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Heißes Wetter weltweit - Wege aus der Hitzefalle

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Hitzewelle weltweit: Der heißeste Juni seit 1945 in Frankreich, bei uns 37 Grad und mehr. Granada und Madrid: über 40 Grad. 54 Grad in der pakistanischen Stadt Turbat. Auch wenn die aktuelle Hitzewelle irgendwann vorüber ist: Sie sollte uns nicht kalt lassen.

"Volle Kanne" zeigt, wie man welche Medikamente kühlen sollte.

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Seit Tagen ist die Weltwetterorganisation in Genf im Hitzealarm-Modus: WMO-Meteorologe Omar Baddour wird nicht müde an die Hitzewelle 2003 zu erinnern. Damals gab es rund 70.000 Hitzetote in Europa. Durchschnittlich erreichten die Temperaturen in den ersten fünf Monaten 2017 nach Berechnungen der US-Wetterbehörde NOAA den zweithöchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen.

Versteckte Gefahren lauern

Porträt Volker Angres
Volker Angres ist Leiter der ZDF-Umweltredaktion

Wenn die Sonne kräftig scheint, steigt auch die Intensität der ultravioletten Strahlung (UV-Strahlen). Kräftige Sonnenbrände können die Folge sein. Vor allem Kinder müssen davor geschützt werden. Sonst steigt das Risiko, eines Tages an Hautkrebs zu erkranken, erheblich. In Deutschland waren 2012 1,6 Millionen Menschen von einer Hautkrebsdiagnose betroffen – die Tendenz ist deutlich weiter steigend. Was auch daran liegt, dass aufgrund der Klimaerwärmung immer mehr Freizeitaktivitäten im Freien stattfinden. Die intensive UV-Strahlung fördert auch die Bildung von bodennahem Ozon. Das Gas macht vor allem denjenigen zu schaffen, die chronisch mit Atemwegsproblemen zu kämpfen haben. Atemnot und Atemwegsentzündungen können die Folge sein.

Ein neuer Masterplan als Vorsorge

Wirklich entkommen kann man der Hitze nicht. Aber man kann den Umgang mit ihr lernen und Vorsorge treffen. Genau das versucht der Masterplan für Hitzewellen, den jetzt das Bundesumweltministerium in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt herausgegeben hat. Das Wichtigste dabei ist gründliche Information darüber, was Hitze mit dem menschlichen Organismus macht und wo die versteckten Gefahren lauern. Besonders kranke und gebrechliche Menschen sind gefährdet, ihr Herz-Kreislaufsystem kann sich nur noch schlecht an die sich meist sehr schnell aufbauende Hitze anpassen. Zudem Trinken nicht nur alte Menschen oftmals viel zu wenig. Folge: Das Blut dickt ein, der Sauerstofftransport geht zurück, die Schweißbildung und damit die Kühlung des Körpers versagen, der Körper überhitzt auf lebensbedrohliche 40 Grad und mehr – es kommt zum Hitzeschlag.

Zentrale Koordinierungsstelle gefordert

Der Masterplan fordert zudem eine bessere Vernetzung der Behörden mit den Gesundheits- und Sozialsystemen. So lautet ein Vorschlag, auf Landesebene eine zentrale Koordinierungsstelle einzurichten, um z.B. die medizinischen Versorgungskapazitäten in der Region zu erfassen und ggf. zu steuern.

Bisher ist die mittlere Lufttemperatur in Deutschland im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts bis heute um etwa 0,9 Grad angestiegen. Das Umweltbundesamt geht davon aus, das weitere 0,5 Grad bis 2050 und noch einmal 1,5 bis sogar maximal 3,5 Grad bis 2070 hinzukommen. Wohlgemerkt: als Anstieg der mittleren Temperatur. Was heißt, dass wir künftige Hitzewellen vermutlich noch viel heftiger zu spüren bekommen. Daher müssen Anpassungsmaßnahmen nicht nur diskutiert, sie müssen umgesetzt werden. Wohnungen und Häuser bspw. sollten mit Verschattungsvorrichtungen versehen, integrierte Jalousien müssen Pflicht beim Neubau werden.

Herausforderung Stadtplanung

Viel Beton auf engstem Raum macht die Städte heiß. Das ist der Nachteil der politisch oft geforderten verdichteten Bebauung. „Mikroklimatisch wird durch die Nachverdichtung letztlich die Überwärmung verstärkt und die Tropennächte nehmen zu, d. h. man kann sich schlechter erholen in der Nacht", sagt der Stadtklimaexperte Peter Trute. "Insbesondere für ältere Bevölkerungsschichten, die gesundheitliche Vorbelastungen haben, ist das relativ ungünstig", so Trute.

Ein echtes Dilemma. Denn den Städten geht der Platz aus. So wie in Hamburg. Für einen neuen Betriebshof der Hochbahn mussten sage und schreibe 2.800 Bäume weg. Zwar schreibt das Gesetz eine entsprechende Nachpflanzung vor, leider aber nicht, wo. Im Hamburger Fall stehen die neuen Bäume jetzt 60 Kilometer von der City entfernt. Natürlich ohne jede Wirkung für die Innenstadt. Denn ein großer Baum wirft mächtig Schatten und erzeugt über die Blätter Verdunstungskälte. Wo Bäume stehen, wird es 1,5 bis 2 Grad kühler.

Vorrang für Parkanlagen

Das ist die schlechte Nachricht für alle Investoren und Städtischen Wohnbaugesellschaften: Sie müssten auf Profit verzichten. Denn die Hitzevorsorge verlangt das Offenhalten von ausreichend innerstädtischen Flächen für Grün- und Parkanlagen mit möglichst üppigem Baumbestand, Straßenbäume wo es nur geht, mit Vorrang vor anderen Nutzungen. Dazu Dachbegrünung, Wasserflächen in den Wohnquartieren und das bewusste Freihalten von Frischluftschneisen: All das ist bekannt. Wir müssen sie nur mutig gehen, die Wege aus der Hitzefalle.

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