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Diesel-Skandal - Volkswagen drohen zigtausende Klagen

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Bislang kam Volkswagen im Diesel-Skandal hierzulande glimpflich davon. Das könnte sich ändern: Firmen aus der Logistikbranche wollen sich Sammelklagen anschließen.

Produktion von VW-Kleintransportern
Sammelklagen könnten für VW teuer werden.
Quelle: dapd

Mehrere Logistikverbände schließen sich zusammen und machen Front zunächst vor allem gegen Volkswagen wegen des Diesel-Skandals. Gemeinsam mit dem Rechtsdienstleister "myright" versuchen die Logistiker, vor Gericht Schadenersatzansprüche gegen den Autobauer durchzusetzen. Denn wer innerhalb der Verjährungsfristen keine Ansprüche anmeldet, würde sonst trotz des Wertverfalls von Dieselautos in Zukunft leer ausgehen. "Volkswagen ist bislang eine fantastische Verteidigungslinie gefahren", sagt Christopher Rother von der Rechtsanwaltskanzlei Hausfeld. Es sei nun an der Zeit, genau die zu durchbrechen und die Rechte vor allem mittelständischer Unternehmen einzuklagen.

12.000 Mittelständler sind aufgerufen, Volkswagen zu verklagen

Der Zusammenschluss zeigt, dass die Unternehmern aus der Logistikbranche und deren Verbände offenbar die Nase voll haben vom Gebaren der Autohersteller, insbesondere von Volkswagen. Anders als in Amerika, muss Volkswagen hierzulande keine nennenswerten Schadenersatzzahlungen leisten. Dabei haben die Fahrzeuge im Zuge des Skandals aber kräftig an Wiederverkaufswert verloren. Der Unternehmer Alexander Hartung findet das unredlich – und wird deswegen an der nun initiierten Sammelklage teilnehmen. "In den USA hat Volkswagen viel Schadenersatz bezahlt, und hier hat der Konzern bislang wenig gemacht, um den Schaden für uns zu lindern", sagt der Unternehmer, in dessen Logistikbetrieb 25 Mitarbeiter arbeiten.

Die angestrebten Sammelklagen könnten teuer werden für Volkswagen. Denn in den vier nun aktiven Verbänden sind rund 12.000 mittelständische Unternehmen organisiert. Schaut man auf die Mitarbeiter, erhöht sich die Zahl zu einer halben Millionen potentiell Betroffener, die sich den Klagen anschließen können. Denn die Verbände fordern explizit die Mitarbeiter der Unternehmen ebenfalls auf, sich den Klagen anzuschließen – auch wenn sie als Privatleute mit ihrem Diesel-Fahrzeug betroffen sind. Konkreter Anmeldschluss für die Sammelklage für bar finanzierte Einzelfahrzeuge ist der 30. Juni., für Fahrzeuge aus Bank- oder Leasingfinanzierten Verträgen bereits der 31. Mai. Dabei steht Verbrauchern grundsätzlich bis Ende des Jahres der Klageweg gegen Autohersteller wie Volkswagen offen. Ab dann allerdings gilt im Fall Volkswagen die Verjährung.

Rechtsanwälte sehen gute Chancen

Jan-Eike Andresen von myright ist sich sicher, dass die Klagen, die sein Unternehmen gegen Volkswagen sammelt, auch Erfolg haben werden. "Wir werden diese Klagen gewinnen. Die Industrie ist sehr findig, wenn es um Dinge geht, die nicht ganz legal sind und wir sind ebenso findig, wenn es darum geht, Vorteile für die Betroffenen wieder zurück zu holen".

Hintergrund der Zuversicht von myright ist die Tatsache, dass es bereits Urteile zu Gunsten von Autobesitzern gibt. Erst im März hatte das Landgericht Heilbronn einem Audi-Besitzer gut 37.000 Euro zugesprochen. Das Auto hatte er im Jahr 2012 für gut 44.000 Euro gekauft. In der Urteilsbegründung hieß es, die Beklagte Volkswagen habe "den Kläger in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise zumindest bedingt vorsätzlich geschädigt".

Volkswagen habe, so stellten die Richter fest, aus eigennützigen Motiven, "nämlich aus bloßem Gewinnstreben", die Schädigung der Käufer von Dieselmotoren "in sittlich anstößiger Weise billigend in Kauf genommen". Deswegen schätzen die Rechtsdienstleister von myright und die Kanzlei Hausfeld, die auf derartige gesammelte Klagen spezialisiert ist, die Chancen für einen Erfolg auch in diesem Fall als sehr hoch ein. Natürlich blicken die beteiligten Anwälte besonders positiv auf kommende Rechtsstreitigkeiten, weil sie so hoffen, möglichst viele klagewillige VW-Kunden vertreten zu können.

Ziel: Volkswagen soll manipulierte Autos zurückkaufen

Dabei liegt das Ziel der Klagen darin, dass Volkswagen betroffene Fahrzeuge wieder zurückkaufen muss – und zwar zum ursprünglichen Kaufpreis der Fahrzeuge. Das ist insofern logisch, als dass dann der Wertverlust bei den Autobauern anfallen würde – und nicht, wie es derzeit aussieht, bei Steuerzahlern oder Verbrauchern.

Das Modell einer gesammelten Klage durch Prozessdienstleister finanziert sich, indem bei Erfolg der Klage die Prozessdienstleister 30 bis 35 Prozent des Schadensersatzes als Provision einstreichen. Risiken gehen dabei weder klagende Verbraucher noch die Unternehmen ein. Denn sollte die Klage gegen die Autohersteller nicht erfolgreich sein, tragen dieses Risiko die Prozessdienstleister. Nach Angaben von myright, vertritt das Unternehmen bereits knapp 50.000 Kunden, die auf diese Weise gegen Volkswagen vorgehen.

Insgesamt könnten 2,5 Millionen Fahrzeughalter mitklagen

Damit allerdings käme Volkswagen unter dem Strich noch glimpflich davon. Denn insgesamt sind von Betrug und Manipulation in Deutschland rund 2,5 Millionen Autos betroffen. Für sie alle gilt: Wer Ansprüche gegen den Konzern geltend machen will, muss das vor Jahresende in die Wege leiten. Sonst sind die Ansprüche voraussichtlich zum Jahreswechsel verjährt.

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