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Aufschwung in Deutschland - Die Konjunktur - langsam wird es unheimlich

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Überhitzung ist ein böses Wort, bezogen auf die Wirtschaft sogar ein Alarmsignal. Davon spricht das ifo-Institut zwar nicht, doch die Pluszeichen bei der Konjunktur sind erstaunlich. Seit 2013 läuft der Aufschwung, getragen von Verbrauchervertrauen, Firmenzuversicht und dem Export.

"Im Grundsatz läuft die deutsche Wirtschaft gut. Wir haben eine niedrige Arbeitslosigkeit. Trotz Brexit […] war das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr relativ hoch", so Prof. Clemens Fuest, Präsident des ifo - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

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Wird womöglich einmal sogar heißer gegessen, als gekocht wurde? Die Wirtschaftsforscher vom ifo-Institut in München gehen in ihrer jüngsten Konjunkturprognose von weiterem Wachstum in Deutschland aus - mit allem, was dazu gehört: ein fast leergefegter Arbeitsmarkt, hoher Auftragsbestand beim produzierenden Gewerbe sowie innovative Entwicklungen bei Produkten und Dienstleistungen.

Und zunächst ohne die Nachteile, die erfahrungsgemäß zu solch einem Szenario gehören, darunter vor allem die Inflation. Die fehlt - allenfalls 1,7 Prozent Preissteigerung sehen die Experten in diesem Jahr. Was wiederum dazu beiträgt, dass die Europäische Zentralbank ihre Nullzins-Politik beibehalten dürfte. Gut für Unternehmen, die auf Kredit neue Maschinen und Anlagen anschaffen wollen - schlecht weiterhin für Sparer mit Bargeld auf der hohen Kante. So werden aus Sparern zunehmend Verbraucher, und die halten wiederum die Binnennachfrage am Laufen. Das sticht sogar den traditionell starken Wachstumsträger Export aus. Kann das alles eigentlich gutgehen?

Höher, schneller, weiter …

Mit plus 1,8 Prozent in diesem und an die zwei Prozent im nächsten Jahr rechnen die ifo- Wirtschaftsforscher inzwischen, wobei die Tendenz klar ist: Die Prognosen wurden seit dem letzten Winter immer wieder nach oben angepasst. Die Zahlen klingen zunächst einmal recht niedrig - man muss dabei aber bedenken, dass die wirtschaftliche Verfassung der Bundesrepublik ein sehr hohes Niveau erreicht hat. Wenn man schon Spitzenwerte hat, ist es viel schwieriger, noch etwas draufzulegen, als wenn man von einem niedrigen Niveau kommt.

Für Schwellenländer beispielsweise bedeuten Wachstumsraten in zweistelliger Höhe über einen gewissen Zeitraum nichts anderes als erfreuliche Normalität. Bei uns wäre so etwas eine völlige Überhitzung der Konjunktur und damit kaum vorstellbar und auch nicht besonders gesund. Beispiel: Ein ausgefeiltes, computergesteuertes Bauteil in einer Werkzeugmaschine weiter zu verbessern, ist schwierige Tüftelei. Ein Handwerkzeug durch eine Maschine zu ersetzen, ist ein Riesensprung in der Technologie, ohne dass damit aber schon Hightech-Niveau erreicht wäre. Ähnliche Unterschiede bestehen auf dem Dienstleistungssektor oder bei der Infrastruktur.

Allzuviel wäre ungesund

Eine Überhitzung der Konjunktur würde in unbefriedigte Nachfrage führen, Arbeitskräftemangel verursachen, schlagartig steigende Preise bedeuten und damit die Exporte aus Deutschland verteuern - die Vorstufe zum Crash. Solche Gefahren sieht das ifo-Institut derzeit nicht: Deutschlands Wirtschaft mündet in einen gesunden Wachstumspfad, so interpretieren es die Forscher.

Dem Normalbürger dürfte ohnehin auffallen, dass manches im Argen liegt - sei es bei Autobahnbrücken, beim nicht so schnellen Internet, bei reparaturbedürftigen Bahngleisen und dergleichen Erscheinungen mehr, die mit zusätzlichen Investitionen zu verbessern wären.

Da der Staat vom Aufschwung profitiert wie kein zweiter, richten sich die Erwartungen naturgemäß auf die Politik, zumal in Vorwahlkampfzeiten. Der Unterschied zu Wahlkampagnen in Zeiten des Mangels: Man darf davon ausgehen, dass zumindest einige der Politikerversprechen wahr werden könnten. Zumindest am Steuergeld mangelt es nicht. So wäre allenfalls denkbar, dass öffentliche Mittel in unproduktiven Maßnahmen versickern, statt Nutzen zu stiften. Aber ist ein bekanntes Risiko.

Die Wurzeln des Guten liegen zu Hause

Bleibt die Frage: Woher kommt nun das alles? Vermutlich hat viel mit einer optimistischen Haltung von Unternehmen wie auch Verbrauchern zu tun. Trotz allerlei Verwerfungen weltweit fühlen sich die Deutschen laut Umfragen zwar aufs Große bezogen eher besorgt, das persönliche Wohlergehen sehen aber die allermeisten durchaus gewährleistet. Neben den erwähnten harten Fakten etwa an der Zinsfront spielen solche "weichen"  Faktoren bei vielen Alltagsentscheidungen eine wichtige Rolle. Das betrifft den kurzfristigen Konsum ebenso wie größere Anschaffungen.

Trotz aller Unkenrufe scheint das Ausbildungssystem seine Stärken ausspielen zu können; die Regelungen der Tarifpartner und des Staates ermöglichten dem Land einen Vorsprung, als es galt, aus Finanz- und Staatsschuldenkrise herauszukommen. Diese Dynamik hält offenbar noch heute an. Dies lässt auch Störungen wie etwa einen möglicherweise kritischen Bauboom mit schädlichen Auswirkungen momentan eher als Störfeuer erscheinen und nicht als echten Krisenherd.

Unterstützend wirkt die Weltwirtschaft, die laut ifo in diesem Jahr um drei und im nächsten um 2,9 Prozent wachsen soll. Die Krisenszenarien für Russland und Brasilien haben sich entschärft, die eher schädlichen Pläne der neuen amerikanischen Regierung scheinen sich nicht so leicht umsetzen zu lassen.

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