Sie sind hier:

Kampagne für mehr Wahlbeteiligung - Erstwählerin: "Will etwas für die Zukunft der EU tun"

Datum:

Mit der Kampagne "Diesmal wähle ich" will die EU junge Menschen an die Wahlurnen der Europawahl bringen. Erstwählerin Sophia Weß berichtet, warum sie dabei ist.

EU-Flagge mit Herz
Quelle: imago

heute.de: Warum gehen so wenige junge Menschen zur Wahl?

Sophia Weß: Die meisten sind pro-europäisch. Aber sie wissen nicht, was Europa für sie tut oder nehmen es für selbstverständlich, ohne dass ihnen klar ist, dass sie selbst etwas dafür tun müssen.

heute.de: Was finden junge Leute gut an der EU?

Weß: Wir können ohne Grenzen quer durch Europa reisen - ohne Extragebühren für das Internet zu zahlen. Wir können überall in Europa studieren und dafür gibt es sogar Förderprogramme. Die Hochschulen arbeiten inzwischen alle grenzüberschreitend. Nationale Grenzen setzen uns keine persönlichen Grenzen mehr.

heute.de: Sind Sie 2014 wählen gegangen?

Weß: Nein, damals durfte ich noch nicht wählen. Ich bin jetzt 21 und das ist meine erste Europawahl.

heute.de: Wie sind Sie auf die Informationskampagne "Diesmal wähle ich" aufmerksam geworden?

Weß: Ich interessiere mich für Politik, habe ein Praktikum bei der hessischen Landesvertretung bei der EU in Brüssel gemacht und bin begeisterte Europäerin. Mir gefällt derzeit weder das Brexit-Chaos noch das Erstarken der Populisten. Und weil ich weiß, dass die Wahlbeteiligung vor allem junger Leute bei der letzten Europawahl 2014 sehr dürftig war, will ich etwas für die Zukunft der EU tun.

heute.de: Sehen Sie auch Reformbedarf in der EU?

Weß: Die Gesetzesverfahren sind zwar transparent, aber sie dauern zu lang.

heute.de: Sie studieren Verwaltungswissenschaften und verstehen die Brüsseler Bürokratensprache bestimmt. Aber was sagen ihre gleichaltrigen Freunde?

Weß: Sprache sorgt noch in vielen Fällen für Distanz. Für Direktübertragungen von Parlamentsdebatten im Internet muss das Vokabular nicht geändert werden. Die werden von politisch Interessierten verfolgt, die diese Sprache verstehen können. Aber in Informationen für die Öffentlichkeit müssen mehr Begriffe erläutert werden und Hintergründe mancher Konflikte aufgezeigt werden, deren Kenntnis nicht von allen jungen EU-Bürgern vorausgesetzt werden sollte. Die Instagram- und Facebookposts von Kommission und Parlament sind alle recht gut.

heute.de: Kommunizieren Kommission und Parlament ausreichend verständlich mit den Bürgerinnen und Bürgern?

Weß: Die Kommunikation wurde in den vergangenen zwei bis drei Jahren wesentlich verbessert. Ich bin überrascht, wie professionell die EU inzwischen über soziale Medien kommuniziert. Aber es hat eben lange gedauert, bis der heutige Stand erreicht war.

heute.de: Spielt die Reform des europäischen Urheberrechts eine Rolle für junge Menschen?

Weß: Die öffentliche Diskussion um die Reform hat viel Aufmerksamkeit auf die EU gezogen. Noch relevanter sind derzeit aber alle Fragen rund um die Umweltpolitik. In jedem Fall sind das zwei Themen, mit denen man Erstwähler triggern kann.

heute.de: Wissen das Parlamentarier und Funktionäre der EU?

Weß: Es ist schade, wenn Schüler zurückgedrängt werden, die sich für den Klimaschutz engagieren. Es ist falsch zu sagen, Jugendliche sollten die wichtigen Fragen erwachsenen Experten überlassen. Ohne an dieser Stelle die Verletzung der Schulpflicht bei vielen der Demonstrationen zu thematisieren, wünsche ich mir grundsätzlich mehr Wertschätzung für Menschen, die sich politisch engagieren. 

heute.de: Haben Sie schon Mitstreiter für die Kampagne im Rhein-Main-Gebiet gefunden?

Weß: Louise Ohlig und ich, wir haben uns bei einer Informationsveranstaltung in Brüssel gefunden und werden am 30. März in Frankfurt bei einem Treffen weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter motivieren. Wir wollen vor allem die Erstwählerinnen und Erstwähler erreichen. Ältere schließen wir natürlich nicht aus.

heute.de: Wie und wo werden Sie im Rhein-Main-Gebiet für die Europawahl werben?

Weß: Wir werden sechs Mal mit Informationsständen und großen Europaflaggen am Luisenplatz in Darmstadt sein. Wir werden erläutern, wann die Wahl ist, wie und was man wählen kann. Darüber hinaus planen wir einen Poetry Slam zu europapolitischen Themen im Regierungspräsidium Darmstadt. Der beste Slammer oder die beste Slammerin gewinnt ein Interrail-Ticket. Wir werden in Schulen gehen und auch auf dem Luisenplatz in Darmstadt eine gemeinsame Messe mit den Jugendorganisationen von Parteien organisieren.

heute.de: Warum laden Sie Parteien ein?

Weß: Weil wir Multiplikatoren über die Wahlen informieren, aber keine Wahlempfehlungen geben können und dürfen.

heute.de: Das machen Sie alles in Ihrer Freizeit?

Weß: Ja.

Das Interview führte Katharina Sperber.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.