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Blick in die Geschichte - Wie es zur Zeitumstellung kam

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Jedes Jahr das gleiche Spiel: Im Frühjahr werden die Uhren vorgestellt, im Herbst zurück. Die EU will das jetzt kippen. Wie es zur Zeitumstellung kam - ein Blick in die Geschichte.

Teilnehmerrekord bei der Umfrage zur Zeitumstellung. Archivbild

Quelle: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Mit einer Online-Befragung der EU-Kommission wurde kürzlich ein neuer Rekord aufgestellt: 4,6 Millionen Menschen nahmen an der Umfrage der Brüsseler Behörde teil. Es ging um die Zeitumstellung. Ein Thema, über das sich offensichtlich streiten lässt. Während der Befragung war der Server zwischenzeitlich sogar überlastet, die Abstimmung war nicht mehr erreichbar. Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer waren für das Ende der Zeitumstellung. Das will EU-Kommissionschef Juncker nun ernst nehmen.

Die Zeitumstellung ist ein Thema, das die Menschen schon seit über zweihundert Jahren beschäftigt.

Benjamin Franklin hatte Idee schon 1784

Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts orientierten sich die meisten Menschen am Stand der Sonne. Innerhalb des deutschsprachigen Gebiets gab es Zeitunterschiede von bis zu sieben Minuten: "Münchener Ortszeit" in Bayern, "Berliner Zeit" in Ostpreußen. Mit der fortschreitenden Industrialisierung wurde eine Vereinheitlichung der Zeit jedoch immer wichtiger.

Der ursprüngliche Ansatz der Zeitumstellung war ökonomischer Natur - man wollte Energie sparen. Es war der amerikanische Politiker und Forscher Benjamin Franklin, der diese Idee bereits 1784 hatte. Nur damals ging es ihm darum, Kerzenwachs zu sparen, weil auch in den Abendstunden Tageslicht zur Verfügung steht.

Diese Energieeinsparung ist jedoch bis heute nicht oder nur kaum messbar. Und obwohl diese Tatsache schon relativ früh deutlich wurde, hielt sich die Annahme der Energieeinsparung hartnäckig in den Köpfen der Öffentlichkeit.

Erstmals Sommerzeit im Jahr 1916

Der erste Versuch, eine Sommerzeit einzuführen, wurde im Deutschen Kaiserreich 1916 gestartet. "Mittags ist dann, wenn die Sonne am höchsten steht", galt nicht mehr. Der natürliche Zeitrhythmus wurde durch die Sommerzeit durcheinander gebracht. Nach drei Jahren wurde diese Regelung also wieder rückgängig gemacht, man ging zurück zur mitteleuropäischen Zeit.

Während der beiden Weltkriege war die Sommerzeit jedoch ein wichtiger ökonomischer Faktor für die Rüstungsindustrie. So sollten sich Rohstoffe einsparen lassen. Eine Stunde mehr Tageslicht bedeutete gleichzeitig auch eine Stunde mehr Arbeitszeit. Also wurde die Sommerzeit im Jahr 1940 wieder eingeführt.

Nachdem Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in vier Besatzungszonen geteilt wurde, war das Zeitchaos perfekt. In den westlichen Besatzungszonen wurde die Sommerzeit beibehalten. Die sowjetische Besatzungszone und Berlin richteten sich jedoch nach der Moskauer Zeit. Das bedeutet: Zwischen Ost- und Westdeutschland klaffte ein Zeitunterschied von zwei Stunden

Deutschland führt MESZ 1980 ein

Mit der Ölpreiskrise 1973 wurden Energieeinsparungen zum Schwerpunkt der Politik. 1980 beschloss man deshalb, die Mitteleuropäische Sommerzeit einzuführen. Die Umstellung war jedoch nicht einheitlich in Europa. Da man einen Flickenteppich bei der Zeitumstellung vermeiden wollte, beschloss man, die Zeit einheitlich in allen Ländern umzustellen.

Mit dem Beschluss der Europäischen Union gilt seit 1996 in der gesamten EU die Zeitumstellung: Jedes Jahr wird die Uhr am letzten Sonntag im März eine Stunde vorgestellt. Am letzten Sonntag im Oktober stellen die Bürger die Uhren dann wieder eine Stunde zurück. Obwohl die Zeitumstellung nun seit mehr als 35 Jahren einheitlich in Europa gilt, sorgt sie jedes Jahr aufs Neue für Verwirrung.

Nachdem sich nun also bei der Online-Befragung die Mehrheit für die Sommerzeit ausgesprochen hat, macht EU-Kommissionspräsident Juncker klar: "Die Leute wollen das, wir machen das."

Wie es nach der EU-Umfrage weitergeht

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