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Kollekte - Digitaler Klingelbeutel

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Wenn bald weniger Bargeld im Klingelbeutel landet, könnte das an der digitalen Kollekte liegen. Aber noch ist das Ganze hierzulande eher in der Experimentierphase.

Digitale Spende in Bonner Münster
Digitale Spende im Bonner Münster
Quelle: imago

Es gibt Dinge, die sind so sicher, wie das Amen in der Kirche. Wenn heute an Christi Himmelfahrt der Klingelbeutel durch die Kirchenbänke gereicht wird, wandern Münzen und manchmal auch Scheine dezent in den Spendentopf. Doch das Klimpern und Rascheln könnte über kurz oder lang verstummen. Was in skandinavischen oder anglikanischen Kirchen bereits längst zum Alltag gehört, hält langsam auch in Deutschland Einzug: die digitale Kollekte.

Smartphone zücken

Weil die Zahl der Bankfilialen, aber auch der Geldautomaten zurückgeht, viele Geldinstitute inzwischen für Bargeldeinzahlungen Gebühren erheben, suchen auch Kirchengemeinden nach anderen, modernen Varianten des Kollektensammelns. Eine mögliche Lösung wird derzeit in der evangelischen Kirchengemeinde in Walsrode in Niedersachsen getestet. Zusätzlich zur Opfergabe im Klingelbeutel können Gottesdienstbesucher dort seit kurzem mit einer Handy-App Geld für den guten Zweck spenden.

Portemonnaie stecken lassen, stattdessen das Smartphone zur Hand nehmen, den quadratischen QR-Code einscannen, den man auf einer Karte bei den Kirchenliedern findet: Diese Idee hatte Pastor und Superintendent Ottomar Fricke. Als solcher ist er nicht nur für seine Gemeindemitglieder in Walsrode zuständig, sondern hat zugleich die geistliche Aufsicht und Verwaltung des gleichnamigen Kirchenkreises inne. Seine Beobachtung: "Es ist Realität, dass mancher Gottesdienstbesucher beim Blick in seine Geldbörse feststellt, dass er gerade kein passendes Bargeld dabei hat, weil man sich inzwischen daran gewöhnt hat, überall bargeldlos zahlen zu können."

Herausfordernder Übergang zur bargeldlosen Gabe

Dass die Resonanz noch sehr verhalten ist und die meisten Kirchgänger ihre Spende trotz des modernen Angebots lieber nach wie vor in den Klingelbeutel werfen, beunruhigt Ottomar Fricke nicht. Er betont: "Früher sammelte man in den Gottesdiensten Naturalien für die Armen, Weisen und Bedürftigen. Bei der Ablösung durch Geld werden ganz sicher auch viele noch eine lange Zeit Getreide mitgebracht haben, während andere schon Münzen gegeben haben. Genauso wie der Übergang damals seine Zeit gebraucht hat, entwickeln wir jetzt eben Stück für Stück den Übergang zur bargeldlosen Gabe."

Ob sich die Kollekten-App in der vorhandenen Form durchsetzen wird, ist fraglich: Es gibt Verbesserungsbedarf. Die digitale Kollekte ist eine normale Überweisung. Die Kirche weiß also, anders als beim Klingelbeutelausleeren, wer wieviel gegeben hat. Hinzu kommen die dicken Kirchenmauern, die manchem Smartphone keinen Empfang ermöglichen. Und wird die Überweisung erst einige Tage später getätigt, entsteht ein neues Problem. Statt am Montag ist das Geld erst mit Zeitverzögerung auf dem Kirchenkonto. Weil der nächste Gottesdienst bereits wieder ansteht, müssen ständig neue QR-Codes erstellt werden, um die Spende auch der jeweils richtigen Kollekte zuordnen zu können. Ein Vorteil könnte dagegen sein, dass die Spende so steuerlich absatzbar ist.

Kollekte als wesentlicher Teil des Gottesdienstes

Mit all den Herausforderungen - von technischen Voraussetzungen über den Datenschutz bis zu Anschaffungskosten - setzt sich Stefanie Hoffmann Tag für Tag auseinander. In der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist sie die "Pfarrerin für Kirche im digitalen Raum". Ihr Hauptanliegen: "Wir müssen die sich in der sich digitalisierenden Welt bietenden Möglichkeiten nutzen, um Gemeindeleben lebendiger zu machen und Menschen zu beteiligen." Gleichzeitig sei es auch die Verantwortung der Kirche, möglichst vielen Menschen eine weitestgehend barrierearme Teilnahme an allen Elementen des Gottesdienstes zu ermöglichen.

Ein vorläufiges Nebeneinander von klassischem und digitalem Klingelbeutel ist auch für Ottomar Fricke aus diesem Grund unabdingbar. Der Geistliche hebt hervor: "Ein Gottesdienst ist mehr als nur innere Kontemplation. Dieser hat zwingend immer auch etwas mit dem gelebten Glauben zu tun. Man denke nur an das Fürbittgebet, in dem sich der Not anderer Menschen zugewendet wird. Oder eben, indem man bei der Kollekte tatsächlich etwas gibt."

App, Onlineportal und Co

Neue, praktikable Wege zu finden, hat sich deshalb auch die Evangelische Bank zur Aufgabe gemacht. Dafür erarbeitet die Abteilung E-Business der kirchlichen Genossenschaftsbank aktuell in einem Projekt mit der EKBO ein umfassendes Angebot für digitale Kollekten. Bis Ende 2018 sollen Lösungen bereitstehen. Weiter ist man bereits im Bistum Münster. Dort können Katholiken über ein Online-Spendenportal Geld für Projekte anweisen, für die auch in den Gottesdiensten gesammelt wird. Doch egal ob es am Ende eine App, ein Automat, ein Onlineportal oder der digitale Klingelbeutel ist: Die eine, alle überzeugende Lösung wird es nicht geben. Das bleibt so sicher wie das Amen in der Kirche.

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