Zukunft der KI "Made in Germany" in Koehlers Händen

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Leitungswechsel am DFKI - Zukunft der KI "Made in Germany" in Koehlers Händen

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Künstliche Intelligenz bestimmt viele Bereiche unseres Lebens. Am DFKI in Saarbrücken wird dazu seit Jahren geforscht - nun steht erstmals eine Frau an der Spitze: Jana Koehler.

Jana Köhler
Professorin Jana Koehler: Die Informatikerin leitet künftig das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz.
Quelle: dpa

Ihr neues Büro ist sein altes Büro, mittendrin stehen sie beide und beraten nochmal kurz die große Staffelübergabe am Nachmittag. Professorin Jana Koehler und Professor Wolfgang Wahlster kennen sich schon lange. Das Thema Künstliche Intelligenz hat sie schon früher verbunden. Jana Koehler schrieb ihre Doktorarbeit bei ihm. In den 90er Jahren war das. Das DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) war damals ganz neu.

Künstliche Intelligenz löst Probleme

Koehlers Thema: Planungsalgorithmen. Kompliziert, komplex, aber das hat sie schon immer gereizt. Schon sehr früh war für Jana Koehler klar, dass das Thema Künstliche Intelligenz genau ihr Ding ist. "Es hat mich fasziniert, zu sehen, dass Systeme Antworten auf eigentlich unmögliche Fragen finden können", sagt sie. "Damals wollten wir mit Architekten eine Lösung für intelligenten Städtebau suchen, da sind wir auch ziemlich schnell gescheitert, weil man so viele Datenmengen einfach gar nicht speichern konnte." Heute sind selbststeuernde Maschinen in der Industrie überall auf dem Vormarsch: "Industrie 4.0" - das Schlagwort ist allgegenwärtig. Maschinen, die sich an die Bedürfnisse der Unternehmen anpassen. Der Markt ist groß, nicht nur Industriegiganten, auch mittelständische Unternehmen profitieren von der Branche.

Aber zurück in das Büro in Saarbrücken. "Wir sollten sagen, dass das autonome Fahren in der Schiffahrt immer wichtiger wird", sagt Wahlster; sie weist auf besondere Projekte im Umweltschutz hin. Viele Bilder hängen noch nicht an der Wand, Jana Koehler hatte noch nicht einmal Zeit, eine Wohnung für sich zu suchen. An der Wand lehnt eine Zeichnung, die ein Künstler während einer ihrer Vorträge gemalt hat. Irgendwann wird es an der Wand hängen, und auch in den Regalen ist noch nicht alles eingeräumt.

Damals unmöglich - heute Standard

Seit sie ihre Doktorarbeit geschrieben hat, hat sich die Branche rasant weiter entwickelt. "Vieles, was damals unmöglich erschien, ist heute möglich", sagt sie. "Zum Beispiel in der Spracherkennung, heute sind wir in der Lage die menschliche Sprache gut zu erkennen und umzusetzen", so Koehler und verweist auf den inzwischen völlig normalen Umgang mit dem Navi im Auto, ohne das kaum noch jemand unterwegs ist - Künstliche Intelligenz im Alltag.

Nun also ein Generationswechsel an der Institutsspitze. Mit Wolfgang Wahlster geht der Mann, der seit 30 Jahren eines der Gesichter der Branche war. Er hat das DFKI zu einem internationalen Leuchtturm gemacht. Es ist Zeit für einen Wechsel, sagt er, und freut sich, dass eine "seiner" Studentinnen hier jetzt durchstartet: "Sie hat von Saarbrücken aus wirklich weltweit Erfahrung gesammelt. Sie war in Berkeley, einem der renommiertesten Standorte der KI. In Schweden, in England, in der Schweiz. Sie war in der Industrie tätig, das ist gut für uns, wir suchen ja den Kontakt zur Anwendung in der Praxis, sie hat Patente entwickelt, in einem großen Unternehmen als Managerin gearbeitet - insofern ist das eine tolle Karriere, mit der sie hier antritt."

"In der Forschung ist Deutschland sehr gut"

Deutschland braucht gerade jetzt jemanden, der den Bereich der KI konsequent an der Spitze hält. Die Unkenrufe, dass das Land in Sachen Künstlicher Intelligenz hinterherhinkt und längst von China und den USA abgehängt wurde, teilt Jana Koehler nicht. "In der Forschung ist Deutschland sehr gut, da sind wir immer erfolgreich gewesen. Deutschland gehört zu den innovativsten Ländern der Welt und verkauft viele erfolgreiche Produkte. Dabei sind eben viele unsichtbare Anwendungen, die in der Gesamtsumme aber sehr wichtig sind. Wenn die Waschmaschine zum Beispiel die Temperatur mit einem KI-Verfahren optimal steuern kann, dann sieht man das als Konsument gar nicht mehr. Man drückt nach wie vor auf die Taste, und dass das positive Auswirkungen auf die Stromrechnung hat, das geht dann oft völlig unter", sagt sie.

Künstliche Intelligenz: Systeme und Strategien

"Ich wünsche mir, einen sinnvollen Einsatz von KI-Verfahren in der traditionellen Industrie, aber auch einen Einsatz, um Arbeitsplätze zurück nach Europa zu holen. Damit wir Ressourcen schonen, dem Klimawandel effektiv begegnen können", sagt Koehler und nennt den Problembereich Plastik als ein Beispiel. KI könne zum Beispiel helfen, Plastikbestandteile besser zu identifizieren und damit auch die Mülltrennung verbessern zu können. Oder mit KI-Verfahren die Meeresqualität zu untersuchen, um Plastikrückstände besser und schneller zu erkennen.

Erste Frau an der Spitze der Forschungseinrichtung

Jana Koehler ist die erste Frau an der Spitze der renommierten Einrichtung - und wird darauf natürlich immer wieder angesprochen. Sie reagiert mit Ruhe und Gelassenheit: "Man kriegt vielleicht nicht von vornherein die Kompetenz zugebilligt, die ein Mann zugebilligt bekommt. Man wird kritischer angeschaut. Die Beurteilung ist vielleicht anders. Ich sehe da schon noch Unterschiede. Aber man muss das entspannt angehen. Ich halte die Unterschiede für nicht so gravierend. Und in der Praxis hat sich gezeigt, dass die Unternehmen, in denen man weniger Unterschiede macht, die eine offene Kultur haben, die erfolgreichsten sind." Deshalb ermutigt sie Mädchen ausdrücklich, den Bereich Informatik zu erobern. Die Jobchancen seien gut, die Verdienstmöglichkeiten hoch. "Von den Fähigkeiten sind Mädchen genauso gut wie Jungs. Sie müssen es sich einfach zutrauen, etwas ausprobieren. Wenn es schief geht, kann man immer noch was anderes ausprobieren."

Am Montagnachmittag folgte dann das große Ereignis für die deutsche Forschungselite. Über 300 Besucher kamen nach Saarbrücken, zur Stabübergabe, im wahrsten Sinne des Wortes. Professor Wolfgang Wahlster übergab seiner Nachfolgerin Professor Jana Koehler einen Staffelstab, jetzt liegt die Zukunft der KI "Made in Germany" in ihrer Hand.

Jana Koehler hofft, dass ihr trotz der neuen Aufgabe noch Zeit für ihr großes Hobby bleibt: das Segeln. Das Meer ist in Saarbrücken nicht eben um die Ecke, aber genauso gut oder schlecht erreichbar wie früher aus der Schweiz. Das größere Problem wird die Zeit sein. Jetzt setzt sie in einer der wichtigsten Zukunftsbranchen die Segel, um Deutschland in die führende Position in Sachen KI zu steuern.

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