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Messe für digitale Bildung - Großer "Nachholbedarf bei Schulen"

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Die Bildungsmesse Learntec in Karlsruhe zeigt ab heute neue Entwicklungen in der digitalen Bildung. Wir haben mit Geschäftsführerin Britta Wirtz über die Trends gesprochen.

Schüler arbeitet mit einem Tablet.
Schüler arbeitet mit einem Tablet. Quelle: dpa

heute.de: Was verstand man noch unter digitaler Bildung, als die Learntec vor 26 Jahren startete?

Britta Wirtz: Anfang der 90er-Jahre stand ja noch nicht mal auf jedem Schreibtisch ein Computer, auch in Schulen und Hochschulen dominierte noch oft das Analoge. Zu den ersten Messethemen gehörten lokale Lernstationen mit Disketten, wo einfache kleine Aufgaben und Trainingseinheiten aufgespielt wurden, die vom Lernenden beantwortet werden mussten - unvernetzt und nicht mobil, ganz zu schweigen von einer möglichen Überprüfung der Ergebnisse am Computer.

heute.de: 2018 gibt es Veranstaltungen zu Virtual Reality, 3D-Druck, Robotik, Chatbots und Gamification: Gehört Bildung inzwischen zum Hochtechnologiesektor?

Wirtz: Die Branche zählt nicht zu dem, was Marketingexperten First Mover (deutsch: Pionierunternehmen) nennen. Die berufliche Bildung ist durch die Nähe zur Industrie, die mit Blick auf die Digitalisierung keine ideologischen Debatten führen musste, aber schon am weitesten. Die Hochschulen sind inzwischen nachgezogen. Den größten Nachholbedarf gibt es noch bei den Schulen.

heute.de: Welche digitale Angebote für Schulen werden in Karlsruhe beispielsweise vorgestellt?

Wirtz: Zum Beispiel ein mobiles Physiklabor: Mit der von der RWTH Aachen entwickelten App Phyphox können Schüler Experimente selbständig durchführen und weiterentwickeln. Oder die Schulbuch-App von Kids Interactive, die Augmented Reality nutzt, um digitale Inhalte in Büchern einzublenden. Solche Angebote können Lehrkräfte in dem Themenbereich school@Learntec auch selbst testen. 

heute.de: Stehen Lehrer Ihrer Erfahrung nach neuen Technologien offen oder skeptisch gegenüber?

Wirtz: Wir haben mit dem Branchenverband Bitkom 2016 eine repräsentative Studie erstellt. Darin gaben 96 Prozent der Lehrer an, ihre Schüler seien motivierter, wenn sie digitale Lerninhalte nutzen könnten. 74 Prozent der Lehrenden sagten, sie hätten dann selbst mehr Spaß am Unterrichten. 83 Prozent wünschten sich Weiterbildungsangebote für den Einsatz digitaler Medien. Diese Motivation müssen wir bedienen - und zwar möglichst schnell. Mit Blick auf die technische Ausstattung der Schulen gibt es noch ein schleppendes Gebaren der Politik. Wir haben die von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) angekündigten Milliarden dafür begrüßt. Aber nun dauert es zu lange, zu klären, ob und wie das Geld über Bund und Länder in die kommunal finanzierten Schulen gelangen soll. Das bremst alles wieder aus.   

heute.de: Finde ich als Lehrkraft bei der Messe auch konkrete Weiterbildungsangebote?

Wirtz: Die Learntec ist per se schon eine Weiterbildungsveranstaltung. Der Bereich school@Learntec bietet etwa geführte Messerundgänge an. Und das Vortragsprogramm für Lehrer ist kostenlos. 

heute.de: Ein Keynote-Thema lautet "Bildung im Zeitalter der digitalen Gesellschaft". Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste, das Bildung in diesem Zusammenhang leisten muss?

Wirtz: Noch vor zehn Jahren dauert es fünf bis sieben Jahre, bis sich das Wissen der Gesellschaft verdoppelte. Heute passiert das alle 700 Tage. Durch das Internet stellt sich nicht mehr die Frage, was kann ich alles wissen, sondern wie lerne ich zu lernen, und wo bekomme ich die relevanten Informationen her. Es geht heute viel stärker um die Vermittlung von Methodenkompetenz. Und das ist mehr und mehr Aufgabe des Lehrers, dadurch verändert sich auch seine Rolle.  

Das Interview führte Nadine Emmerich.

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