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Digitale Weiterbildung - Wo Politik und Wirtschaft nachlegen müssen

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Digitale Kompetenz ist für Arbeitnehmer so wichtig wie nie. Zwar werden Weiterbildungen in dem Bereich verstärkt angeboten, doch an Zeit und finanziellen Mitteln hapert es oft.

Archiv: Frauen arbeiten mit Laptops, aufgenommen am 21.02.2017
Frauen bei einem Programmierkurs (Archivbild)
Quelle: dpa

Bieten Unternehmen Weiterbildungen zu digitalen Themen an?

  • Ja. 63 Prozent, das sind fast zwei Drittel aller Unternehmen, bieten ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Fortbildungen zu Digitalthemen an. Das ergab eine Studie des TÜV-Verbands und des Digitalverbands Bitkom, für die 504 Unternehmen ab zehn Mitarbeitern in Deutschland befragt wurden.
  • Das ist eine große Verbesserung: Vor zwei Jahren haben lediglich 36 Prozent aller Unternehmen derartige Fortbildungen vermittelt.
  • Dabei ist klar, dass Vermittlung und Vertiefung digitaler Kompetenzen notwendig ist. Michael Fübi, Präsident des TÜV-Verbands (VdTÜV), betonte bei der Vorstellung der Studienergebnisse in Berlin: "Die Mitarbeiter brauchen die richtigen Kompetenzen, um die digitale Transformation voranzutreiben. Eine moderne Weiterbildungskultur ist dafür der Schlüssel."

Wünschen sich die Mitarbeiter derartige Weiterbildungsangebote?

  • Ja. Vier von fünf Befragten (78 Prozent) glauben, dass digitale Kompetenzen im Job genauso wichtig werden wie fachliche oder soziale Kompetenzen. 18 Prozent halten digitale Kompetenzen in Zukunft sogar für die wichtigste Fähigkeit von Arbeitnehmern.
  • Fast alle Befragten (99 Prozent) glauben, dass Gelerntes aus Schule, Ausbildung und Studium für die Anforderungen im Berufsalltag nicht ausreichen. Daher müssten regelmäßige Fortbildungen im beruflichen Alltag integriert und lebenslanges Lernen im Zusammenhang mit Digitalisierung unterstützt werden.
  • Bitkom-Präsident Achim Berg will Weiterbildung und lebenslanges Lernen deshalb rausholen aus den theoretischen Diskussionen und sie reinbringen in die "unternehmerische Praxis". Für ihn gehöre Digitalkompetenz dabei in den Mittelpunkt: "Eine gute Qualifikation und die Bereitschaft zu einer stetigen Weiterqualifizierung sichern langfristig Chancen auf dem Arbeitsmarkt."
Grafik: Wenig Zeit für Weiterbildung
Grafik: Wenig Zeit für Weiterbildung
Quelle: Bitkom Research

Wie sieht die Realität aus - werden Weiterbildungen angenommen?

  • Wie die Studie belegt, können Beschäftigte jährlich nur 2,3 Arbeitstage für Weiterbildungen nutzen. Dafür stehen jedem Mitarbeiter im Durchschnitt 709 Euro zur Verfügung. Die Kosten für einen Seminartag bei einem externen Anbieter werden allerdings mit 450 bis 500 Euro beziffert - es klafft also eine gewaltige Lücke.
  • Jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) bietet laut Studie gar keine Weiterbildungen an.

Wie erklärt sich die Lücke zwischen Wunsch und Realität?

  • Mehr als die Hälfte der Unternehmen (57 Prozent) besitzt keine Strategie für die Vermittlung digitaler Kompetenzen.
  • Dazu gehört gleichzeitig ein Know-How über die individuellen Fähigkeiten der Mitarbeiter im Umgang mit digitalen Geräten wie Computern, Smartphones oder Tablets und auch bei der Nutzung digitaler Anwendungen wie Software oder Apps oder Grundkenntnissen des Programmierens.
  • Ein strategischer Ansatz sei bei digitalen Weiterbildungen nötig, findet auch Michael Fübi, nur dann könne man Mitarbeiter durch Schulungen gezielt fördern "und gleichzeitig auf die übergeordneten Ziele des Unternehmens einzahlen".
Grafik: Wenig Geld für Weiterbildung
Grafik: Wenig Geld für Weiterbildung
Quelle: Bitkom Research

Wie kann man digitale Lerninhalte am besten vermitteln?

  • Acht von zehn Unternehmen (79 Prozent) sind gegenüber E-Learning aufgeschlossen. Doch nur jeder dritte Betrieb (32 Prozent) nutzt tatsächlich digitale Lernangebote. Weiterbildung wird in erster Linie noch in konventionellen Formaten präsentiert: Interessierte treffen sich in Seminarräumen und lernen vor Ort.
  • Achim Berg plädiert für eine größere Öffnung in Richtung E-Learning-Methoden. Müheloser könne man Arbeitnehmern Lerninhalte kaum darbringen: "Nie war es für Mitarbeiter einfacher, unabhängig von Zeit und Ort zu lernen - direkt am Arbeitsplatz, auf Bahnfahrten, im Wartezimmer oder in der Mittagspause. Zudem können die Inhalte besser und zielgerichteter vermittelt werden." Außerem sei es zeitgemäß.
  • Wenn mehr digitale Lernmethoden zum Vertiefen digitaler Kompetenzen angeboten werden, verliert die Weiterbildung in diesem Bereich ihr Nischendasein, weil sie durch einfachere Integration in den Alltag leichter zugänglich wird. Motivation und Lernerfolg stellten sich schneller ein, unterstreicht auch Achim Berg.

Problemfall Weiterbildung: Wenn teure Maßnahmen verpuffen

Beitragslänge:
6 min
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Fazit

  • Die Autoren der Studie sind der Meinung, dass Unternehmen eine Weiterbildungskultur einrichten müssten, um berufliches Lernen lebenslang zu ermöglichen. Voraussetzungen seien: eine Weiterbildungsstrategie rund um digitale Kompetenzen und die Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel.
  • Die Wirtschaft müsse sich in diesem Bereich mehr anstrengen und die Politik müsse betriebliche Weiterbildung gezielt fördern, beharrt Berg.
  • Um Weiterbildung zu gewährleisten, fordern vier von fünf Unternehmen steuerliche Vergünstigungen für Weiterbildungsausgaben (81 Prozent). Zudem sollten neue Modelle staatlich gefördert werden wie etwa das sogenannte Bildungssparen in den Bundesländern (59 Prozent).
  • Ein weiterer Vorschlag ist, Kompetenzzentren für digitale Weiterbildung einzurichten. Sie könnten als Anlaufstelle für Unternehmen und Arbeitnehmer dienen. Zudem "könnten neue Bildungskonzepte entwickelt und in der Praxis erprobt werden", ist sich Achim Berg sicher. Fehlende Weiterbildung dürfe in keinem Fall zur Achillesferse der deutschen Wirtschaft werden.
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