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Die eSIM kommt - Das Ende der SIM-Karte

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Die Zeiten der Handy-SIM-Karte sind gezählt. Ihre Nachfolgerin ist super klein und nicht nur für Telefone gedacht. Klingt gut - wäre da nicht noch die Sache mit dem Datenschutz.

SIM-Karten
Quelle: imago

Damals ist eigentlich noch gar nicht so lange her. Damals ist 1991. Der finnische Mobilfunkbetreiber Elisa hat gerade die ersten SIM-Karten überhaupt bekommen. Kreditkarten-große Plastikungetüme mit einem goldenen Chip drauf. Die Karten passten in Telefone die überall funktionierten - ohne Kabel. Mobiltelefone, so groß wie Koffer und sie konnten tatsächlich "nur" telefonieren.

Das notwendige Übel zum Vertrag

Die Erfolgsgeschichte des Mobiltelefones bis heute ist wohl jedem bekannt. Die SIM-Karte aber hat diese Entwicklung treu begleitet - kaum beachtet. Selbstverständlich immer dabei, aber für die meisten Nutzer das notwendige Übel zum Vertrag. Seit Mikro- und Nano-SIM ein Fummelei in Fingernagelgröße. Für so manchen eine Geduldspiel mit zerbrechlichem Ausgang.

Dabei sind die Karten in den vergangenen fast 27 Jahren nicht nur deutlich kleiner geworden, ihre Speicherkapazität hat sich auch vervielfacht. Gerade mal 8Kbyte passten auf die erste SIM-Karte. Das sind vier DIN-A4-Seiten Text. Von gespeicherter Musik, Fotos oder gar Videos träumte man damals nur.

Was aber jeder wusste: Erst muss die SIM-Karte ins Telefon. Dann den PIN eintippen, dann konnte man ins Netz. So langsam aber steht die SIM-Karte auf der Liste der bedrohten Arten. Sie wird abgelöst von fest verbauten Chips in den Geräten. 80-mal kleiner als eine nano-SIM, ist die eSIM Teil des Gerätes, in dem sie arbeiten soll. Ein digitaler Ausweis, der von außen aktiviert und programmiert wird. Eine Art Fingerabdruck im mobilen Netzwerk.

Eine Karte für das Internet of things

Handys und Tablets hatten die Entwickler der embedded SIM, der eingebauten SIM, gar nicht im Blick, als sie die Plastikkarte weiter geschrumpft haben. Der 6x5mm große Chip soll dem Internet der Dinge zum Durchbruch verhelfen. Der smarte Kühlschrank bietet genügend Platz, moderne Smartwatches sind dagegen sehr klein. Auch das Außenthermometer, der Fenstergriff oder das Fahrrad werden Teil des mobilen Netzwerkes. Im Jahr 2020, so schätzt der Branchenverband BitCOM, werden 100 Millionen Endgeräte mobil vernetzt sein. Handys und Tablets noch gar nicht mitgerechnet.

Schon heute kommen in Autos Notrufsysteme mit fest verbauten SIM-Karten zum Einsatz, eBook-Reader laden Bücher auch außerhalb des WLANs. Diese Freiheit sollen nun auch wir Mobilfunknutzer bekommen. Aber wie frei sind wir dadurch?

eSIM - wieviel Wahlfreiheit kommt?

Ein Smartphone mit eSIM, das es noch nicht gibt, würde sich nach dem Anschalten mit einem zentralen Universal Discovery Server verbinden, den es in dieser Form auch noch nicht gibt. Auf dem Server, den hoffentlich eine neutrale Stelle betreibt, hinterlegen die Mobilfunkanbeiter und -provider ihre Preise und Tarife. Wünschenswert wäre dabei gleich ein Preisvergleich und ein Tipp für den besten Tarif. Ob vor allem die großen Anbieter daran allerdings Interesse haben? Eher nicht.

Der Kunde wählt dann aus der Liste seinen Tarif und seinen Provider. Via Push-Nachricht oder Email kommt dann ein QR-Code vom Anbieter. Darin enthalten sind dann Daten, die die eSIM braucht und schwupps ist man online. Das ist beliebig wiederholbar. Sollte es solche Tarife geben, könnte man im Minuten-Takt den Mobilfunktarif wechseln. Technisch sind auch mehrere Tarife - bei der eSIM heißen sie Profile - gleichzeitig möglich. Einen etwa fürs Telefonieren, einen für die Daten. Einer für Spanien, einer für die USA.

Klingt verbraucherfreundlich - ist aber graue Theorie. Denn nur weil das technisch alles machbar ist, muß der Markt das nicht auch wollen. Wer etwa legt fest, welche Anbieter es auf den Universal Discovery Server schaffen? Gehen die Handy-Hersteller Allianzen mit den Mobilfunkbetreibern ein und lassen nur gewisse Netze zu? So wie es die eigentlich überwunden geglaubte SIM-Lock-Funktion macht? Und vor allem: Wird es einen weltweiten Standard geben?

eSIM - immer online, immer kontrollierbar?

Noch eine Unsicherheit enthält die Entwicklung. Wie sicher sind die Geräte vor Spionage? Bislang war das Telefon aus dem Netz, wenn die SIM-Karte raus war. Mit einer eSIM ist das entsprechende Gerät immer eindeutig identifizierbar im Netz. Die eSIM soll ja gerade den Mobilfunkprovidern eindeutig mitteilen, wer am anderen Ende der Leitung anklopft. Der umgekehrte Weg ist aber natürlich auch offen. So warnt Maik Morgenstern vom Magdeburger Testlabor AV-Test, dass "die physische Kontrolle über die SIM Karte und damit die Verbindung zum Mobilfunknetz wegfällt. Wer das Gerät nutzt, wird also zwangsweise verbunden sein." Außerdem sieht das Testinstitut aus Sachsen-Anhalt ein weiteres Einfallstor für potentielle Bedrohungen. "Dadurch, dass es sich um Elektronik handelt, die vom Nutzer bedient werden kann, bilden sich neue, theoretische Angriffsvektoren heraus. Zum einen Social Engineering Angriffe (bekomme ich den Nutzer dazu, Einstellungen oder sogar Vertragsdaten zu ändern) und zum anderen muss geprüft werden, dass die eSIM nicht durch Malware angegriffen werden kann."

Dass die zu erwartende große Anzahl von Trackern in Smartwatches und Wearables durch eine eSIM ebenfalls permanent online sind, sieht Morgenstern als ein großes Problem der Zukunft. Eines, "das die wenigsten Nutzer bislang im Hinterkopf haben".

Eine Smartwatch mit eSIM gibt es bereits

Fragen, die sicher nach und nach geklärt werden. Einen Zeitplan für die Einführung der eSIM gibt es noch nicht. Dass sie aber kommt ist ausgemacht. Vodafone und O2 bieten als erste Mobilfunkprovider eine smarte Uhr mit einer eSIM an. Die Gear S2 von Samsung. Die Smartwatch ist damit ein komplettes Mobiltelefon - sofort und immer online. Datenübertragung und Telefonie - aktiviert per QR-Code. Und dabei ist das smarte Ding am Arm kleiner und beinahe genauso leicht wie die erste SIM-Karte von 1991. Eben diese große, unhandliche Karte, an die sich heute keiner mehr erinnert. In 20 Jahren erinnert sich vielleicht überhaupt niemand mehr an SIM-Karten. Dann reicht vielleicht schon ein Daumenabdruck oder eine Augenscan und die eSIM bringt das Smartphone online. Hoffentlich zu einem gute Tarif.

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