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Russische Reaktionen nach der Wahl - "Von solchen Wahlen können wir nur träumen"

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In Moskau hat die Bundestagswahl nicht überrascht. "In Russland können wir nur von solchen Wahlen träumen", so Ex-Vizefinanzminister Netschajew. "In Deutschland gab es echte politische Konkurrenz." Soll heißen: Ergebnisse in Putin-Land seien oft Resultat von Druck oder Fälschungen.

China sei erleichtert, dass nach der Wahl Angela Merkel weiter im Amt bleiben kann. Für die chinesische Regierung stehe Merkel für die Stabilität der deutsch-chinesischen Beziehungen, sagt der ZDF Korrespondent in Peking Thomas Reichart.

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Mit Spannung hatte Andrej Netschajew den Wahlausgang in Deutschland nicht beobachtet, da das Ergebnis aus Moskauer Sicht keine großen Überraschungen bescherte. Und damit war er nicht allein während der Wahlparty in der deutschen Botschaft an der Moskwa. "Meine Experten haben mich nicht hängenlassen", erklärte voller Stolz Senator Andrej Klimow. "Wir hatten aber gedacht, dass der Abstand zwischen CDU/CSU und SPD größer ausfallen wird. Das Ergebnis zeugt jedoch von Stabilität in der deutschen Gesellschaft. Für uns ist das wichtig, denn mit einer stabilen Führungsriege zusammenzuarbeiten, ist in jeglicher Hinsicht weitaus komfortabler als mit einer instabilen."

Mehr Härte von Merkel gefordert

Der Vorsitzende der interparlamentarischen Gruppe Russland-Deutschland brachte so das Hauptinteresse der russischen Außenpolitik zum Ausdruck, wobei man mit der mitunter harten Position von Bundeskanzlerin Angela Merkel gegenüber Kremlchef Putin durchaus leben könne.

Dem pflichtete Sergej Mitrochin von der liberalen JABLOKO-Partei bei, der die recht ausgewogene Russlandpolitik Deutschlands würdigte, obgleich: "Ich hätte aber gern mehr Härte der Kanzlerin in Bezug auf die Kritik in Fragen der Menschenrechte und demokratische Normen in Russland".

"Es gibt prorussische Stimmen"

Wenig Erstaunen löste dagegen das Abschneiden der kleineren Parteien aus. In Moskau freuten sich viele über das Abschneiden der FDP und der Grünen, denen man schon Sitze in einer Koalitionsregierung einräumt. Und dass die AfD auf Platz drei landete, hatte man erwartet. "Die Botschaft der AfD an Frau Merkel und das politische Establishment in Deutschland ist: Es gibt prorussische Stimmen. Frau Merkel, bitte berücksichtigen sie diese", erläuterte Wladislaw Below, Leiter des Zentrums für Deutschland-Forschungen. "Interessant ist, was aus der AfD im Bundestag wird", denn trotz markiger prorussischer Statements und rechtsextremistischer Aussagen sei diese Partei sehr konform, fuhr Below fort.

Besorgter über den zweistelligen Erfolg der Bundestagsnewcomer war JABLOKO-Vertreter Mitrochin. "Wir werden analysieren, was ihren Erfolg förderte, was für eine Rhetorik sie hatte und welche politischen Themen sie auf die Tagesordnung setzte, denn wir müssen wissen, wie man solchen populistischen Parteien entgegentreten muss. In Russland haben sie ein größeres Potenzial als in Deutschland. Bei uns sind sie gefährlicher", so Mitrochin, "da wir keine solche politische Kultur wie in Deutschland haben".

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