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Siedlung in Südafrika - Orania - die letzte Bastion der Apartheid

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Hier ist es noch wie zu der Zeit, bevor Nelson Mandela freigelassen wurde: Nur Weiße - und von Regenbogennation keine Spur. Ein Besuch in Orania in Südafrika.

Orania-Denkmal und Flagge
Denkmal in der Orania-Siedlung für Vordenker und Führer der Apartheids-Politik
Quelle: ZDF

Es ist der einzige Ort, an dem diese Männer noch verehrt werden: Hendrik Verwourd, Daniel Malan und andere. Die Vordenker und Führer der Apartheids-Politik im 20. Jahrhundert in Südafrika. Unter ihrer Herrschaft gab es die strenge Rassentrennung, wurde die schwarze Mehrheit in Südafrika von der weißen Minderheit unterdrückt, quasi enteignet und als billige Arbeitskraft ausgebeutet. Ihre Büsten stehen in einem Kreis auf einem Hügel in der Wüste mit Blick auf das Städtchen Orania.

Ein wenig gottverlassen wirkt es hier in der Wüste, die Häuser sind bescheiden, aber sehr ordentlich. Sarel Roets, ein großer stämmiger Mann, lebt hier seit sieben Jahren. Mit seiner Frau Yolandi führt er ein Restaurant. Er hat uns zum Monument geführt. Inmitten der Köpfe der Apartheid steht ein Junge mit hochgekrämpelten Ärmeln, sie nennen ihn den "kleinen Giganten". Es ist das Wahrzeichen von Orania.

Sarel Roets und der kleine Gigant
Sarel Roets (l.) und auslandsjournal-Moderatorin Antje Pieper neben der Statue des "kleinen Giganten" in dert Orania-Siedlung
Quelle: ZDF

Sie wollen hier anpacken und ihren Ort und ihre Bewegung größer machen, den Buren ein eigenes Gebiet verschaffen: "Wir sind keine Rassisten", sagt Roets. "Es geht um unsere Kultur. Jeder, der hier leben will, muss Christ sein, Afrikaans sprechen und unsere Burenmusik mögen." Faktisch sind alle rund 1.500 Einwohner Oranias weiß.

Absicherung für die Zeit nach der Apartheid

Carel Boshoff, der Schwiegersohn des früheren Premierministers Hendrik Verwoerd, führte 1990 die 40 burischen Familien an, die sich für die Zeit nach der Apartheid absichern wollten. Sie kauften 3.000 Hektar Land und eine verlassene Siedlung in der Halbwüste Karoo, abseits von größeren Städten.

Ein Ort als Aktiengesellschaft

Bis heute ist Orania keine normale Kommune, sondern eine Aktiengesellschaft. Jedes Jahr wählen sie ein Direktorium aus sieben Personen. So versuchen sie, mitten in Südafrika ein Leben ohne die Regenbogennation zu führen. Sarel Roets zufolge geht es um eine eigene Heimat: "Alle Ethnien Südafrikas haben ihre Heimatregion. Die Xhose, die Zulu, die Wendas und die Tswana. Es gab also die Idee, auch für uns ein Zuhause zu schaffen."

Am Anfang ging es sehr langsam voran, 300 Buren sind Anfang der 90er-Jahre hergezogen, das war, so Sarel Roets, die Pionierphase. Doch seit 2005 hat sich das verändert. Roets spricht von Oranias zweiter Phase. Finanziell steht die Gemeinde nun gut da, das Wasser aus dem Orania-Fluss bewässert die Felder, sogar Pekanussbäume, Mangos und Oliven wachsen.

Karte: Südafrika - Siedlung Orania

Quelle: ZDF

Seine Frau und er sind aus der Hauptstadt Pretoria hergezogen, sie haben vier Söhne. Er gibt sich tolerant, sagt, dass Dinge, die in der Zeit der Apartheid falsch liefen, korrigiert werden mussten. Eines unterscheide Orania deutlich vom System der Apartheid: "Wenn ich Apartheid richtig verstehe, ging es darum, die schwarzen Arbeitskräfte auszubeuten. Hier in Orania war uns klar, dass die Buren nicht mehr die Bosse sein können", sagt Roets. "Wenn wir ein Heimatland haben wollen, müssen wir auch die Arbeit selbst machen."

Eigene Währung und Flagge

Wenn man sich länger mit Roets unterhält, wird klar, dass er und viele andere hier Angst haben, nicht mehr von den anderen Südafrikanern akzeptiert zu werden. "Ich bin Afrikaner, lebe nun mal in Südafrika. Das ist aber frustrierend, denn ich glaube nicht, dass die Südafrikaner uns haben wollen", sagt Roets.

Übersicht über die Anlage Orania
In der Siedlung Orania leben etwa 1.500 Menschen.
Quelle: ZDF

Und so versuchen sie hier in der abgelegenen Halbwüste, den Schwierigkeiten des neuen Südafrika zu entgehen: Armut, Kriminalität und auch die historische Hypothek, die sie während der Apartheid auf sich geladen haben. Doch so einfach wird es nicht funktionieren. Früher oder später werden sich die Oranier mit dem Rest des Landes beschäftigen müssen. Wie lange die südafrikanische Regierung Orania noch toleriert, ist fraglich. Zumal die Oranier sich staatliche Instrumente angeeignet haben: die Ora, eine eigene Währung und eine eigene Flagge. Die von Südafrika sieht man hier hingegen nicht.

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