Die Kinder von Moria

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Leben im Flüchtlingslager - Die Kinder von Moria

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Etwa 20.000 Menschen leben im griechischen Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos. Fast die Hälfte davon sind Kinder, die dort ein zweites Trauma erleiden.

Kinder im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos.
Kinder im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos.
Quelle: AP

"Ich habe mir Europa viel besser als das hier vorgestellt", sagt Mohammed. "Wie ein Paradies, dass wir hier ein Zuhause bekommen, wo wir leben können. Aber das hier ist kein Paradies." Der Zehnjährige ist einer von rund 20.000 Geflüchteten, die auf der griechischen Insel Lesbos im Flüchtlingslager Moria leben.

Das Lager, ein ehemaliger Militärkomplex, bietet jedoch nur Platz für 3.000 Menschen. Es ist maßlos überfüllt. Deswegen sind Mohammed, seine Eltern und drei Geschwister in den "Olive Grove" ausgewichen, das wilde Camp rund um das offizielle Camp. Im Oktober hatte die Familie ihr Heimatland Syrien in Richtung Europa verlassen. Anfang November kamen sie in Moria an. Der erste Eindruck: ernüchternd.

Katastrophale Zustände

Hier steht ein Zelt dicht neben dem anderen, überall hängt Wäsche zum Trocknen und an jeder Ecke stapeln sich Müllsäcke. Mohammed stört jedoch vor allem etwas anderes: "Die Kälte und, dass wir in Zelten schlafen." Seine Unterkunft teilt er sich mit 15 anderen, teilweise fremden Menschen. Es ist eine improvisierte Konstruktion aus Holzgerüst, Plastikplanen und Pappe als Schlafunterlage.

Außerdem fehlt es an warmen Wasser und Sanitäranlagen. "In manchen Teilen des Camps haben wir pro 200 Menschen eine Toilette und pro 500 Menschen eine Dusche," sagt Anna Pantelia von Ärzte ohne Grenzen.

Die Toiletten sind verstopft und mit Fäkalien verdreckt. Miserable hygienische Bedingungen, die Folgen haben, vor allem für Kinder wie Mohammed.

Ein zweites Trauma

"Die Kinder kommen häufig mit Durchfall, Atemwegserkrankungen, Hautkrankheiten oder anderen Infektionen zu uns", berichtet Pantelia. Seit 2016 betreibt die Hilfsorganisation bei dem Lager eine kleine Feldklinik speziell für Kinder. Und auch an diesem Tag bildet sich vor dem Eingang eine lange Schlange von Menschen. Einige von ihnen wird das Team zurückschicken müssen, denn nur hundert können täglich behandelt werden, mehr könne man nicht leisten, so Pantelia.

Was sie am meisten frustriere, sei die psychische Situation vieler Kinder: "Als die Geflüchteten nur wenige Tage hier im Lager waren, hatten die Kinder, obwohl sie traumatisierte waren, noch Hoffnung. Sie kamen und wollten mit mir spielen. Irgendwie waren sie glücklich. Wenn ich jetzt ins Lager gehe, sehe ich bei vielen Kindern, dass sie die Lust am Leben verlieren."

Die Kinder im Flüchtlingslager Moria erleiden dort ein zweites Trauma, sagt Anna Pantelia von Ärzte ohne Grenzen.

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Hoffnung in Moria

Es gibt aber auch eine andere Seite in Moria, eine, die Hoffnung macht. Zwischen den vielen Zelten in einer kleinen Hütte sitzen rund 30 Kinder auf dem Boden und lernen das englische Alphabet. Im Chor wiederholen sie englische Buchstaben, die ihnen Asila, ein 15-jährige Mädchen vorne an der Tafel, vorspricht. Auch sie ist eine Geflüchtete.

"Sie haben unsere Täume zerstört"
"Sie haben unsere Träume zerstört", steht auf der Mauer des Flüchtlingslagers Moria. Sherif Rizkallah war für die Kindernachrichtensendung logo! dort, um über die Situation der Kinder zu berichten.

Eine der Schülerinnen ist Sharara aus Afghanistan. Sie hat vor allem ein Ziel: So schnell wie möglich Englisch lernen. "Damit ich, wenn ich in ein anderes Land komme, mit den Menschen sprechen kann", sagt die Sechsjährige. Welches Land das sein soll, ist ihr egal. "Eins, das mich nimmt." Die Eltern der Kinder im Camp haben die kleine Schule gebaut. Im Dorf sei für Sharara und die anderen kein Platz, erzählen sie.

Ein bisschen Normalität

Es ist der Versuch, ein bisschen Normalität in das Leben der Kinder zu bringen. Für ein paar Stunden sollen sie das Chaos im Lager vergessen, einfach Kind sein und nach vorne schauen. In ihrer Freizeit spielen Mohammed und die anderen draußen mit Murmeln oder vertreiben sich die Zeit damit, ein kleines Feuer anzuzünden. Denn Spielsachen sind im Lager Moria Mangelware.

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