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Iran-Konflikt: Vorgeschichte, Gründe, Folgen

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Nach Tötung Soleimanis - Iran-Konflikt: Vorgeschichte, Gründe, Folgen

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Nach dem US-Raketenangriff auf den iranischen General Soleimani im Irak befürchten einige einen Krieg. Wie konnte es so weit kommen und warum? Eine Zusammenfassung.

Trauerzug für General Soleimani in Ahwas, Iran.
Ein Trauerzug für den General Soleimani im Iran: Hundertausende versammelten sich.
Quelle: Reuters

Was ist passiert?

Der iranische General Ghassem Soleimani wurde am Freitag unweit des Bagdader Flughafens durch eine US-Drohne getötet. Er hatte die Al-Kuds-Brigaden kommandiert und war Architekt der regionalen Militärstrategie des Irans im Irak, in Syrien und im Libanon.

Weitreichende Reaktionen könnte nicht nur der Tod von Ghassem Soleimani, sondern auch der eines Gefährten nach sich ziehen, der beim gleichen Luftschlag ums Leben kam: Abu Mahdi al-Muhandis. Al-Muhandis war Anführer der irakischen Hisbollah-Brigaden, die die USA für jüngste Angriffe auf Staatsbürger im Irak verantwortlich machen.

Mit dem Angriff auf Soleimani ist dies eine gezielte Tötung zweier der populärsten Militärs im Irak und im Iran und bringt die Öffentlichkeit in beiden Staaten gegen die USA auf.

Mehr dazu im Video:

Nach der Tötung des iranischen Kommandeurs Soleimani kündigt der Iran massive Vergeltung an. Im Iran wie im Irak finden Trauerzüge statt. In Bagdad werden bei einem Raketenangriff in der hochgesicherten Grünen Zone mindestens fünf Menschen verletzt.

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2 min
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Die Vorgeschichte

  • Noch 2015 ließen die USA den genannten Milizen militärische Hilfe im Kampf gegen den IS zukommen. Diese pragmatische Zweckallianz zwischen schiitischen Gruppen und den USA im Kampf gegen IS-Extremisten steht jetzt vor dem Ende.
  • Die Trump-Administration hatte die iranischen Al-Kuds-Brigaden bereits im April 2019 formell zu einer Terrororganisation erklärt.
  • Am 27. Dezember 2019 wurde bei einem Raketenangriff auf eine irakische Militärbasis ein US-Bürger getötet. Die US-Regierung macht für diesen Vorfall die irakischen Hisbollah-Brigaden, eine vom Iran unterstützte Miliz, verantwortlich.
  • Als Reaktion darauf bombardierten US-Streitkräfte am 29. Dezember 2019 mehrere Standorte der Hisbollah-Brigaden im Irak. Rund zwei Dutzend Kämpfer der Organisation sollen dabei getötet worden sein.
  • Daraufhin versuchten am 31. Dezember 2019 Hunderte Anhänger schiitischer Milizgruppen die US-Botschaft in Bagdad zu stürmen. Journalisten dokumentierten, dass auch hochrangige Kommandeure pro-iranischer Milizen bei den Protesten an der US-Botschaft anwesend waren.
Karte: Iran - Irak - Syrien
Quelle: ZDF

Wer war General Soleimani?

General Ghassem Soleimani galt als treuer Diener des geistlichen iranischen Establishments, und war ein Vertrauter des geistlichen Oberhaupts, Ajatollah Ali Chamenei. Wie die Nachrichtenagentur AP schreibt, wäre anders sein Aufstieg zum Kommandeur der auf Auslandseinsätze spezialisierten Al-Kuds-Brigaden nicht zu erklären, deren Auftrag nichts weniger als der Export der islamischen Revolution iranischer Art in die schiitische islamische Welt ist.

Doch vielen seiner Landsleute, so AP weiter, war der 62-Jährige eine Ikone des Widerstands gegen den Druck der USA, unter dem viele wirtschaftlich bis zum Existenzminimum leiden.

Archiv: Ghassem Soleimani aufgenommen am 27.03.2015 in Teheran, Iran
Der iranische General Ghassem Soleimani starb bei einem US-Raketenangriff im Irak.
Quelle: dpa

US-General David Petreaus, der US-Kampfeinsätze sowohl im Irak als auch in Afghanistan befehligte, schilderte 2010 in einer Rede, wie Soleimani sich selbst sah und einschätzte. "Er sagte: 'General Petreaus, Sie sollten wissen, dass ich, Ghassem Soleimani, die Politik des Irans hinsichtlich Irak, Libanon, Gaza und Afghanistan kontrolliere'."

Soleimanis Rolle im Irak und in Syrien im Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat festigte seinen militärischen Ruf. Mehrmals wurde er von Teheran nach Syrien geschickt, um Assad im Kampf gegen den IS und andere Gegner zu helfen. Die irakische Regierung wurde in ihrem Kampf gegen den IS von der US-geführten Koalition mit Luftangriffen unterstützt. Soleimani war an der Front, bewundert und verehrt von denen, die er führte.

Hunderttausende trauern in der iranischen Hauptstadt Teheran um General Soleimani, der bei einem gezielten US-Angriff getötet wurde. ZDF-Korrespondent Jörg Brase ordnet die Ereignisse ein.

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Wer sind die Al-Kuds-Brigaden?

Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem und ist eine auf Auslandseinsätze spezialisierten Kampfeinheit, deren Auftrag der Export der islamischen Revolution iranischer Art in die schiitische islamische Welt ist. Die Einheit taucht seit den 1980er Jahren immer wieder in Konflikten auf - von Afghanistan über den Libanon bis hin zu Syrien. Sie erfüllt Aufgaben, die typischerweise von Geheimdiensten übernommen werden: verbündete Gruppen bewaffnen, ausbilden und ideologisch stärken.

Nach der irakischen Parlamentsresolution für einen Abzug ausländischer Truppen hat der US-Präsident mit Sanktionen gedroht. Die Drohung sprach er auf dem Rückflug von Florida aus.

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Irak, Iran, USA: Die gegenseitigen Drohungen

  • Das irakische Parlament stimmte mehrheitlich für eine Resolution, die das Ende ausländischer Militärpräsenz im Irak verlangt.
  • Der Iran hat Vergeltung für den Luftangriff im Irak zur Tötung Soleimanis angedroht.
  • US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran und Irak im Falle von Gegenreaktionen mit Konsequenzen. Trump stellte dem Irak bei einem Rauswurf der amerikanischen Soldaten harsche Sanktionen in Aussicht.
  • Trump drohte zudem, im Falle iranischer Attacken auf US-Amerikaner Militäraktionen gegen Kulturstätten im Iran ins Auge zu fassen. Damit stellte er sich auch gegen Kritiker in den eigenen Reihen, die ein solches Vorgehen als mögliches Kriegsverbrechen nach internationalem Recht werten.
  • Soleimanis Tochter richtete bei der Trauerprozession eine Warnung an Angehörige von US-Soldaten: "Die Familien von US-Soldaten im westlichen Asien werden ihre Tage damit verbringen, auf den Tod ihrer Kinder zu warten", sagte Seinab Soleimani.
  • Auch der Hamas-Anführer Ismail Hanija nahm an der Trauerzeremonie in Teheran teil. Er gelobte, dass palästinensische Extremistengruppen, darunter seine, Soleimanis Weg weiter gehen würden, "um dem zionistischen Projekt und dem amerikanischen Einfluss entgegenzutreten".
  • Soleimanis Nachfolger Ismail Ghaani betonte in einem Interview des iranischen Staatsfernsehens, dass die USA sich auf Vergeltung gefasst machen müssten. Im Gegenzug für Soleimanis "Märtyrertum streben wir danach, Amerika aus der Region zu beseitigen", erklärte Ghaani.
  • Der Iran zog bei der Atompolitik Konsequenzen. Teheran fühle sich nicht länger an die im Nuklearpakt von 2015 festgehaltenen Beschränkungen gebunden, zitierte das Staatsfernsehen aus einer Stellungnahme der Regierung von Präsident Hassan Ruhani.

Das Atom-Abkommen mit Iran

Iran kündigte Teile des Atom-Abkommens auf und will sich nicht mehr an die begrenzte Zahl der Zentrifugen für die Urananreicherung halten. Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten den Iran zur Einhaltung des Atomabkommens auf. Alle Akteure in dem Konflikt seien zudem zu "äußerster Zurückhaltung" aufgerufen, mahnten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Großbritanniens Premierminister Boris Johnson in einer gemeinsamen Erklärung.

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