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Die Wissenschaft von Düften - "Man riecht mit dem Herzen gut"

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Wenn es nach Tanne und Zimt duftet, dann muss Weihnachten sein. Manche Düfte riecht man und fühlt direkt etwas. Ein wissenschaftlicher Blick in die Welt der Düfte.

Schokolade und Gewürze
Schokolade und Gewürze
Quelle: clipdealer

Es liegt was in der Luft. Düfte sind chemische Moleküle, die wie kleine Staubkörner durch die Luft fliegen. Mit jedem Atemzug kommen einige davon in die Nase. In der obersten Etage der Nase treffen sie auf Riechzellen. Professor Hanns Hatt von der Ruhruniversität Bochum nennt diese die "Spezialisten" der Nase. Denn jede dieser Riechzellen ist Sensor für nur eine bestimmte Sorte von Duftmolekülen. Ein Vanille-Molekül passt zum Beispiel nur an einen Vanille-Rezeptor. Von diesen speziellen Riechzellen gibt es insgesamt 350 Typen und davon jeweils mehrere Kopien, sodass jeder Mensch etwa 30 Millionen Riechzellen hat. "Und die analysieren alles, was an Chemie in unsere Nase kommt", erklärt Hatt.

Ein komplexer Lernprozess

Jedes Molekül, was an einen Rezeptor andockt, löst ein elektrisches Signal aus. Dieser Strom wird von der Nase über eine Nervenleitung ins Gehirn geleitet. Dort kommt dann die Information an, welche Riechzelle getroffen wurde. Bei einem einzelnen Vanille-Molekül ist das einfach. Meist sind Düfte jedoch eine Mischung aus verschiedenen Molekülen. Wenn durch eine Tasse Glühwein zum Beispiel 50 verschiedene Moleküle in die Nase gelangen, lösen diese alle einen einzelnen Reiz aus. Im Gehirn erzeugen die Signale ein Muster. "Das muss das Gehirn auswendig lernen, um zu wissen, was gerade in der Luft ist", sagt Hanns Hatt. Nur wenn das Gehirn das Signalmuster kennt, kann es wissen: Das ist Glühwein.

Es wird komplexer. Wenn der Reiz vom Sensor in der Nase an das Gehirn gesendet wird, gelangt er zuerst in den Riechkolben. Von dort wird die Information über zwei dicke Nervenstränge in zwei wichtige Zentren weitergeleitet. In das Zentrum für Erinnerung und Gedächtnis (Hypocampus) und in das Emotions- und Gefühlszentrum (limbisches System). Mit jedem Atemzug speichert das Gehirn auf diese Weise immer einen Duft, ein Bild und eine Emotion ab. Sobald der Duft noch mal kommt - egal in welcher Situation - ist die Erinnerung, die mit dem Duft verknüpft ist, wieder präsent. Es gilt: Je mehr gleiche Duftmoleküle, desto stärker der ausgelöste Reiz, desto stärker die Erinnerung.

Wo Düfte im Körper wirken

Überall im menschlichen Körper gibt es Duftsensoren. Das hat die Zellphysiologie-Forschungsgruppe in Bochum herausgefunden. Sie hat Riechsensoren zum Beispiel im Darm gefunden. Wenn dort Gewürzmoleküle wie Nelken oder Zimt die Sensoren treffen, beginnt eine chemische Reaktion, die die Motorik des Darms verändert. "Der Darm arbeitet dann schneller oder langsamer", erklärt Hanns Hatt. Solche Mechanismen gibt es auch auf der Haut oder im Herz. "Man 'riecht' auch mit dem Herzen gut. Die Herzsensoren sind zum Beispiel für Fettsäuren zuständig." Wenn das Herz viel Fett im Blut findet, schlägt es schneller.

Professor Hatt wünscht sich, dass die Menschen wieder mehr ihrer Nase folgen. Bei der Partnerwahl könnte das zum Beispiel sehr helfen. "Der Körpergeruch des Menschen ist genetisch definiert", erklärt Hatt. "Unsere Nase entscheidet sich über diesen Duft für einen Partner. Weil man die Gene des anderen riechen kann." Evolutionär ist es klug, immer den Partner mit dem Duft zu wählen, der sich am meisten vom eigenen Körpergeruch unterscheidet. Das bedeutet für die Kinder eine große Genvarianz. In der Realität folgen aber nur wenige Menschen ihrem Geruchssinn. Das erklärt sich Hanns Hatt so: "Düfte sind vielleicht ein Thema, wo wir Menschen uns ein bisschen unseres freien Willens eingeschränkt fühlen." Denn Düfte sind große Informationsträger.

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