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Erste Runde der Parlamentswahlen - Geringe Wahlbeteiligung in Frankreich

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47 Millionen Franzosen sind heute zur Wahl aufgerufen - die Wahlbeteiligung ist bis zum Mittag allerdings geringer als vor fünf Jahren. Der Bewegung "La République en Marche" wird bei den Parlamentswahlen ein Sieg vorausgesagt, die etablierten Parteien müssen zittern.

Mehr als 47 Millionen Wahlberechtigte können in Frankreich in einem ersten Wahlgang eine neue Nationalversammlung wählen.

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Bei der Wahl der französischen Nationalversammlung hat sich eine niedrige Wahlbeteiligung abgezeichnet. Bis zum Sonntagnachmittag gaben in der ersten Runde gut 40 Prozent der mehr als 47 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab - weit weniger als bei der Wahl vor vier Jahren. Meinungsforscher sagen Präsident Emmanuel Macron und seiner Bewegung eine absolute Mehrheit voraus.

Von der Wahl wird ein fundamentaler Umbruch des Parteiensystems erwartet. Der sozialliberale Macron kann damit rechnen, dass seine Bewegung La République en Marche (Die Republik in Bewegung) zusammen mit der verbündeten Zentrumspartei MoDem stärkste Kraft wird, den traditionellen Volksparteien drohen empfindliche Verluste.

Viele Polit-Neulinge

Der 39-jährige Macron gab seine Stimme zusammen mit seiner Frau Brigitte im nordfranzösischen Badeort Le Touquet ab, wo beide ein Haus besitzen. Sie wurden von einer begeisterten Menge empfangen. Die Vorsitzende der rechtspopulistischen Front National (FN), Marine Le Pen, wählte im nordfranzösischen Hénin-Beaumont, wo sie auf ein Abgeordnetenmandat hofft. In der Stadt stellt die FN seit 2014 den Bürgermeister. Bei der Präsidentschaftswahl im Mai war dort Le Pen Macron deutlich unterlegen.

Macrons La République en Marche und MoDem kommen laut Umfragen auf einen Stimmenanteil von rund 30 Prozent. Bei dem geltenden Mehrheitswahlrecht kann Macron damit nach der Stichwahl am kommenden Sonntag mit einer absoluten Mehrheit von mindestens 289 Mandaten in der Nationalversammlung rechnen. Das würde Macron helfen, umstrittene Reformvorhaben wie die Arbeitsrechtsnovelle durchzusetzen.

Verbündeter unter Druck

Macrons erst vor gut einem Jahr gegründete Bewegung La République en Marche tritt erstmals zur Wahl der Nationalversammlung an. Unter ihren Kandidaten sind zahlreiche Vertreter der Zivilgesellschaft und Polit-Neulinge. Nur knapp 30 erfahrene Parlamentarier treten für das Macron-Lager an, die meisten von ihnen aus den Reihen der ehemals regierenden Sozialisten.

Ähnlich wie schon bei der Präsidentschaftswahl vor drei Wochen dürfte Macron den Konservativen und Sozialisten Einbußen bescheren: Letzte Umfragen sahen die konservativen Republikaner bei rund 22 Prozent, die Sozialisten von Ex-Staatschef François Hollande sogar nur bei acht Prozent. Le Pens Front National könnte 17 Prozent bekommen, die Bewegung Das unbeugsame Frankreich des Linkspolitikers Jean-Luc Mélenchon elf Prozent.

Erste Hochrechnung um 20 Uhr

Die mit Macron verbündete MoDem von Justizminister François Bayrou ist durch eine Scheinbeschäftigungsaffäre unter Druck geraten, was sich auf ihr Wahlergebnis auswirken könnte. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete am Freitag Vorermittlungen wegen des Verdachts der Veruntreuung von EU-Geldern ein. Als Justizminister hatte Bayrou erst vergangene Woche einen Gesetzentwurf für "mehr Moral in der Politik" präsentiert.

Um die 577 Abgeordnetenmandate bewerben sich 7.877 Kandidaten, der Frauenanteil liegt bei gut 42 Prozent. Die letzten Wahllokale schließen um 20.00 Uhr, im Anschluss werden erste Hochrechnungen erwartet. Die Enthaltung wird von Meinungsforschern auf 40 und 51 Prozent geschätzt, das wäre ein neuer Höchststand in der 1958 gegründeten Fünften Republik. Je niedriger die Beteiligung im ersten Durchgang, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass in vielen Wahlbezirken eine Stichwahl abgehalten werden muss.

Starke Sicherheitsvorkehrungen

Für einen Sieg in der ersten Runde braucht ein Kandidat in seinem Wahlkreis mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen. Nötig ist zugleich mindestens ein Viertel der Stimmen der eingeschriebenen Wähler. In der zweiten Runde am kommenden Sonntag reicht dann die einfache Mehrheit aus, um den Wahlkreis für sich zu gewinnen.

Die Abstimmung findet unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt, rund 50.000 Polizisten waren im Einsatz. Grund ist die Serie islamistischer Anschläge in Frankreich: Dabei wurden seit 2015 insgesamt 239 Menschen getötet. In dem Land herrscht seit den Pariser Anschlägen vom November 2015 der Ausnahmezustand.

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