMW-Tochter Mini, Mercedes und Ford zweistellig, VW schaffte nur ein Plus von 4,5 Prozent. Doch immer noch entfällt auf die Marke VW mit 18,6 Prozent der höchste Anteil an den Neuzulassungen.

Mehr deutsche Autos werden im Ausland gebaut

Soviel zu Deutschland. Die Branche schöpft auch insgesamt wieder Hoffnung: Sie rechnet für das laufende Jahr damit, wie schon 2018, insgesamt 16,4 Millionen Autos zu produzieren. Doch die Autos werden vermehrt im Ausland gebaut. 11,6 Millionen Fahrzeuge und damit drei Prozent mehr dürften das 2019 sein, schätzt der Verband der Automobilindustrie (VDA). Im Inland, so der VDA, dürften etwa fünf  Millionen Neuwagen produziert werden, so viele wie 2018. Der Weltmarkt für Pkw werde mit knapp 85 Millionen Autos insgesamt stabil bleiben.

Ganz so optimistisch ist Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer nicht: Der Direktor des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen rechnet mit einem Rückgang um 1,8 Millionen auf unter 82 Millionen Autos - und daher auch mit Produktionskürzungen und Personalabbau.

Der Automarkt schrumpft - weil China schwächelt

Denn insgesamt sinkt die Nachfrage nach Autos weltweit eher, was auch mit den Auswirkungen der Handelskonflikte zu tun hat: Das Wirtschaftswachstum in China flaut ab, das war 2018 auch auf dem Automarkt dort zu spüren. Denn der schrumpfte erstmals, und das sogar um sechs Prozent. China aber ist inzwischen größter Automarkt der Welt und für die deutschen Hersteller sehr wichtig.

Der Marktanteil deutscher Autos in China war 2018 sogar auf knapp 22 Prozent gewachsen. Auch in den USA haben die deutschen Autobauer weniger verkauft als noch 2017, dort haben sie 7,8 Prozent Marktanteil erzielt. Die größten Sorgen aber machen sich die deutschen Autohersteller wegen des noch ungelösten Zollstreits der Europäer mit den USA. Denn der würde die deutschen Produzenten besonders hart treffen.

Gefahr für Arbeitsplätze durch US-Zölle

Das wäre schwer zu verdauen. Es könnte uns zwei bis drei Milliarden Euro kosten - im schlimmsten Fall bei 25 Prozent Zoll.
Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG

"Das wäre schwer zu verdauen. Es könnte uns zwei bis drei Milliarden Euro kosten - im schlimmsten Fall bei 25 Prozent Zoll", sagte Volkswagen-Chef Herbert Diess dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Das hätte auch Folgen für die Beschäftigung - eine echte Bedrohung, die wir versuchen, mit allen Kräften zu vermeiden." Dabei, so meint Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, könnten die Europäer doch den USA gut entgegenkommen: "Sie müssten nur ihre Einfuhrzölle auf Autos aus den USA von aktuell zehn Prozent auf 2,5 Prozent senken." Das ist der aktuelle Zollsatz, der bei der Einfuhr in die USA auf Autos aus der EU erhoben wird.

Volkswagen will in der E-Mobilität Weltmarktführer werden – bis 2025 soll fast ein Viertel der VW-Flotte elektrisch angetrieben sein. "Es wird nicht einfach, uns aufzuhalten", so VW-Konzernchef Herbert Diess.

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Hohe Investition in E-Mobilität geplant

Die Gewinne der deutschen Autohersteller dürften im laufenden Jahr deutlich sinken, vermutet Jürgen Pieper, Analyst des Bankhauses Metzler: "Für das erste Halbjahr rechne ich noch mit zahlreichen Gewinnwarnungen",  sagte er. Die Gewinne dürften auch wegen der hohen Investitionskosten zurückgehen. In den nächsten drei Jahren investiere die deutsche Autoindustrie 40 Milliarden Euro in die Elektromobilität, weitere 18 Milliarden Euro in das vernetzte und autonome Fahren, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes vor Beginn des Automobilsalons in Genf.

Die deutschen Hersteller sehen sich unter hohem Innovationsdruck, in Batterietechnologie zu investieren, 77 Prozent der Führungskräfte der Branche gaben das bei einer Befragung der Strategieberatung "Strategy&" (einer Tochter der Unternehmensberatung PWC) an, "Sie haben lange gewartet, eigene Elektroautos zu entwickeln", erklärt Pieper. Doch er glaubt, dies hätten sie nun "mit deutscher Gründlichkeit" nachgeholt. Von 2020 an komme die Wende, der ein Boom für Elektroautos aus deutscher Herstellung folgen werde, prognostiziert er. Und nicht nur in diesem Bereich haben die Autohersteller gelernt: Die in den letzten Tagen angekündigte Zusammenarbeit der Erzrivalen BMW und Daimler beim autonomen Fahren zeigt, dass die Hersteller ihre Kräfte bündeln: Sie wollen sich da nicht vom selbstfahrenden Google-Fahrzeug Waymo abhängen lassen. 

Tempolimits und Autonomes Fahren

Interessant in diesem Zusammenhang: Die Mehrheit der von "Strategy&" befragten deutschen Branchenvertreter beunruhigen die aktuellen Diskussionen zu einem generellen Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Das wäre ein Hemmnis für ihr Geschäftsmodell. Wenn sie es aber ernst meinten mit autonomem Fahren und Elektromobilität, dann gehe es nicht ohne, glaubt der Verkehrsclub Deutschland. "Sowohl Elektroautos als auch autonome Fahrzeuge sind nicht auf Fahrtgeschwindigkeiten von über 130 Kilometern pro Stunde ausgelegt - alles was schneller ist, ist für autonome Fahrzeuge zu unsicher und senkt bei E-Autos die Reichweite drastisch", erklärt Michael Müller-Görnert vom VCD diese Haltung seines Verbands. Wenn in einem selbstfahrenden Auto das System nicht völlig sicher sein könne, dass kein sehr schnelles Fahrzeug von hinten komme, werde es das Auto eher abbremsen, statt weiter zu überholen, schrieb Müller-Görnert in einem Beitrag für die Frankfurter Rundschau. Gerade die deutsche Autoindustrie muss sich also entscheiden, ob beides zusammengeht.

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