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US-Sammelklage gegen deutsche Autobauer - "Lieber laufen als VW fahren"

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In Deutschland sind die Hintergründe des Autokartells noch in der Aufklärung - in den USA ist man da schon weiter: Deutschen Autoherstellern droht dort eine Klagewelle. Auch wenn noch unklar ist, wie man den Schaden für Verbraucher überhaupt beziffern will.

Autofahrer klagt gegen VW mithilfe eines Rechtsdienstleisters.

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"Die Deutschen verkaufen Millionen Autos in den USA. Das ist fürchterlich. Wir sollten das stoppen", wetterte US-Präsident Donald Trump vor wenigen Wochen. Die Handelsbeziehungen seien unfair. Zur Not müssten Strafzölle für die ausländische Konkurrenz her. Viel Beifall bekam der Präsident für sein Donnerwetter damals nicht. Aber das könnte sich ändern.

Die Berichte über die "Deutschen Auto-Giganten und ihr Kartell" haben die USA erreicht. Mehrere Anwaltskanzleien haben bereits Klageschriften eingereicht. Denkbar schlechte Werbung für "Made in Germany".

Abgasskandal war nur Spitze des Eisbergs

"Der VW-Dieselskandal vor zwei Jahren war offenbar nur die Spitze des Eisbergs", stellt Lesley Weaver fest. "Anscheinend hat da der Schwanz mit dem Hund gewedelt", so die Anwältin der Kanzlei Bleichmar Fonti. Ihre Vermutung: Die Kartellvorwürfe könnten sich als noch viel größerer Skandal entpuppen als das Dieselgate.

Möglicherweise ist eine riesige Anzahl von Autokäufern von dem Kartell betroffen - im Prinzip jeder, der zwischen 1996 und heute ein Auto der deutschen Luxusmarken gekauft hat. Weavers Kanzlei hat eine Sammelklage gegen die deutschen Autohersteller eingereicht. Und sie ist nicht die einzige. In mehreren Bundesstaaten bereiten Anwälte ähnliche Klagen vor. Noch ist es zu früh, über die Höhe eventueller Strafzahlungen und Schadenersatzforderungen zu spekulieren. VW hat nach der Aufdeckung des Dieselskandals 20 Milliarden zahlen müssen.

Im Fall eines möglichen deutschen Autokartells dürfte es aber nicht ganz einfach sein, den Schaden für den einzelnen Verbraucher zu beziffern. "Es ist knifflig, die tatsächlichen Schäden zu berechnen und zu quantifizieren", meint der Kartell-Experte und Wirtschaftsprofessor an der Wharton School of Business, Joseph Harrington. "Autokäufer wurden geschädigt und haben es nicht einmal gemerkt. Sie haben womöglich künstlich hohe Preise bezahlt, sie haben vermutlich nicht die Qualität bekommen, die ihnen versprochen wurde. Sie hätten bessere Autos bekommen, wenn die Firmen konkurriert hätten, statt gemeinsame Sache zu machen."

Knallhart kalkuliert

In den Augen von Anwältin Weaver ist der eigentliche Skandal, dass die Autofirmen Verbraucher und Behörden bewusst betrogen und dabei knallhart kalkuliert hätten. Vermutlich gab es interne Kalkulationen, in denen die finanziellen Vorteile der illegalen Zusammenarbeit berechnet und möglichen Klagen und Strafzahlungen gegenübergestellt wurden.

Das sei gängige Praxis, bestätigt Professor Harrington. Ein Beispiel ist der Fall des Autobauers Ford. In den 1970er Jahren waren beim Modell Pinto die Benzintanks hinten eingebaut worden. Die Folge: Bei Auffahrunfällen explodierte der Tank. Menschen kamen ums Leben. Aber offenbar war es für die Firma billiger zu zahlen als umzurüsten.

"Wenn man in die Geschichte zurückschaut, haben sich Kartellabsprachen für die beteiligten Firmen fast immer gelohnt. Die Höhe der Strafen und Schadenersatzzahlungen - selbst wenn es sich um Milliarden Dollar handelte - waren meist geringer als der Gewinn, den die Firmen aufgrund illegaler Absprachen gemacht haben", so Harrington.

Kartellbildung für Firmen profitabel

Um Firmen davon abzuhalten Kartelle zu bilden, müssten Strafzahlungen und Schadenersatzforderungen so hoch sein, dass es schlicht nicht mehr profitabel sei, illegale Absprachen zu treffen. "Das ist allerdings derzeit noch Wunschdenken", meint Wirtschaftsexperte Harrington. "Auch, wenn es in den vergangenen Jahren einen Trend gab, höhere Strafen zu verhängen, um Kartellbildung unprofitabel zu machen - übrigens auch in Europa."

Anwältin Weaver ist sich sicher, dass die Sammelklage gegen deutsche Autohersteller von einem Gericht zugelassen und verhandelt wird. Der Prozess sei kompliziert und zeitaufwendig, fünf bis zehn Jahre könne es dauern, bis ein Urteil gefällt wird, schätzt Weaver. Aber egal, wie das Verfahren am Ende ausgeht: Die deutschen Autobauer werden einen empfindlichen finanziellen und einen Imageschaden erleiden, da ist sich die Anwältin sicher. Einige Klienten, die sie im VW-Dieselskandal vertreten hat "würden lieber laufen, als jemals wieder ein deutsches Auto zu fahren".

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