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Börsenkonzerne - Die größten Kapitalvernichter 2017

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Wer waren die größten Kapitalvernichter an der Börse im vergangenen Jahr? Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat die Schreckensliste präsentiert.

Brennender Euroschein
Brennender Euroschein Quelle: picture alliance / blickwinkel

Zunächst einmal die gute Nachricht: Die größten Kapitalvernichter an der Börse haben ihren Aktionären im vergangenen Jahr noch Renditen eingebracht. Das klingt paradox, ist aber der schlichten Tatsache geschuldet, dass es an den Börsen ziemlich deutlich nach oben gegangen ist mit den Aktienkursen. Selbst wer also zu Beginn des vergangenen Jahres sein Geld in die 50 am schlechtesten abschneidenden Unternehmen gesteckt hat, hat sein Vermögen unter dem Strich vermehrt. "Das überrascht eigentlich. Daran sieht man vor allem, wie gut die Börsen im vergangenen Jahr gelaufen sind", sagt der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler.

Steinhoff – quasi ein Totalverlust

Der wichtigste Leitindex DAX hat im vergangenen Jahr um 13 Prozent zugelegt, beim Technologieindex TecDAX waren es sogar 40 Prozent. Demgegenüber haben die 50 schlechtesten Unternehmen immerhin im Durchschnitt noch rund acht Prozent zulegen können. Allerdings gibt es krasse Ausreißer, die Anlegern die Tränen in die Augen getrieben haben. Der Möbelkonzern Steinhoff zum Beispiel. Das Unternehmen wird durch eine Bilanzaffäre erschüttert - der Aktienkurs des Einzelhändlers ist um rund 95 Prozent eingebrochen, bedeutet also quasi einen Totalverlust für die Aktionäre.

Doch auch die Namen bekannterer und größerer Börsenkonzerne tauchen auf der Schreckensliste der DSW auf: Die Deutsche Bank auf Platz 13 etwa, oder auch der Energiekonzern RWE auf Rang 15. Dabei haben sich auch bei diesen beiden Kandidaten die Kurse der Aktien im vergangenen Jahr gut entwickelt. Allerdings sieht die Sache ganz anders aus, wenn man auf den Zeitraum von drei oder fünf Jahren schaut. "Wir legen deswegen Wert auf die längeren Zeiträume, weil die meisten Anleger, wenn sie in Aktien investieren, in längeren Zeiträumen denken", sagt Aktionärsschützer Klaus Nieding von der DSW. Im Zeitraum von fünf Jahren haben die Aktien beider Unternehmen rund ein Drittel ihres Wertes verloren.

Modekonzerne zählen zu den Kapitalvernichtern

Dabei stellen die Aktionärsschützer auch sich ändernde Tendenzen fest. So fanden sich in der Vergangenheit beispielsweise viele Solarunternehmen unter den Kapitalvernichtern. Die gibt es nun kaum noch – viele sind einfach pleite gegangen. Dafür finden sich nun einige Modeunternehmen auf der Liste: Das ehemalige MDAX-Mitglied Gerry Weber zum Beispiel, Tom Tailor oder auch Hugo Boss. Unter dem Strich haben die 50 schlechtesten Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren rund 20 Prozent Kapital vernichtet, in den vergangenen drei Jahren waren es sogar 25 Prozent.

"Anleger sollten sich Unternehmen genau ansehen, in die sie investieren wollen", fasst Marc Tüngler das Ergebnis der Studie zusammen. "Und das heißt: Nicht nur in der Zeit, wo man sich Aktien eines Unternehmens anschaffen will, sondern auch in der Folgezeit." Denn Zeiten, Märkte und Umstände ändern sich – und deswegen können sich auch vielversprechende Unternehmen zu Kapitalvernichtern wandeln. Das zeigt auch die diesjährige Studie: Denn 20 Unternehmen sind neu in die Liste gekommen, entsprechend haben auch 20 Unternehmen die Schwarzliste verlassen können.

P&R-Pleite: DSW fordert mehr Regulierung

Mit Blick auf die Insolvenz des Seecontainer-Anbieters P&R fordern die Anlegerschützer die Regulierung dieses grauen Kapitalmarktes. Rund 50.000 Anleger sind wohl von der Pleite des Unternehmens betroffen. "Hier ist eindeutig die Politik in Berlin gefordert, da haben wir bisher nur Trippelschritte gesehen", kritisiert Klaus Nieding. Die DSW moniert vor allem, dass Anleger offenbar falsch beraten und informiert worden sind. "Zwischen dem Zähneputzen und dem Kauf eines Seecontainers muss noch irgendetwas passieren."

Der Containeranbieter verkaufte Anlegern neue und gebrauchte Frachtcontainer und mietete sie dann für zuletzt 81 Cent pro Tag zurück. Am Ende der Investition stellte das Unternehmen in Aussicht, die Container zu 65 Prozent ihres Wertes zurück zu kaufen. Mit fünf Prozent Rendite wurden Anleger gelockt, der Schaden könnte sich auf 3,5 Milliarden Euro belaufen – es ist damit der bislang größte Anlageskandal in Deutschland. "Der Fall P&R hat einmal mehr gezeigt, dass es nicht nur an den Börsen Kapitalvernichter gibt", sagt Marc Tüngler. Das ist kein Trost für Anleger, die ihr Geld verloren haben. Aber eine Mahnung, sich alle möglichen Anlagen ganz genau anzuschauen – ob an der Börse oder anderswo.

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