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Bewerbung für CDU-Vorsitz - Die Stationen des Friedrich Merz

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Friedrich Merz gilt als Merkel-Kritiker. Nun hat der wirtschaftsliberale Rechtsanwalt angekündigt für den Chefposten in der CDU zu kandidieren - ein Porträt.

Friedrich Merz will Vorsitzender der CDU werden.
Friedrich Merz will Vorsitzender der CDU werden.
Quelle: Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/dpa

Es wäre ein später Triumph für Friedrich Merz: Der einstige Rivale von Angela Merkel, der aus Frust über ihren Kurs einst die Politik verließ, will sie als CDU-Vorsitzende beerben. Der am 11. November 1955 im sauerländischen Brilon geborene Merz begann nach dem Jura-Studium seine berufliche Laufbahn als Amtsrichter in Saarbrücken. Bei allem Eigensinn galt er lange als einer der profiliertesten Unionspolitiker.

1994 kandidierte der damalige Europaparlamentarier erstmals für den Bundestag und errang auf Anhieb ein Direktmandat. Bald machte er sich vor allem in der Wirtschafts- und Finanzpolitik einen Namen.

Archiv: Friedrich Merz und Wolfgang Schäuble am 16.03.2000 im Deutschen Bundestag
Friedrich Merz und Wolfgang Schäuble am 16.03.2000 im Deutschen Bundestag
Quelle: picture alliance/Ulrich Baumgarten

Im Oktober 1998 wurde er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Zwei Jahre später wurde Merz dann zum großen Hoffnungsträger: Er übernahm den Fraktionsvorsitz von Wolfgang Schäuble.

Wortgewaltig bot der Finanzexperte mit dem angriffslustigen Blick der rot-grünen Koalition die Stirn. Doch nach der Bundestagswahl 2002 kam der Absturz: Parteichefin Merkel griff nach der ganzen Macht und übernahm auch den Fraktionsvorsitz. Merz ließ sich 2002 dennoch überreden, unter Merkel das Amt des Fraktionsvizes für den Bereich Steuern und Finanzen zu übernehmen.

Archiv: Friedrich Merz am 21.06.2002 in Berlin
Friedrich Merz am 21.06.2002
Quelle: picture alliance

Er erarbeitete Ende 2003 das Konzept für ein radikal vereinfachtes Steuerkonzept - die Steuererklärung sollte künftig auf einen Bierdeckel passen. Doch wegen des Widerstands aus der CSU verschob die Union einen Einführungstermin für das "Bierdeckel-Modell" auf den Sankt-Nimmerleins-Tag.

Archiv: Friedrich Merz am 23.11.2004 in Berlin
2004: Friedrich Merz verzichtet auf den Posten als CDU-Fraktionsvize
Quelle: ap

Der Ärger darüber dürfte mit entscheidend für seinen Rückzug aus der politischen Führungsriege gewesen sein: Im Oktober 2004 verzichtete er auf den Posten als Fraktionsvize und seinen Sitz im CDU-Präsidium. Der einst gefeierte CDU-Star wurde nach der Bundestagswahl 2005 weder Finanzminister noch Unionsfraktionschef, als einfacher Abgeordneter musste er sich mit den Hinterbänken im Bundestag begnügen.

Archiv: Friedrich Merz am 02.06.2005 in Berlin
Friedrich Merz wird nach der Bundestagswahl 2005 entmachtet.
Quelle: picture alliance

Seit dem Start der ersten großen Koalition unter Merkel übte Merz unablässig Kritik am Kurs der CDU und der Kanzlerin. In der Debatte über die umstrittene Gesundheitsreform Anfang 2007 machte er sich für die Interessen der Privatkassen stark und stimmte im Bundestag mit "Nein". Danach kündigte er sein Ausscheiden aus dem Parlament mit Ablauf der Legislaturperiode 2009 an. Dies wurde als Schwächung des marktwirtschaftlichen Kurses in der Union gewertet.

Archiv: Friedrich Merz im Jahre 2009
2009 gibt Friedrich Merz sein Ausscheiden aus der Politik bekannt.
Quelle: dpa

Offerten aus der FDP, die Partei zu wechseln, lehnte er ab. Der Vater von drei Kindern konzentrierte sich auf seine Arbeit als Anwalt einer internationalen Wirtschaftskanzlei in Düsseldorf. Viel Zeit investierte er auch in seine Aufsichtsratsposten: 2013 hatte er insgesamt 19 solcher Mandate inne. Aber auch politisch war Merz nie ganz verschwunden. 2014 berief ihn die CDU in die Parteikommission "Zusammenhalt stärken - Zukunft der Bürgergesellschaft gestalten".

Archiv: Friedrich Merz am 08.05.2014 in Berlin
2014: Friedrich Merz erfüllt weiter Aufgaben bei der CDU.
Quelle: dpa

Im November 2017 machte sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) dafür stark, dass Merz Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens Köln/Bonn wird. Zuletzt arbeitete er unter anderem für den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock.

Archiv: Friedrich Merz, Aufsichtsratsvorsitzender der BlackRock Asset Management Deutschland, am 06.04.2017 in Berlin
2017: Friedrich Merz als Aufsichtsratsvorsitzender bei Blackrock Deutschland.
Quelle: dpa

Wirtschaftsvertreter frohlocken bereits angesichts der Aussicht, dass Merz künftig die Geschicke der CDU lenken könnte. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft forderte, es müsse nun jemand die CDU-Führung übernehmen, "der insbesondere wieder wirtschaftspolitische Kompetenz mitbringt".

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