Sie sind hier:

Auszubildende in der Pflegeschule - "Das Schönste ist die Dankbarkeit der Menschen"

Datum:

In der Pflegeschule in Paulinenaue werden Nachwuchskräfte in der Altenpflege ausgebildet. Sie lernen einen harten Beruf, der viel Kraft fordert - und dem es an Anerkennung mangelt.

In Paulinenaue in Brandenburg steht die einzige Pflegeschule im Landkreis Havelland. Kurz nach der Wende eröffnet, werden hier seit 28 Jahren Pflegekräfte ausgebildet.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Es ist acht Uhr morgens als Sylvia Klingelhöfer an diesem Montag im Oktober das erste Mal vor ihre Klasse tritt. Vier Männer und 23 Frauen sitzen ihr gegenüber - junge Menschen, die gerade erst die Schule beendet haben, und ältere, denen man ansieht, dass sie schon viel erlebt haben. Für sie alle beginnt an diesem Morgen ein neuer Lebensabschnitt: ihre Ausbildung zum Altenpfleger.

Lernen, wie man Menschen versorgt

Sylvia Klingelhöfer
Sylvia Klingelhöfer
Quelle: ZDf

In Paulinenaue, mitten in Brandenburg, steht die einzige Pflegeschule im Landkreis Havelland. Kurz nach der Wende eröffnet, werden hier seit 28 Jahren Pflegekräfte ausgebildet. In vier- bis sechswöchigen Theorieblöcken lernen sie, wie Pflege sein sollte - und häufig nicht ist.
"Ich komme aus der Praxis und weiß, dass das Ideal in der Praxis nicht umsetzbar ist", sagt Sylvia Klingelhöfer. "Aber als Lehrerin habe ich mein Ideal und ich werde dieses Ideal auch vermitteln."

Also bringt sie ihren Schülern bei, was es heißt, alten Menschen mit Respekt zu begegnen, sie richtig zu waschen, zu füttern, zu heben. Aber auch, spezifische Krankheitsbilder zu behandeln, mit Angehörigen umzugehen - und mit dem Tod. Eine anspruchsvolle Ausbildung, drei Jahre lang. "Die größte Herausforderung ist, niemanden zu verlieren", sagt Klassenlehrerin Klingelhöfer.

In einer Langzeitbeobachtung begleitet das ZDF-Mittagsmagazin die Ausbildungsklasse einer Pflegeschule. Der Auftakt der Reihe beginnt mit dem Start in den Ausbildungsalltag.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Drei Pfleger für 42 Bewohner

Laura Widulla
Laura Widulla
Quelle: ZDF

Neun Wochen später hat Laura Widulla gelernt, wie sie Pflegebedürftige rückenschonend aus dem Bett heben kann, dass Demenzkranke nicht mehr seitwärts laufen können und der Blutdruck der Patienten steigt, wenn sie selbst nervös ist. Es ist 6:35 Uhr - und sie hat es sehr eilig. Seit ein paar Wochen sind die Pflegeschüler aus Paulinenaue in ihren Ausbildungseinrichtungen, lernen hier, wie Pflege praktisch geht. Für Laura Widulla bedeutet das an diesem Morgen: Sie muss sich um 42 Bewohner kümmern, zusammen mit nur zwei Kolleginnen. Viel weniger als geplant. "Natürlich versuchen wir immer, unser Bestes zu geben und dem Bewohner die beste Pflege zukommen zu lassen" sagt sie. "Aber so ausführlich, wie wir es in der Schule gelernt haben, ist das oft nicht umsetzbar, weil uns die Zeit fehlt."

Laura Widulla wusste das: Nach ihrem Abitur hatte sie ein Praktikum gemacht, um zu sehen, ob der Beruf wirklich etwas für sie sein könnte. Sie solle lieber studieren, hatten Verwandte und Freunde ihr geraten. Sie aber wollte bleiben: "Das Schönste ist, dass die Menschen einem so dankbar sind." Trotzdem wünscht sie sich, dass künftig mehr Zeit für eine gute Ausbildung bleiben wird - und mehr Menschen in die Altenpflege gehen. Denn sie glaubt fest daran: Dieser Beruf ist der richtige für sie, mit einer sicheren Zukunft und Aufstiegschancen. Keine Selbstverständlichkeit in der Region.   

Seit Oktober 2018 begleiten wir eine Klasse von angehenden Altenpflegern durch ihre Ausbildung. Nach den ersten sechs Wochen an der Berufsschule, absolvieren die Auszubildenden dort seit ein paar Wochen ihren ersten Praxiseinsatz.

Beitragslänge:
4 min
Datum:

"Bürokratie kostet enorm viel Zeit und Kraft"

Didier Happy Sikleu
Didier Happy Sikleu
Quelle: ZDF

Für ihren Mitschüler Didier Happy Sikleu ist seit Oktober alles Neuland - und nichts selbstverständlich. "Bei uns bleiben die Alten in der Familie", sagt der 28-Jährige, wenn er über seine Heimat spricht. "Wir haben keine Verwaltung für alte Menschen." Vor knapp zwei Jahren kam er aus Kamerun nach Deutschland. Nun ist er der erste Geflüchtete, der in Paulinenaue zum Altenpfleger ausgebildet wird. "Alten Menschen zu helfen ist ein sehr guter Beruf", findet er. Also steht er jeden Morgen um drei Uhr auf, um Deutsch und für die Schule zu lernen.

Seine Ausbildung macht Didier Happy Sikleu in einer Einrichtung in Rathenow. Hier ist man froh, einen motivierten, guten Auszubildenden gefunden zu haben - auch wenn es hohe Hürden gibt. "Diese ganze Bürokratie kostet enorm viel Zeit und Kraft", sagt Pflegedienstleiterin Silvana Heller-Krebs. "Die Zugangswege müssten aus meiner Sicht wirklich einfacher sein, gerade für junge Menschen, die wollen. Und er will ja." Aber auch drei Monate nach Ausbildungsbeginn, hängt alles an den Behörden; sein Schulzeugnis wurde noch immer nicht anerkannt. "Es nutzt mir nichts, wenn die Politik nach mehr Fachkräften schreit", sagt Silvana Heller-Krebs. "Sie muss mir dann auch sagen, wo ich die herbekomme."

Hintergrund zur Altenpflege

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.