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Tarifverhandlungen bei Gebäudereinigern - Viel Verantwortung, wenig Verdienst

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Operationssäle schrubben für etwas mehr als zehn Euro die Stunde, das ist der Alltag von Ada Z. Wie etwa 600.000 andere Gebäudereiniger hofft sie auf einen deutlich höheren Lohn. Bei den aktuellen Tarifverhandlungen stehen die Zeichen aber auf "Konfrontation".

Böden schrubben, Fliesen polieren, Operationssäle keimfrei machen: Das ist der Job von Ada Z. (43). Für Ihre Arbeit in einem westdeutschen Krankenhaus bekommt sie derzeit knapp über zehn Euro pro Stunde. "Das ist gerade genug, um halbwegs ordentlich über die Runden zu kommen", sagt die Deutschtürkin im Gespräch mit heute.de. Lebensmittel, Kleidung für die Kinder, die Miete: Das lässt sich damit bezahlen. "Aber das war’s dann auch - mein Auto sollte besser nicht kaputt gehen, für eine teure Reparatur hab ich kein Geld übrig."

Harte Verhandlungen stehen an

Ada Z. ist eine von etwa 600.000 deutschen Gebäudereinigern, die sich von der heutigen vierten Tarifverhandlungsrunde in Essen höhere Einkommen erhoffen. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) geht allerdings davon aus, "dass noch ein großes Stück zu gehen" sei, bevor eine Einigung mit der Arbeitgeberseite erzielt werden könne, wie Sprecher Ruprecht Hammerschmidt mitteilt. Das aktuelle Angebot der Arbeitgeber bezeichnet er als "dreist".

Konkret lautet dieses Angebot so: 30 Cent mehr Lohn für die Gebäudereiniger im Westen, 41 Cent mehr im Osten, mit einer Laufzeit von 26 Monaten. Die IG BAU fordert stattdessen einen Euro mehr pro Stunde und eine Lohnangleichung zwischen Ost und West bis 2019. Diese Angleichung sei schon 2011 zugesagt worden.

Demonstranten fordern Respekt vor Gebäudereinigern

Die Arbeitgeber hatten die Vereinbarung vor einem Jahr aber einseitig gekündigt, mit der Begründung, die Frist sei nicht zu halten, die Betriebe im Osten seien damit überfordert und die Lücke wegen unterschiedlicher Lebenshaltungskosten nach wie vor gerechtfertigt. Die Gewerkschaft sieht das anders und argumentiert, dass viele Gebäudereinigungsunternehmen im Osten Probleme hätten, für 9,05 Euro eine qualifizierte Kraft zu finden.

Um den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen, ruft die IG Bau für diesen Dienstag unter dem Motto "Respect for Cleaners" - Respekt für die Reinigungskräfte - zu einer Protestdemo vor den Verhandlungsräumen auf. Ab Mittag um Zwölf wird es deshalb laut werden am Essener Hauptbahnhof, wenn die etwa 500 erwarteten Gebäudereiniger ihren Unmut kundtun. "Wir wollen zeigen, dass wir nicht im luftleeren Raum verhandeln, sondern dass es da draußen um Menschen geht, die mit jedem Cent rechnen müssen", so IG Bau-Sprecher Hammerschmidt.

"Wir wollen raus aus dem Niedriglohn"

IG BAU-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführerin Ulrike Laux begründet die Forderungen nach einem Euro mehr Stundenlohn und dem außerdem gewollten Einstieg in ein 13. Monatseinkommen so: "Wir wollen raus aus dem Niedriglohn. Die Beschäftigten wollen eine deutliche Lohnerhöhung, damit sie ihren Lebensstandard verbessern können."
Das Thema 13. Monatslohn miteingerechnet gehen die Positionen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite noch weiter auseinander: Demnach bieten die Arbeitgeber drei Prozent im Westen und 4,5 Prozent im Osten für eine Laufzeit von zwei Jahren. Die IG BAU dagegen will rund 16 Prozent in Westdeutschland und 29 Prozent in Ostdeutschland.

Hoher Arbeitsdruck und Dauerstress

Für die Gebäudereinigerin Ada Z. wäre schon ein Euro mehr pro Stunde ein echter Gewinn. "Natürlich würde ich mich darüber freuen", sagt sie. "Meine Arbeit ist nicht leicht und ich bin immer unter Druck." Gemeinsam mit einer Kollegin berichtet sie vom Krankenhaus-Job: "Das, was früher zwei Frauen in acht Stunden gemacht haben, soll jetzt zum Teil eine in der gleichen Zeit erledigen."

Das Pensum sei kaum zu schaffen: "Du machst, was nötig ist. Der Rest bleibt, bis man was sieht!" Ada Z. ist sich der Brisanz ihrer Aussagen bewusst. In ihrem Job geht es schließlich auch darum, Keime zu entfernen, die lebensgefährlich für Patienten sein könnten. "Ich versuche, meine Arbeit so gut wie möglich zu machen, aber es ist Dauerstress."

Gewerkschafterin: "Kein Grund für Minilöhne"

Mit solchen Aussagen steht sie nicht allein. Über hohen Arbeitsdruck bei geringem Verdienst, unbezahlte Überstunden, schlechte Einarbeitungen, häufigen Personalwechsel et cetera berichten viele Gebäudereiniger. Einer von ihnen sagt: "Es heißt immer 'Neue Besen kehren gut'. Aber viele der Neuen werden so hart rangenommen, dass sie nach kurzer Zeit alles hinschmeißen." Die Leute fühlten sich ausgepresst wie "Zitronen" und sagten: zu viel Stress für zu wenig Geld.

IG Bau-Verhandlungsführerin Ulrike Laux meint indes, die Kunden der Reinigungsfirmen seien bereit, für gute Qualität und Zuverlässigkeit angemessen zu zahlen. "Es besteht also kein Grund für Minilöhne", so Laux. Die wirtschaftliche Lage der Branche sei gut. Dennoch erwartet die Gewerkschaft für die heutigen Verhandlungen weitere "Konfrontation".

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